Der ungarische Fertö-Hanság Nationalpark

Der Nationalpark Fertö-Hanság

Der westlichste der ungarischen Nationalparks ist zweifelsohne der Nationalpark Fertö-Hanság. Zwischen Sopron und Mosonmagyaróvár gelegen ist das Gebiet nicht nur auf Grund der Fauna und Flora einzigartig, sondern auch aus dem Grund, dass dieser Nationalpark der einzige Ungarns ist, welcher großflächig mit einem österreichischen Nationalpark zusammengeschlossen wurde. Die zwei Hauptelemente des Nationalpark Fertö-Hanság sind natürlich der Fertö-See und die Hanság, die Lebensraum für Lebewesen und Lehrpfade für Freunde der Natur anbieten. Neben weiten und unberührten Wäldern erwarten die Besucher auch alte Moore und Tümpel, die ein einzigartiges Reservat bieten.

Gegründet wurde der Nationalpark Fertö-Hanság 1991. Schon damals gab es Unterhaltungen zwischen den Verwaltern des Nationalparks Neusiedlersee-Seewinkel, ob eine Zusammenschließung sinnvoll und nützlich wäre. Die Antwort darauf war eindeutig ja, denn heute bietet der Nationalpark eine internationale Verwaltung, die sich um den Erhalt der Pflanzen- und Tierwelt bemüht. Der ungarische Teil des Nationalparks umfasst 235 Quadratkilometer, der Österreichische rund 100 Quadratkilometer. Der geographische Verlauf vom Nationalpark Fertö-Hanság beginnt am Südufer des Fertö-Sees und folgt dem Grenzgang Richtung Osten, wo sich die Hanság erstreckt. Die Hanság selbst steht zu 100% unter der ungarischen Verwaltung, da dieses Areal nicht grenzüberschreitend ist.

Einer der Hauptelemente des Nationalpark Fertö-Hanság ist natürlich der Fertö-See oder Neusiedler See. Obwohl dieser mitteleuropäische Kontinentalsee sehr wichtig für den ungarischen Tourismus ist, wurde das Ufergebiet in drei Zonen unterteilt. Die erste Zone ist die Naturzone. Hier dürfen Personen ohne Genehmigung nicht hin und es werden auch Geldbußen bei Verstößen verhängt. Nur Verwaltungspersonal und bestätigte Wissenschaftler dürfen in dieses Kerngebiet. Die bewahrende Zone wird nicht so streng geschützt wie die Kernzonen, aber Besucher müssen dennoch darauf achten, dass die Gebiete nicht verschmutzt oder beschädigt werden. Die umsäunende Zone ist auch für Touristen zugänglich, der Naturschutz ist aber auch hier wichtig, deshalb achtet man darauf, dass keine Verschmutzung stattfindet. Diese drei Zonen tragen dazu bei, dass das empfindliche Ökosystem nicht zu stark beeinflusst wird.

Die speziellen Zonen im Nationalpark Fertö-Hanság wurden aber nicht nur geschaffen um die Gegend zu schonen, sondern auch die vielfältige Tierwelt im und um den See. Einige dieser Vertreter sind der Ziesel, Graugänse, Hechtbarsche, Tamariskensänger und viele mehr. Auch Wasserfrösche gibt es hier in einer großen Zahl. Damit die Straßen im Nationalpark nicht zu einer tödlichen Falle werden, hat man sich spezielle Foliensysteme ausgedacht, die zum Beispiel Frösche davon abhalten auf die Straße zu gelangen. Stattdessen werden sie zu einer Unterführung weitergeleitet, die die Tiere sicher auf die andere Seite bringt. Wunderschön ist der sogenannte Märzenbecher-Wald im Frühling. Die vielen Frühlingsknotenblumen erwachen in den ersten Frühlingswochen und verwandeln den Waldboden in ein weißes Blumenmeer.

Etwas südöstlich vom Fertö-See bietet der Nationalpark Fertö-Hanság eine ganz neue geographische Struktur. Sobald man sich von den schilfbedeckten Ufern entfernt, gelangt man allmählich in Salzwiesen und Salzsteppen. Die gesamte Region hat eine relativ hohe Salzkonzentration, die sich nicht nur im Wasser bemerkbar macht. Aber es gibt in dieser Regionen viel Leben, welches sich an das Salz angepasst hat. In diesem Gebiet findet man die Salzaster, die Glasschmalz und die Salzmelde. Auch die verschiedensten Vogelarten nutzen das Gebiet zum Nisten und den Fertö-See als Wasserquelle. Eine überraschende Entdeckung macht man, wenn man auf den Wiesen Graurinder, Büffel und Zackelschafe entdeckt, welche normalerweise nur in der Puszta zu finden sind. Aber auch diese sanften Riesen nutzen die saftigen Wiesen und genießen die Unmgebung.

Der letzte Teil des Nationalpark Fertö-Hanság ist die Hanság selbst. Diese Niederung erlebte vor tausenden von Jahren eine Überschwemmung von der Raab und der Donau. Der viele Schlamm und das Geröll blieben dann in der Hanság und entwickelten sich im Lauf der Jahrhunderte. Diese Kombination aus Erdreich und Geröll verwandelte sich schließlich in Torf, welcher ein besonderer Dünger für Pflanzen ist. Deshalb findet man hier auch majestätische Erlenwälder und viele fruchtbare Gebiete. Seit über 160 Jahren wird der Torf abgetragen, um ihn als natürlichen Dünger zu verkaufen. In der Hanság kursiert auch die Legende des Findelkindes Istók. Das Kind wurde von Fischern gefunden und benahm sich wie ein Tier, da es vorher nie Kontakt mit Menschen hatte. Er konnte schwimmen wie ein Fisch und lehnte jegliche Kleidung ab. Obwohl man ein Jahr lang versuchte ihn zu zivilisieren, verschwand es eines Tages in der Raab und kam nie wieder.

Die geographische Vielfalt ist im Nationalpark Fertö-Hanság also enorm. Die Fauna bietet viele Amphibien- Vogel- und Säugetierarten und die Flora zeigt sich einerseits in uralten Wäldern und andererseit in den robusten Salzpflanzen, die Konzentrationen aushalten, an denen manch andere Pflanze sofort sterben würde. Um sich die Gebiete optimal ansehen zu können gibt es Führungen durch das Gebiet und aufgrund des Schengenabkommens kann man sowohl von Ungarn aus, als auch von Österreich aus die andere Seite erkunden. Zusätzlich gibt es einige Lehrpfade und der Fertö-See ist natürlich einer der beliebtesten ungarischen Seen, um ein Bad zu nehmen und sich die Natur etwas genauer anzusehen. Ob man ein Ziesel entdeckt, oder einen Eisvogel auf einem Ast sieht, der Nationalpark Fertö-Hanság ist ein wunderbarer Ort der Idylle und der prachtvollen Seite der Natur.

Karte des Nationalpark Fertö-Hanság