Der wahrscheinlich schönste Wald in Ungarn, der Gemenc Wald

Der legendäre Gemenc Wald (Gemenci Erdö)

Seit 1977 steht der Gemenc Wald unter strengem Naturschutz
Mit einer Fläche von über 700 Quadratkilometern ist der Gemenc Wald einer der größten, aber auch einer der schönsten Wälder Ungarns (1)
Der Gemenc Hirsch gehört zu den berühmtesten Jagdtrophäen des Landes
Der Stolz der Wälder ist der legendäre Gemenc Hirsch, der vor allem für sein außergewöhnlich großes Geweih bekannt ist (2)
Die historische Schmalspurbahn lädt zu einer nostalgischen Fahrt ein
Wer einen kleinen Überblick erleben möchte, der kann mit der Waldbahn von Gemenc durch den Wald fahren und die Natur erleben (3)
Die Auwälder machen den größten Anteil des Gemenc Waldes aus
Naturfreunde schwärmen seit Jahrzehnten von der vielfältigen Fauna und Flora, die zu jeder Jahreszeit erforscht werden kann (4)

Einleitung:

Ungarn ist ein Land, dessen Geographie schon seit Jahrtausenden ideal für Bäume und Wälder geeignet ist. Die vielen hügeligen Regionen kombiniert mit zahlreichen ungarischen Flüssen haben Waldgebiete hervorgebracht, die in dieser Natürlichkeit nur noch selten in Europa gefunden werden können. Einer der schönsten und beeindruckendsten Wälder ist sicherlich der Gemenc Wald im Süden des Landes, wobei viele Ungarn bereits bei Abstimmungen mitgeteilt haben, das dieser Wald sogar der schönste ist. Seine natürliche Ausprägung und die damit verbundenen touristischen Aktivitäten haben aus dem Gemenc Wald ein Reiseziel gemacht, welches besonders unter Gästen aus dem Ausland zwar noch etwas unbekannt ist, jedoch auf jeden Fall während einem Urlaub in Südungarn besucht werden sollte.

Geschichte:

Da die ungarische Wirtschaft sich für viele Jahrhunderte hauptsächlich auf der Nordseite des Landes etablierte, blieb der Gemenc Wald für eine lange Zeitperiode praktisch unberührt. Der Wald existierte in seiner Pracht schon nach der letzten Eiszeit und konnte wegen der Nähe zur Donau gedeihen. Trotz einiger Sumpfgebiete waren die Waldregionen schon im Mittelalter als herrliche Jagdgebiete bekannt. Erst im Jahr 1793 wurde eine aktive Holzwirtschaft begonnen und die Auwälder wurden für die Herstellung von Qualitätsholz verwendet.

Kurz vor dem Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Donau im Bereich des Gemenc Waldes reguliert, wodurch sich die Bäume an die neuen Verhältnisse anpassten. Der Wald wuchs zwar weiter, jedoch entwickelte sich eine Überalterung in vielen Arealen, was den Fortbestand gefährdete. Aus diesem Grund begann zur Zeit des 2. Weltkrieges eine starke Aufforstung, die den Wald sichtlich verjüngte und den Waldwuchs verstärkte. 1977 wurde der Wald schließlich zu einem besonders schützenswerten Ort deklariert, was der lokalen Fauna und Flora half ihren Lebensraum zu behalten. Die einzigen heutigen Belastungen sind gelegentliche Überschwemmungen der Donau, wobei Experten sich uneinig sind ob diese Überflutungen nicht mehr Vorteile als Nachteile mit sich bringen.

Heutiger Naturschutz:

Mit einer Gesamtfläche von über 710 Quadratkilometern ist der Gemenc Wald nicht nur einer der größten Wälder des Landes, sondern der Auwald innerhalb des Gebietes sogar der größte Auwald Europas. Der Erhalt der natürlichen Aspekte wird dadurch gesichert, dass dieses Gebiet Teil des Nationalparks Donau-Drau ist. Die ökologische Leitung hat sich mit dem ungarischen Tourismus darauf geeinigt, dass Freizeitprogramme teilweise erlaubt sind, die Besucher aber darauf hingewiesen werden, den Naturschutz zu respektieren und zu diesem beizutragen. Seit rund zwei Jahrzehnten funktioniert dieses Konzept einwandfrei und dadurch wird der Wald mit jedem Jahr schöner und einzigartiger.

Tier- und Pflanzenwelt:

Die Pflanzenwelt innerhalb des Gemenc Waldes ermöglicht eine Zeitreise in die Vergangenheit. Der Wald besteht längst nicht aus einer Baumart, sondern aus mehreren Laubbaumarten. Nahe der Donau sind hauptsächlich Pappeln und Weiden zu finden, da diese eher sumpfige Böden bevorzugen. Etwas weiter entfernt sind zahlreiche Eichen, Ulmen und Eschen zu finden. Neben den sauerstoffspendenden Bäumen sind am Waldboden auch zahlreiche Gräser und Blumen zu finden. Die Löcher zwischen den Baumkronen ermöglichen ein starkes Wachstum, was notwendig ist, da zahlreiche Tierarten auf die Bodenpflanzen angewiesen sind. Die Aufforstung ist zum größten Teil abgeschlossen, jedoch achten Förster ständig darauf erkrankte Bäume zu fällen, bevor sich die betreffende Krankheit auf den ganzen Wald übertragen kann.

Das definitiv dominierende Tier im Gemenc Wald ist der berühmte Gemenc Hirsch. Diese Hirschart ist nicht nur robust, sondern die Hirsche werden auch sehr groß und entwickeln Geweihe, die weltweit nur selten in dieser Größe gefunden werden. Neben dem Gemenc Hirsch leben aber auch andere Waldtiere in diesem Gebiet so wie zum Beispiel Wildschweine oder Gerfalken. Eine sehr stark geschützte Tierart ist der Purpurkaiser von Freyer, der eine Schmetterlingsart ist, die eigentlich nur in Asien vorkommt. In den Gewässern des Waldes gibt es auch eine sehr große Anzahl an Flussfischen, die das Ökosystem ergänzen.

Freizeitaktivitäten:

Die meisten Aktivitäten, die heute im Gemenc Wald angeboten werden, stehen im Zeichen des Ökotourismus. Daher gibt es in der Nähe der Stadt Baja das ökotouristische Zentrum Pörböly, das auch häufig als Tor zum Gemenc bezeichnet wird. Das moderne Besucherzentrum bietet verschiedene Programme an, die sowohl Reisegruppen, als auch einzelne Besucher ansprechen. Einige Beispiele sind organisierte Schifffahrten, Touren durch den Wald und Kutschenfahrten. Für Interessierte gibt es auch zahlreiche Vorträge und Filme, die einen Einblick in die Welt des Gemenc Waldes ermöglichen. Sehr beliebt ist auch die Schmalspurbahn von Gemenc, die durch einzelne Waldabschnitte fährt und ein romantisches Ambiente erzeugt.

Neben diesen organisierten Programmen gibt es auch weitere Möglichkeiten, wie man den Gemenc Wald erkunden kann. Sehr beliebt ist es eine ganztägige Wanderung zwischen Baja und Szekszárd zu unternehmen, da diese Städte praktisch zwischen dem länglichen Wald liegen. Wer mehrere Tage im Wald verbringen möchte, kann auf die Hütten und Pensionen zurückgreifen, von denen es zahlreiche im und um den Wald gibt. Wer einen luxuriösen Aufenthalt genießen möchte, kann sich im Schloss Karapancsa ein Zimmer mieten und Luxus mit der Natur kombinieren. Neben diesen Freizeitmöglichkeiten gibt es natürlich noch eine weitaus größere Liste mit allen Aktivitäten in der Region.

Jagen im Gemenc Wald:

Es wird wahrscheinlich keinen Jäger in Europa geben, der den Gemenc Wald nicht kennt. Seit Jahren strömen Menschen in die Region, um den Gemenc Hirsch als Trophäe mitzunehmen. Es ist hierbei aber zu beachten, dass das Jagen jährlich auf eine spezielle Anzahl von Hirschen begrenzt ist. Die hiesige Jagdgesellschaft achtet darauf, dass nur so viele Hirsche erlegt werden dürfen, wie es für das Ökosystem gesund ist. Der Preis für eine solche Jagd ist relativ hoch, jedoch jagt man hier keine gewöhnlichen Hirsche, sondern jene Gemenc Hirsche, die mit ihrem Geweih bereits mehrere Weltrekorde aufgestellt haben. Der Wert des Fleisches ist ebenfalls besonders hoch, wodurch die Nachfrage zwar immer vorhanden ist, die Jagdgesellschaft aber kein illegales Jagen duldet.

Zusammenfassung:

So alt und majestätisch der Gemenc Wald ist, so unentdeckt ist er auch bei ausländischen Touristen. Die Ungarn haben diesen Ort bereits seit Jahren für sich entdeckt und nun lernen auch immer mehr Gäste aus dem Ausland den schönsten Wald Ungarns kennen. Wer ein wenig Tourismus genießen möchte, der kann mit der Schmalspurbahn fahren, während Naturfreunde und Jäger sich ihre eigene Route im Wald aussuchen können. Seit einigen Jahren wurden zahlreiche Investitionen getätigt wodurch der Gemenc Wald heute für jeden ein sehr lohnenswertes Ziel ist. Egal ob man mit der Familie anreist, mit einer Gruppe oder alleine, die Heimat der Gemenc Hirsche ist ein Ort, der buchstäblich aus einem Märchen stammen könnte und dennoch real ist und jeden zu einem Besuch einlädt.

Weitere relevante Informationen

Original Ungarischer Name: Gemenci Erdö

Adresse: Bajai Út 100 / Pörböly

Geographische Koordinaten: Breitengrad 46.199592 / Längengrad 18.825722 oder 46°11'58.5"N / 18°49'32.6"E

Meereshöhe: 92 Meter

Telefonnummer: +36 7449 1483

E-Mail: okocentrum@gemenczrt.hu

Webseite: http://www.gemenczrt.hu/index.php?apps=content&c_id=136

Öffnungszeiten: Der Wald ist theoretisch das ganze Jahr über begehbar und kann rund um die Uhr besucht werden, jedoch lohnt es sich eher tagsüber vorbeizukommen

Eintritt: Kein Eintritt

Zugang: Für Touristen ist es empfehlenswert den Wald über Pörböly zu betreten, alternativ dazu ist der Zugang aber auch über die Stadt Baja möglich

Informationen: Beschilderungen sind auf Ungarisch vorhanden

Karte des Gemenc Waldes


Bildquellen und Bildrechte:

(1) Pear Blossom, 2009, Creative Commons 3.0

(2) Lajos Cser, 2006, Creative Commons 3.0

(3) Aspectomat, 2004, Public Domain

(4) Cserlajos, 2006, Creative Commons 3.0

Rechte:

© by www.Urlaub-Ungarn.at (Stand 2015, H)