Der ungarische Nationalfeiertag am 23. Oktober

Der ungarische Nationalfeiertag am 23. Oktober

Der 23. Oktober, oder auch der Nationalfeiertag in Erinnerung an die ungarische Revolution, gehört zu den wichtigsten ungarischen Feiertagen. Neben dem 15. März und dem 20. August ist dieser Feiertag der letzte der drei historischen Feiertage im Jahr. Am Nationalfeiertag am 23. Oktober gedenken die Ungarn an einen der heroischsten aber auch blutigsten Ereignisse des 20. Jahrhunderts in der ungarischen Geschichte, nämlich an die Revolution im Jahre 1956. Die gesamten Veranstaltungen, die an diesem Tag stattfinden, erinnern einerseits an die endgültige Zerschmetterung des Kommunismus in Ungarn und andererseits an die furchtbaren Geschehnisse, an die sich ältere Bürger bis heute gut erinnern können.

Der geschichtliche Hintergrund des Nationalfeiertages am 23. Oktober geht auf das Jahr 1945 zurück. Nachdem die deutsche Besatzung in Ungarn nach dem Krieg durch eine Sowjetische abgelöst wurde, beschloss die Sowjetunion Ungarn in einen Satellitenstaat zu verwandeln. Das Land sollte sozialistisch regiert werden, vermögende Menschen wurden enteignet und eine Massengehirnwäsche wurde an der Bevölkerung durchgeführt. Wer mit diesen Änderungen nicht einverstanden war wurde schlicht erschossen, oder in ein Arbeitslager zum Sterben gebracht. Ab 1948 wurde auch die gesamte ungarische Politik in ein Einparteiensystem umgewandelt, dass nur von kommunistischen und linken Funktionären betrieben wurde. Die Menschen mussten in einem Elend Leben, das den Jahren des 2. Weltkrieges in Nichts nachstand.

Am 23. Oktober 1956 beschlossen zahlreiche junge Studenten und Schüler eine Demonstration gegen das faschistische System zu beginnen und die Nachricht dieser Aktion verbreitete sich sofort im ganzen Land. Arbeiter, Polizisten, Armeeangehörige und Menschen aus allen Gesellschaftsschichten demonstrierten gegen die Sowjetunion und die kommunistische Regierung. Mit der Situation überfordert wusste der Kreml in Russland zunächst nicht wie darauf reagiert werden sollte. Die Ungarn beendeten ihre Mitgliedschaft im Warschauer Pakt, führten ein demokratisches Wahlsystem ein und erklärten Imre Nagy zum Ministerpräsidenten, welcher in der Geschichte des Landes zu einem der größten Idole eingehen sollte. Anschließend beschloss die Sowjetunion mit der Armee in Ungarn einzumarschieren und ein unbeschreibliches Blutvergießen begann in Ungarn. Über mehrere Wochen wehrten sich Männer, Frauen und Kinder gegen die Armee. Weder die westlichen Nationen, noch andere Staaten des Warschauer Paktes halfen den Bürgern, wodurch tausende Menschen entweder am Schlachtfeld starben oder über den Eisernen Vorhang flohen.

Heute behandelt der 23. Oktober die Ereignisse dieser Tage und Wochen. Zunächst werden Besucher in Ungarn ein ganz besonderes Phänomen entdecken. Im ganzen Land werden ungarische Flaggen gehisst, jedoch haben die meisten ein kreisrundes Loch in der Mitte. Dies geht auf die Tatsache zurück, dass während der sowjetischen Besatzung die ungarische Fahne in der Mitte statt dem Wappen der Nation ein sowjetisches Symbol besaß. Dieses wurde während der Revolution aus den Flaggen ausgeschnitten, um den Kommunismus symbolisch zu entfernen.

Neben diesem besonderen Element finden am 23. Oktober die verschiedensten Veranstaltungen statt. Sehenswürdigkeiten wie das Haus des Terrors oder der Budapester Statuenpark laden zu besonderen Vorträgen ein. An Denkmälern und Mahnmalen werden zeremoniell Blumen und Kerzen niedergelegt, die an die Helden von damals erinnern. In den ungarischen Medien gibt es diverse Dokumentationen und Berichterstattungen rund um die Revolution. Auch die ungarische Politik nutzt den Tag, um verschiedene Reden zu halten. Nicht Zuletzt werden auch jene Menschen der älteren Bevölkerungsschicht geehrt, die damals gekämpft und überlebt haben.

Der Nationalfeiertag zur Revolution am 23. Oktober unterscheidet sich im Gegensatz zu den anderen historischen Feiertagen in zwei Aspekten. Einerseits wird an ein Ereignis gedacht, das erst vor kurzem stattgefunden hat und viele Menschen erleben bis heute die unterschiedlichsten Emotionen, wenn an diesen Tag gedacht wird. Andererseits wird an diesem Tag zwar durchaus eine Feiertagsstimmung verbreitet, jedoch wird sie von einer gewissen Trauer untermalt, dass so viele Menschen ihr Leben lassen mussten um letztendlich weitere 40 Jahre unter der sowjetischen Diktatur leiden zu müssen. Geschichtsinteressierte Besucher aus dem Ausland sollten daher unbedingt am 23. Oktober die vielen Veranstaltungen und Aktivitäten besuchen, um Zeitzeugen, Dokumentationen und historische Orte zu einem der blutigsten Geschehnisse des 20. Jahrhunderts in Ungarn zu erleben.