Der Brauch der Weihnachtsbäume in Ungarn

Die Tradition des Weihnachtsbaumes in Ungarn

Der Weihnachtsbaum etablierte sich ab dem 19. Jahrhundert in Ungarn
Bis auf wenige Unterschiede wird der Weihnachtsbaum in Ungarn so wie in vielen anderen Ländern auch geschmückt (1)
Besonders junge Menschen lieben alternative Dekorationen
Neben klassischen Dekorationen verkaufen Stände und Geschäfte die interessantesten Objekte, die als Christbaumschmuck bezeichnet werden (2)
Das Schmücken ist für die Familie ein wunderschönes Erlebnis
Dekoriert wird ein ungarischer Weihnachtsbaum mit Christbaumkugeln, elektronischen Lichtern und den berühmten Szaloncukor (3)
Ein Weihnachtsfest ohne Weihnachtsbaum ist nicht mehr vorstellbar
An etlichen Orten des Landes werden während der Adventszeit und den Feiertagen Weihnachtsbäume aufgestellt und dekoriert (4)

Einleitung:

In der heutigen Zeit ist es praktisch unmöglich sich ein Weihnachtsfest in Ungarn ohne einen Weihnachtsbaum vorzustellen. Sei es während dem Auspacken der Geschenke oder während dem Genuss des Weihnachtsessens, der bunt geschmückte Festtagsbaum erstrahlt in unterschiedlichsten Formen und Varianten in den ungarischen Wohnzimmern. Während die meisten Eigenschaften des ungarischen Weihnachtsbaumes jenen anderer europäischer Länder stark ähneln, gibt es dennoch einige wenige Unterschiede, die man andernorts nicht entdecken wird. Die Tradition des geschmückten Baumes ist nicht einmal 200 Jahre alt, doch egal ob man sich am Hauptplatz einer ungarischen Stadt, innerhalb eines Geschäftes oder zu Gast bei einer Familie ist, der Weihnachtsbaum ist inzwischen zum wichtigsten Symbol der Weihnachtszeit geworden.

Geschichte:

Interessanterweise reicht der Ungarische Begriff für Weihnachtsbaum viel weiter zurück als die eigentliche Tradition des geschmückten Weihnachtssymbols. In der Mitte des 16. Jahrhunderts wurde nämlich das Wort Karácsonyfa für jenes Brennholz verwendet, welches zu Weihnachten von den Bauern an die Landherren zugeschickt wurde. Der tatsächliche Brauch des immergrünen Weihnachtsbaumes ist auf die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurückzuführen. In Deutschen Territorien war der Baum schon länger bekannt und so exportierten Deutsche Siedler die Tradition nach Ungarn. Der Brauch etablierte sich sehr schnell und mit der Zeit besaßen nicht nur die wohlhabenden Menschen einen ungarischen Weihnachtsbaum.

Im 20. Jahrhundert erlebte der Weihnachtsbaum in Ungarn viele Neuerungen und Änderungen. Bis zum Zweiten Weltkrieg war es für jeden Christen üblich einen solchen Baum zu schmücken und die Geschenke unter ihm zu verstecken. Während der sowjetischen Besatzung hingegen versuchte der Staatsapparat den Brauch zunächst als religiös und später als konsumorientiert zu dämonisieren, was ihm jedoch bis 1990 nicht gelang. Letztendlich erhielt der Brauch ab dem Ende des 20. Jahrhunderts starke Einflüsse vom US-Amerikanischen Brauch und so wurde es üblich für den Baum den perfekten Schmuck mit der idealen Farbkombination zu finden.

Kulturelle Bedeutung:

Insgesamt besitzt der Weihnachtsbaum in Ungarn eher eine symbolische als geschichtliche Rolle. Wenn man Menschen befragt, dann ist der Weihnachtsbaum eigentlich ein Teil wichtiger Ereignisse, die die Familie näher bringen. Sowohl das Schmücken des Baumes als auch die Bescherung und das Öffnen der Geschenke sind Momente in denen sich die gesamte Familie unterhalten kann und eine schöne Zeit verbringen kann. Für Kinder sind die dekorativen Szaloncukor ein wichtiger Bestandteil der Dekoration, für die Erwachsenen sind es hauptsächlich selbstgebastelte Dekorationen oder Schmuckstücke aus der eigenen Kindheit, die vererbt worden sind. Daher ist der Baum selbst zwar ein unverzichtbares Element der Weihnachtstage, am wertvollsten sind aber die damit verbundenen Aktivitäten und Erinnerungen.

Arten von Weihnachtsbäumen:

In Zeiten der digitalen Beleuchtungen und Kunstbäumen aus synthetischen Material gibt es bezüglich der Arten von ungarischen Weihnachtsbäumen eigentlich keine Grenzen mehr. Deshalb wird generell zwischen traditionellen und modernen Baumarten unterschieden. Der traditionelle Weihnachtsbaum ist eine Tanne oder eine Fichte mit einer Durchschnittsgröße zwischen 2 und 2,5 Metern. Nach ihrer Aufstellung im Wohnzimmer oder einem ähnlichen Raum werden sie mit verschiedenen Dekorationen geschmückt und bis nach Silvester stehen gelassen. Während der Vorteil dieser Bäume darin liegt, dass echte Bäume im Gegensatz zu künstlichen doch natürlicher aussehen, ist ein echter Weihnachtsbaum trotz guter Bewässerung nicht allzu lange haltbar.

Neben diesen traditionellen Echtbäumen findet man aber immer öfter auch alternative Weihnachtsbäume in Ungarn. Aktuell sind Kunstbäume äußerst begehrt, da ihre Formen inzwischen sehr realistisch sind und man nicht jedes Jahr einen neuen Baum kaufen muss. Statt der klassischen Tannenform wird auch immer wieder eine ganz andere Baumart verwendet. Manche stellen sich eine dekorierte Weihnachtspalme in das Wohnzimmer, andere schmücken Laubbäume für die Feiertage. Selbst ganz kreative Bäume wie selbstgebastelte Weihnachtsbäume aus Aludosen oder Metallteilen werden gerne auf sozialen Medien vorgestellt. Der Phantasie sind hierbei keine Grenzen gesetzt und besonders junge Menschen sehnen sich häufig nach außergewöhnlichen Weihnachtsbäumen.

Dekorationen:

Ähnlich wie bei den unterschiedlichen Baumarten kann beim ungarischen Weihnachtsbaum die Dekoration ebenfalls in traditionelle und alternative Schmuckstücke unterschieden werden. Ein typischer Weihnachtsbaum wird mit Christbaumkugeln, Weihnachtsgirlanden, einem Stern auf der Spitze, einer Beleuchtung und Süßigkeiten geschmückt. Die Farben der einzelnen Dekorationen sind dem eigenen Geschmack überlassen, es wird generell aber ein Farbmotto mit zwei dominanten Farben gewählt. Die Beleuchtung des Baumes erfolgt selten mit echten Kerzen, viel häufiger werden elektrische Lichter mit LED-Technologie verwendet. Bei den Süßigkeiten ist das Szaloncukor eine typisch ungarische Eigenheit. Die in Folienpapier gewickelten Bonbons dürfen auf keinem ungarischen Weihnachtsbaum fehlen, da sie von Groß und Klein gleichermaßen begehrt werden.

Wiederum ist es eher die junge Bevölkerung in Ungarn, die statt einer klassischen Weihnachtsdekoration etwas Außergewöhnliches haben möchte. Statt Weihnachtskugeln dekorieren Eulen oder Papageien den Baum, statt den klassischen Farben Rot und Gold sind auf den Bäumen die Farben Pink und Giftgrün zu finden. In der Adventszeit stehen sowohl auf Weihnachtsmärkten als auch in Fachgeschäften die kuriosesten Objekte und Dekorationen zur Verfügung mit denen der Weihnachtsbaum in Ungarn geschmückt werden kann. Die lustigen Dekorationen erheitern nicht nur Besucher, sondern bieten auch eine erfrischende Abwechslung. Insgesamt wächst dieser Trend jedes Jahr, der Großteil der Bevölkerung bevorzugt aber dennoch einen klassischen Baum mit traditionellem Schmuck.

Zeitpunkt des Schmückens:

Üblicherweise gibt es einige Zeitpunkte, an denen ein Weihnachtsbaum in Ungarn aufgestellt, geschmückt und wieder entsorgt wird. Am Morgen des 24. Dezember wird der Baum normalerweise aus dem Garten oder Keller in das gewünschte Zimmer gebracht, damit er etwas auftauen kann. Am Nachmittag versammeln sich dann die Freunde oder Verwandten, um den Baum gemeinsam zu schmücken. Zu dieser Zeit finden auch die letzten Vorbereitungen für das Weihnachtsessen statt und nach dem Schmücken werden die Geschenke unter dem Baum platziert. Der festlich dekorierte Baum bleibt dann normalerweise bis zum Dreikönigsfest am 6. Jänner in den Wohnungen und Häusern und wird anschließend je nach Baumart für das nächste Jahr verpackt oder weggeworfen.

Zusammenfassung:

Es kann sicherlich gesagt werden, dass ein Weihnachtsfest ohne einen ungarischen Weihnachtsbaum nicht mehr vorstellbar ist. Kinder freuen sich auf die Süßigkeiten und die Geschenke, während Erwachsene während dem Schmücken oder während anderer gemeinsamer Aktivitäten sich mit Freunden und Verwandten unterhalten können. Die Bräuche rund um den Weihnachtsbaum sind jenen anderer Länder sehr ähnlich, aber Dekorationen wie das Szaloncukor wird man nur auf ungarischen Weihnachtsbäumen entdecken. Die Verbreitung des Brauches ist enorm, immerhin wird man während der Weihnachtszeit kein Einkaufszentrum, keinen Hauptplatz und nur wenige Geschäfte entdecken, die nicht einen Weihnachtsbaum besitzen. Von klassischen Bäumen mit Christbaumkugeln über weihnachtliche Palmen mit schrillen Farben und Dekorationen ist Alles vorhanden, jedoch liegt der kulturelle Fokus nicht auf dem Nadelbaum, sondern auf den schönen Erinnerungen und Emotionen die mit ihm in Verbindung gebracht werden.

 

Weitere relevante Informationen

Original Ungarischer Name: Karácsonyfa

Ursprünge der Tradition: Deutsche Siedler im 19. Jahrhundert

Kulturelle Bedeutung: Der Weihnachtsbaum ist ein Symbol für Weihnachten, welches mit familiären Ereignissen in Verbindung gebracht wird

Verbreitung im Land: Christen im ganzen Land schmücken Weihnachtsbäume

Herkunft der Bäume: Die meisten Echtbäume werden in Ungarn gezüchtet und verkauft, Kunstbäume werden meistens importiert

Verkaufsorte: Weihnachtsbäume werden in Baumärkten, Weihnachtsmärkten, Freiluftverkaufsarealen und ähnlichen Orten angeboten

Typischer Schmuck des Baumes: Christbaumkugeln / Girlanden / Figuren / Lametta / Szaloncukor etc.

Wichtige Tage rund um den Weihnachtsbaum: Am 23. oder 24. Dezember wird der Baum geschmückt, am 6. Jänner wird er entsorgt


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