Übersicht über die verschiedenen Brücken in Budapest

Die Budapester Brücken

Die riesigen Pylonen sind bereits aus der Ferne sichtbar
Die moderne Megyeri Brücke ist ein essentieller Verkehrsabschnitt der M0 Autobahn (1)
Die ursprüngliche Brücke war einer der ersten Donaubrücken für Züge
Durch die Erneuerungen im Jahr 2008 ist die Újpesti Eisenbahnbrücke einer der sichersten Bauwerke ihrer Art (2)
Die Árpád Brücke berührt insgesamt zwei der städtischen Donauinseln
Von unten betrachtet wird ersichtlich, dass die Árpád Brücke eigentlich aus drei Brücken besteht (3)
Mit der Straßenbahn kann die Margaretenbrücke einfach erreicht werden
Der sternförmige Knotenpunkt und die historische Architektur sind die Markenzeichen der Margaretenbrücke (4)
Ein Spaziergang über die Kettenbrücke ermöglicht einen wunderschönen Ausblick
Die mit Abstand bekannteste Budapester Brücke ist ohne Zweifel die Kettenbrücke (5)
Am Westende der Elisabethbrücke ist Königin Elisabeth eine Statue gewidmet
Mit ihren weißen Bögen ist die Elisabethbrücke eine beliebte Attraktion beim Gellért Berg (6)
Die grüne Farbe der Freiheitsbrücke passt perfekt zur Architektur
Die von Turul Vögeln bewachte Freiheitsbrücke ist eine architektonische Meisterleistung (7)
Gleich bei der Petöfi Brücke befindet sich die Technische Universität Budapest
Für viele Budapester Studenten ist die Petöfi Brücke eine wichtige Verbindung zwischen Buda und Pest (8)
Früher hieß die Rákóczi Brücke Lágymányos Brücke und erhielt damals ausnahmsweise keinen Namen einer historischen Person
Beim südlichen Kulturzentrum stehend ist die Rákóczi Brücke ein wegweisendes Symbol für Fortschritt (9)
Eine spezielle Federung reduziert den Lärm der Südlichen Eisenbahnbrücke
Die heute rein funktionelle Südliche Eisenbahnbrücke wird täglich von dutzenden Zügen befahren (10)
Nach der letzten Budapester Brücke gibt es für einige Kilometer keine Donaubrücke mehr
Von der Deák Ferenc Brücke kann eine schöne Aussicht auf die Donau genossen werden (11)

Einleitung:

Die Donau ist sicherlich einer der prägendsten Merkmale der ungarischen Hauptstadt Budapest. Sie erzeugt eine malerische Ufergegend entlang berühmter Sehenswürdigkeiten wie dem Parlament oder dem Budaer Burgviertel und dient auch als wichtiger Transportweg. Entlang des Hauptarmes der Donau verbinden die berühmten Budapester Brücken die beiden Stadthälften Buda und Pest, um einen modernen Verkehr zu ermöglichen und den Bewohnern und Besuchern eine leichte Möglichkeit zu bieten, zwischen den Stadthälften wechseln zu können. Als Tourist wird man während einer Tour zu den Budapester Sehenswürdigkeiten sicherlich mindestens eine der 11 Budapester Brücken überqueren und manche dieser Brücken gelten sogar als eigene Sehenswürdigkeiten. Nebenbei ermöglichen die Stahl- und Betonkolosse einzigartige Panoramablicke, die man sonst nur von einem Boot aus sehen könnte.

Geschichte:

Der Bedarf nach den Budapester Brücken ist so alt wie Entstehung der Hauptstadt selbst. Schon im Mittelalter waren Boote ein viel zu umständliches Verkehrsmittel, um den teilweise mehrere Hundert Meter breiten Fluss überqueren zu können. Die Bürger und Händler konnten entweder den Winter abwarten damit die Donau zufrieren würde, oder sie konnten provisorische Holzbrücken errichten, die wiederum nicht allzu stabil waren. Ab dem 19. Jahrhundert begann man mit der Errichtung der ersten Budapester Brücke und seitdem entstand eine Donaubrücke nach der anderen. Für den heutigen Verkehr sind die Bauwerke ein essentieller Bestandteil und die letzten Jahrzehnte haben zusätzlich gezeigt, dass zukünftige Brücken nicht auszuschließen sind.

Megyeri Brücke (Megyeri Híd):

Die nördlichste Brücke der Hauptstadt ist zugleich die jüngste der Budapester Brücken. 2008 wurde die Megyeri Brücke eröffnet, die sich genau an der Grenze des Stadtteritoriums befindet. Sie ist Teil der M0 Autobahn und bildet die nördliche Überfahrtsmöglichkeit für Nutzer der Ringautobahn. Die futuristisch konzipierte Brücke besitzt eine weiße Farbe und wird von riesigen Kabeln getragen. Mit einer Länge von über 1800 Metern ist sie auch einer der längsten Brücken und allein die riesigen Pylonen sind schon aus der Ferne sichtbar. An sich stellt die Brücke keine Sehenswürdigkeit dar, jedoch wird sie von vielen Gästen befahren, die Richtung Szentendre fahren. International bekannt wurde die Megyeri Brücke, als bei der Internetabstimmung zur Namenswahl der amerikanische Komödiant Stephen Colbert ausgewählt wurde, die Wahl jedoch von einigen Nutzern manipuliert wurde.

Újpesti Eisenbahnbrücke (Újpesti Vasúti Híd):

Die ehemals nördlichste der Budapester Brücken durfte im Jahr 2008 eine Wiedergeburt erleben. Die ursprüngliche nördliche Eisenbahnbrücke wurde im Jahr 1896 übergeben und diente als wichtige Verbindungsstrecke. Im Jahr 1944 wurde sie von den Deutschen gesprengt und einige Jahre später von den sowjetischen Truppen wieder errichtet. Die reparierte Brücke stellte ab dann ein enormes Sicherheitsrisiko dar, da die Reparaturen keinem modernen Sicherheitsstandard entsprachen. Züge durften die über 600 Meter lange Stahlbrücke nur mit 15 km/h überqueren, was wirtschaftlich enorme Nachteile mit sich brachte. Daher wurde die nördliche Eisenbahnbrücke 2008 komplett abgerissen und neu errichtet, wodurch sich auch der Name änderte. Mit den neuen Sicherheitsstandards können Züge sogar mit 160 km/h über die Brücke fahren, tatsächlich fahren sie aber nur mit maximal 80 km/h. Für Fußgänger und Radfahrer stehen eigene Wege zur Verfügung.

Árpád Brücke (Árpád Híd):

Lange Zeit galt die Árpád Brücke als die längste der Budapester Brücken. Mit einer Länge von fast 1000 Metern ist sie ein wichtiger Bestandteil für den Budapester Autoverkehr. Der Brückenbau sollte ursprünglich 1939 beginnen, jedoch wurde sie aufgrund des Zweiten Weltkrieges nicht fertiggestellt. Während der sowjetischen Besatzung wurden die Pläne fortgeführt und ab 1950 wurde die damalige Stalinbrücke freigegeben. Die gewaltige Betonbrücke wurde interessanterweise aus drei parallelen Brücken errichtet und war von Anfang an für den Massenverkehr gedacht. 1958 wurde sie schließlich in Árpádbrücke umgetauft und in den letzten Jahren modernisiert. Die Brücke führt sowohl über die Nordspitze der Margareteninsel, als auch über die Südspitze der Óbudainsel. Sie ist eigentlich nicht als Sehenswürdigkeit bekannt, während einem Spaziergang auf der Margareteninsel kann sie aber betrachtet werden.

Margaretenbrücke (Margit Híd):

Die Margaretenbrücke ist die zweitälteste der Budapester Brücken und wird oftmals als erste der historischen Brücken bezeichnet. Sie wurde im Jahr 1876 unter der Aufsicht von Ernest Goüin fertiggestellt und stellte neben den beiden Stadthälften die erste direkte Verbindung zur Südspitze der Margareteninsel dar. Sie besteht aus drei Einzelabschnitten, die sich in einer Sternform in der Mitte der Donau treffen. Die ursprüngliche Brücke wurde so wie alle historischen Brücken gesprengt und in den 90er Jahren waren die Sicherheitsmängel so gravierend, dass sie in den letzten Jahren komplett renoviert wurde. Seitdem erhielt sie auch ihre ursprüngliche Architektur aus dem 19. Jahrhundert zurück.

Kettenbrücke (Lánchíd):

Die wohl berühmteste der Budapester Brücken ist sicherlich die Kettenbrücke. Sie ist eines der städtischen Wahrzeichen und auch eine beliebte Sehenswürdigkeit. Mit ihrer Lage beim Budaer Burgpalast ermöglicht sie einen herrlichen Ausblick auf das Parlament und den Gellért Berg. Neben dem Straßenverkehr stehen Fußgängern eigene Wege zur Verfügung, die auch Panoramabereiche besitzen. Die erste Brücke Budapests weist eine faszinierende Geschichte auf und trotz ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg konnte ein kompletter Abriss verhindert werden. Seitdem gilt die Kettenbrücke als Prestigeprojekt der ungarischen Architektur des 19. Jahrhunderts und der Anblick ist sowohl tagsüber als auch abends einen Besuch wert.

Elisabethbrücke (Erzsébet-Híd):

Im Gegensatz zur Kettenbrücke gelang es nach 1945 nicht mehr die originale Elisabethbrücke zu retten. Diese Budapester Brücke wurde ursprünglich 1903 eröffnet, die heutige hingegen im Jahr 1964. Am westlichen Ende der 290 Meter langen Brücke befinden sich das Nordende des Gellért Berges und das Rudas Heilbad. Am Ostende hingegen beginnt die berühmte Váci Straße, die Richtung Norden verläuft. Die weiße Konstruktion ist eine Kabelbrücke, deren Kabel an zwei rechteckige Bögen montiert sind. Die ursprüngliche Brücke hatte eine ähnliche Bogenstruktur, jedoch besaß sie weitaus mehr dekorative Elemente. Spaßhalber wird sie von einigen Einwohnern als die  kleine Golden-Gate-Bridge von Budapest bezeichnet.

Freiheitsbrücke (Szabadság Híd):

Als letzte und südlichste der historischen Brücken wird die Freiheitsbrücke bezeichnet. Sie ist eine bemerkenswerte Brücke mit einer Architektur aus dem späten 19. Jahrhundert und einer auffälligen grünen Farbe. Die 1896 eröffnete Budapester Brücke wurde ursprünglich als Franz Joseph Brücke benannt, später erhielt sie ihren symbolischen Namen und wurde zur Freiheitsbrücke. Gleich beim westlichen Ausgang sind die Grottenkirche und das Gellért Bad zu finden, im Osten hingegen ist der die Budapester Markthalle schnell erreicht. Auf jedem der 4 Brückenspitzen ist ein Turul Vogel platziert und zusammen bewachen die mythologischen Tiere die Brücke.

Petöfibrücke (Petöfi Híd):

Etwas südlich der Freiheitsbrücke steht die Petöfi Brücke, welche wiederum als funktionelle Budapester Brücke bezeichnet wird. Die 1937 errichtete Stahlbrücke hieß früher Horthy Miklós Brücke, nach dem Zweiten Weltkrieg wurde sie nach dem ungarischen Dichter und Revolutionär Sándor Petöfi benannt. Die fast 400 Meter lange Brücke ist eigentlich für den motorisierten Verkehr gedacht, ihre Lage macht sie aber auch für Fußgänger sehr wichtig. Hier befindet sich nämlich der Campus der Technischen Universität Budapest und auch jener der Wirtschaftsuniversität. Studenten nutzen die Brücke oftmals, um zu den verschiedenen Haltestellen der öffentlichen Verkehrsmittel zu gelangen.

Rákóczi Brücke (Rákóczi Híd):

Einer der neuesten Budapester Brücken ist die Rákoczi Brücke im Süden der Stadt. Die im futuristischen Stil gehaltene Stahlbrücke sticht mit den markanten Lichtpylonen aus der Umgebung hervor. Die 1995 errichtete Brücke hieß früher Lágymányos Brücke und sollte ein Wegbereiter der Moderne sein. Nach der Fertigstellung des Bauwerks wurden mehrere moderne Kulturgebäude in der Nähe errichtet, so wie zum Beispiel das 2002 eröffnete Nationaltheater. Nach der Umbennenung durch ein Fachkomité wurde die gesamte Brücke neu lackiert. Dabei stellte sich heraus, dass die Beleuchtung der Brücke teilweise Defekt war, wodurch sie eine komplette LED Beleuchtung erhielt.

Südliche Eisenbahnbrücke (Déli Összekötö vasúti Híd):

Nur wenige Meter südlich der Rákóczi Brücke verbirgt sich die Südliche Eisenbahnbrücke. Sie ist die meistbefahrene Donaubrücke für Züge Ungarns und stellt daher einen besonderen wirtschaftlichen Faktor dar. 1877 wurde die erste Version der Stahlbrücke errichtet, 1953 erhielt sie ihre heutige Form. Die aus einem Stahlnetz bestehende Konstruktion wurde besser renoviert als die nördliche Eisenbahnbrücke, weshalb einige Reparaturen in der Neuzeit für eine genügende Stabilität ausreichten. Als 2004 der Palast der Künste errichtet wurde, fanden Bauingenieure einen Weg, um den Lärm der Züge durch eine Brückenfederung erheblich zu reduzieren, damit die Besucher des Kulturzentrums nicht gestört wurden. Für Fußgänger ist die Brücke zwar gesperrt, von der Rákóczi Brücke aus kann sie aber betrachtet werden.

Deák Ferenc Brücke (Deák Ferenc Híd):

Den südlichen Schluss der Budapester Brücken bildet die 700 Meter lange Deák Ferenc Brücke. Genauso wie die Megyeri Brücke ist sie Teil der M0 Autobahn und ein unerlässlicher Bestandteil des regionalen Autobahnnetzes. Die 1990 eröffnete Stahlbrücke weist eine gelbe Farbe auf, die aus der grünen Umgebung heraussticht. Beim Bau gab es mehrere Herausforderungen für die Ingenieure. Einerseits musste die Errichtung so umweltschonend wie möglich durchgeführt werden, da die Umgebung natürliche Lebensräume für die örtliche Fauna und Flora bildet. Andererseits war man aufgrund der Breite der Donau auf mehrere Spezialschiffe angewiesen, da Kräne nicht immer bis zu Flussmitte reichten. Bei einer Fahrt über die Brücke können die saftigen Ufer der Donau bestaunt werden.

Zusammenfassung:

Jede einzelne der Budapester Brücken weist eine interessante Architektur auf und jedes Bauwerk besitzt ihre einzigartige Geschichte. Die meisten Gäste werden wahrscheinlich nur die historischen Brücken der Innenstadt erleben, jedoch lohnt es sich bei Gelegenheit auch die anderen Brücken zu erkunden. Während einem Ausflug nach Szentendre sind die nördlichen Brücken bald erreicht, bei einem Besuch des südlichen Kulturviertels sind die dortigen Brücken mit öffentlichen Verkehrsmitteln schnell gefunden. Egal ob nur eine der Budapester Brücken oder alle besucht werden, diese Bauwerke haben zwar einen hauptsächlich funktionellen Zweck, jedoch ist ihr Einfluss auf das Stadtbild so dominant, dass Budapest ohne sie einen wichtigen Teil des städtischen Charmes verlieren würde.

 

 

Weitere relevante Informationen

Original Ungarischer Name: Budapesti Hidak

Anzahl der Brücken: Zusammen mit den Autobahnbrücken gibt es entlang des Hauptarmes der Donau 11 Brücken, in den Seitenarmen einige weitere

Nutzung der Brücken: Die äußersten Brücken dienen als Autobahn- und Eisenbahnbrücken, die Brücken der inneren Stadt sind sowohl für Autofahrer als auch für Radfahrer und Fußgänger gedacht

Älteste Brücke: Die Kettenbrücke ist die älteste der Budapester Brücken

Brücken mit historischen Aussehen: Die Margaretenbrücke, Kettenbrücke und Freiheitsbrücke wurde nach ihren ursprünglichen Vorbildern restauriert

Brücken mit modernen Aussehen: Die innerstädtischen Brücken wie die Árpád Brücke, die Elizabeth Brücke oder die Petöfi Brücke haben moderne architektonische Elemente erhalten

Längste Brücke: Die Árpád Brücke ist die längste Brücke mit rund 1000 Metern Länge

Kürzeste Brücke: Die Freiheitsbrücke ist die kürzeste Brücke mit rund 333 Metern Länge

Karte der Budapester Brücken


Bildquellen und Bildrechte:

(1) Stipkovits Fülöp, 2008, Creative Commons 3.0

(2) Marion Schneider & Christoph Aistleitner, 2009, Public Domain

(3) Ádám Kovács, 2004, Creative Commons 3.0

(4) VinceB, 2012, Creative Commons 3.0

(5) © Urlaub-Ungarn.at

(6) © Urlaub-Ungarn.at

(7) © Urlaub-Ungarn.at

(8) OsvátA, 2005, Creative Commons 3.0

(9) gregoriosz, 2008, Creative Commons 3.0

(10) misibacsi, 2008, Creative Commons 3.0

(11) Christo, 2004, Creative Commons 3.0

Rechte:

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