Die Baradla Höhle, die größte Höhle Ungarns

Die Baradla Höhle im Nationalpark Aggtelek

Einleitung:

Trotz der geographischen Lage Ungarns besitzt das Land zahlreiche Höhlen und Höhlensysteme. Insbesondere die Gebirge im Norden des Landes haben über Jahrmillionen einzigartige Untergrundstrukturen hervorgebracht, von denen viele bereits besucht werden können. Die mit Abstand größte und auch beeindruckendste Höhle des Landes ist die Baradla Höhle, die mit einem Höhlennetz von 25 Kilometern eine riesige unterirdische Welt bildet. Rund 5 Kilometer der Wege verlaufen unter slowakischem Gebiet, woraufhin die beiden Länder sich auf eine kooperative Verwaltung geeinigt haben. Diese Entscheidung trug schon bald Früchte denn im Jahr 1995 wurde das Höhlennetz zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt.

Geschichte:

Wegen der zahlreichen Bereiche der Baradla Höhle kann die Entstehung der Höhle auf vor 200-300 Millionen Jahren zurückdatiert werden. Damals befand sich noch ein Meer in diesem Gebiet, was auch die Fossilfunde innerhalb der Höhle beweisen, welches Druck auf die regionale Geologie ausübte und so die ersten Gesteinsschichten zusammengepresst wurden. Wegen zahlreichen Wasserflüssen wurde die Höhle anschließend über Jahrmillionen ausgehöhlt und weiter geformt. In dieser Zeit begannen auch die Stalagmiten und Stalaktiten zu wachsen, die heute teilweise mehrere Meter hoch sind. Aufgrund der niedrigen Anzahl an Erdbeben blieben die Arme des Höhlensystems erhalten und konnten schon bald von den ersten Menschen erkundet werden.

Die erste schriftliche Erwähnung der Baradla Höhle fand 1549 durch Wernher G. statt, der sie in einem seiner Dokumente in Basel erwähnte. Für über 200 Jahre gab es keine schriftlichen Erwähnungen mehr, jedoch kann heute bestätigt werden, dass bereits im 18. Jahrhundert Naturkundler wie György Buchholtz das System erkundeten. Der erste Ausbau der Höhle fand bereits 1806 statt und seitdem wurden immer größere Teile begehbar gemacht und gleichzeitig neue Nebenhöhlen entdeckt. Als die Baradla Höhle zum Teil des Nationalpark Aggtelek erklärt wurde, besuchten im späten 20. Jahrhundert schon hunderttausende Menschen die im Land einzigartige geologische Struktur.

Heutiges Höhlensystem:

Auch wenn heutzutage tausende Menschen die Baradla Höhle besuchen, so hat sie dadurch nichts an ihrer Schönheit verloren. Das Karst-Höhlensystem besitzt insgesamt 712 Nebenhöhlen, wobei wahrscheinlich etliche noch gar nicht entdeckt wurden. Die große Vielfalt an Höhlenarten hat zur Bestätigung als Weltkulturerbe geführt und während manche Höhlen riesige Stalagmit- und Stalaktitstrukturen aufweisen, sind andere von unterirdischen Flüssen unter Wasser gesetzt. In solch einem kompakten Raum gibt es weltweit keine vergleichbare Vielzahl an geologischen Strukturen wodurch Geologen bis heute Forschungen am Gestein unternehmen, um mehr über die geographische Vergangenheit zu erfahren. Nach derzeitigem Stand befinden sich in wenigen Bereichen auch einige der größten Stalagmiten der Welt.

Die Durchschnittstiefe der Baradla Höhle beträgt ungefähr 20 Meter. Schon nach dem Eintritt von außen beginnt ein Abstieg, welcher aber noch längst nicht die Gesamttiefe der Höhle markiert. Inzwischen wurden Strukturen in einer Höhlentiefe von 30-40 Metern untersucht, wobei noch tiefere Bereiche nicht ausgeschlossen sind. Ein sehr dominierendes Element in weiten Teilen des Höhlennetzes ist der Styx-Fluss, welcher seinem Namen alle Ehre macht. Der unterirdisch verlaufende Fluss hat über Jahrtausende bestimmte Teile des Höhlensystems komplett unter Wasser gesetzt. Abenteurer haben zwar bewiesen, dass man mit der richtigen Ausrüstung diese Unterwasserseen erkunden kann, jedoch konnten auch sie nur begrenzt in die noch unbekannten Gebiete vordringen.

Höhlenbereiche:

Um die Baradla Höhle übersichtlich zusammenzufassen kann der gesamte Komplex in vier Teilbereiche unterteilt werden. Der erste dieser Teile ist der Eingangsbereich der Höhle, der von der Ortschaft Aggtelek aus betreten werden kann. Hier stoßen Besucher auf große Hallen mit den unterschiedlichsten Tropfsteinstrukturen. Aufgrund der guten Ausleuchtung können Besucher der Höhle die unterschiedlichsten Formen und Gesichter in den Steinstrukturen erkennen. Der zweite Bereich ist der Hauptweg der Höhle. Er besitzt eine Länge von 6,6 Kilometern und verläuft beinahe horizontal. Während manche Abschnitte riesige Räume bilden, sind andere Stellen fast zu eng, um weiter zu gelangen. An den Wänden kann mitverfolgt werden, wie sich der Wasserpegel dieses Bereiches über die Jahre geändert hat.

Der dritte Bereich der Baradla Höhle wird von der Domica Höhle gebildet. Sie verläuft bereits nach der ungarischen Grenze und verbindet Ungarn und die Slowakei unterirdisch. In ihr beginnt auch der unterirdische Styx-Fluss, der den Höhlenräumen auf etwa 2,5 Kilometern folgt. Den letzten Bereich bilden die zahlreichen Nebenhöhlen, die sich vom Hauptgang trennen und anschließend in alle Himmelsrichtungen verlaufen. Diese Nebenarme wurden teilweise erkundet, teilweise wird noch an Ihnen geforscht. Aufgrund der Tatsache, dass bei Führungen nur wenige dieser Nebenhöhlen besucht werden, kann die Tierwelt in diesen Bereichen in Ruhe existieren.

Leben in der Höhle:

Obwohl die Höhle bei Führungen wie eine unterirdische Stadt ohne Leben erscheint, so können Besucher und Forscher verschiedene Tierarten in der Baradla Höhle entdecken. Die wohl häufigste Tierart innerhalb der Tunnel sind Fledermäuse, die nachts auf Beutefang gehen, und tagsüber in der Höhle schlafen. Neben diesen bekannten Höhlenbewohnern leben auch verschiedene Insekten und Kleinlebewesen in den Nebenarmen des Systems. Häufig trifft man zum Beispiel auf die Höhlenkreuzspinne, die sich von den unterirdisch lebenden Insekten ernährt. Ein Beispiel für solche Insekten ist der ungarische Laufkäfer, der für die anderen Höhlenbewohner als Nahrungsquelle dient. Insbesondere der Schutz der Fledermäuse erhält bei den steigenden Besucherzahlen eine immer größer werdende Rolle.

Führungen:

Innerhalb der Baradla Höhle sind inzwischen tägliche Führungen möglich, wobei es keine jahreszeitlich bedingten Schließungen gibt, da unterhalb der Erde immer dieselben Temperaturen von rund 10°C herrschen. Je nach Zeit und Kondition können Besucher zwischen 5 verschiedenen Führungen wählen. Die kürzeste Führung dauert ungefähr eine Stunde und bietet einen Einblick in die ersten Kammern nach dem Eingang bei Aggtelek. Mittlere Touren sind bis zur Landesgrenze möglich und die längste Tour dauert insgesamt 7 Stunden und verläuft nicht nur auf dem Hauptarm, sondern auch in ein paar Nebenarmen. Während die kürzeren Touren mehrmals täglich stattfinden, muss eine lange Tour vorher vereinbart werden.

Zusammenfassung:

Mit seinen einzigartigen Eigenschaften und seiner immer steigenden Berühmtheit gehört die Baradla Höhle zu den schönsten natürlichen Sehenswürdigkeiten des Landes. Nicht nur Geologen, sondern auch alltägliche Besucher und ganze Familien sind von den Gesteinsstrukturen und dem besonderen Ambiente begeistert. Die weltgrößten Stalagmiten, unterirdische Flüsse und riesige Räume laden zu einem Spaziergang ein, den man noch lange in Erinnerung behalten wird. Mit etwas Glück kann auch eine Fledermaus entdeckt werden, die sich zwischen den Tropfsteinen orientiert. Daher empfiehlt es sich während einem Aufenthalt in Nordungarn die Baradla Höhle zu besuchen, immerhin kann sie von Miskolc oder Eger schnell erreicht werden. Die UNESCO hat diese Höhle zurecht zu einem Weltkulturerbe erklärt denn so viele verschiedene Höhlenarten wie hier wird man weltweit kein einziges weiteres Mal finden können.

Karte der Baradla Höhle


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