Die malerische Grottenkirche beim Gellért Berg

Die Felsenkirche von Budapest im Gellért Berg

1951 wurde der Eingang mit 2 Meter dickem Beton zugemauert
Die Felsenkirche hat ihre Tore inzwischen wieder für Besucher geöffnet, an den Rändern des Eingangs sind immer noch die Überreste der Zubetonierung zu sehen (1)
Die heutigen Gänge waren in dieser Form ursprünglich nicht vorhanden
Die natürlichen Formen des Gesteins erzeugen ein faszinierendes Ambiente, dass durch die religiösen Elemente verstärkt wird (2)
Das Kloster fällt insbesondere durch den Turm auf
Das später dazugebaute Kloster ist heute von der Freiheitsbrücke gut sichtbar, einer der Räume kann auch durch die Höhle besichtigt werden (3)
Der gesamte Ort ist ein Ort der Würde und des Gedenkens
Jeden Sonntag finden Gottesdienste statt, die ausschließlich beim Höhlenaltar abgehalten werden (4)

Einleitung:

Der Gellért Berg war für die Einwohner von Budapest schon immer ein Ort der Erholung. Innerhalb der großzügigen Parkfläche sind einige Sehenswürdigkeiten vorhanden die international bekannt sind, andere wiederum sind in den letzten Jahren an der Schwelle angelangt um eine solche Budapester Sehenswürdigkeit zu werden. Die wohl neueste und gleichzeitig einer der geschichtlich ältesten touristischen Sensationen ist die Felsenkirche am Gellértberg, die auch als Grottenkirche oder Höhlenkirche bezeichnet wird. Das von den Kommunisten vollkommen zerstörte religiöse Gebäude konnte in den letzten Jahren restauriert werden, weshalb seit ihrer Wiederöffnung sowohl Ungarn als auch ausländische Touristen hierher kommen, um sich das außergewöhnliche Bauwerk anzusehen.

Geschichte der Höhle:

Lange vor dem Bau der Felsenkirche im Gellért Berg rühmten sich schon einige Legenden um die natürliche Höhle, deren Eingang im Südosten des Berges lag. Lange Zeit wurde die Grotte als "Heiliger Iván Höhle" bezeichnet, da der Ort angeblich von einem Eremiten bewohnt wurde, der Menschen heilen konnte. Man erzählte sich, dass er das Heilwasser aus einer Pfütze in der Nähe seiner Unterkunft nutzte, um verschiedenste Krankheiten zu behandeln. Ab dem Mittelalter erhielt der Höhlenkomplex keine besondere Bedeutung, was zur Folge hatte, dass einige Bewohner von Buda begannen ihren Müll in den Räumen zu deponieren.

Der eher schlechte Ruf der Höhle, in der heute die Felsenkirche steht, verschlimmerte sich im 19. Jahrhundert, als angeblich eine verarmte Familie die Gänge als Unterkunft nutzte. Einige Jahre später erhielt die Grotte die Funktion als Gericht für Bauern und die reicheren Bürger brandmarkten den Ort als Schandfleck der Stadt. Aus dieser Situation heraus entstand der Gedanke eine Kirche an dieser Stelle zu errichten, um den Bürgern ein gutes Gefühl zu geben. Aufgrund der geographischen Bedingungen wurde lange Zeit überlegt, was für eine Kirche errichtet werden könnte, da der massive Fels und die Höhenunterschiede ein schlechtes Fundament boten.

Geschichte der Felsenkirche:

Die Lösung für den Bau einer Kirche bei der alten Gellért Höhle fanden ungarische Pauliner Mönche, die im Jahr 1924 nach Frankreich pilgerten. In Lourde entdeckten sie eine Kirche, die in einen Felsen gemeißelt war und auch die heimische Höhle eignete sich ideal für eine solche Konstruktion. Schon zwei Jahre später, 1926, entstand die erste Form der Felsenkirche am Gellértberg. Zu diesem Zeitpunkt wurde in der Höhle ein Altar aufgestellt und die Bänke befanden sich im Freien. Ab 1930 reichte der Platz nicht mehr aus und der erste Ausbau begann. In dieser Zeit wurden mehrere Gänge in die Felswand gearbeitet, um die gesamte Kirche in der Höhle unterbringen zu können.

Zusätzlich zur Felsenkirche innerhalb der Höhle wurde 1934 nach den Plänen von Károly Weichinger ein ganzes Kloster hinzugefügt, das nicht nur mit dem Höhlensystem verbunden wurde, sondern viele neue Räumlichkeiten und Quartiere bot. Nach dem Zweiten Weltkrieg mauerten sowjetische Truppen 1951 den Eingang zur Kirche mit einer zwei Meter dicken Schicht Beton ein und die Paulinermönche wurden entweder erschossen oder inhaftiert. Erst nach der Wende im Jahr 1990 konnte die Kirche langsam wiederöffnet werden, wobei insbesondere das Höhlensystem fast irreparabel beschädigt wurde. Nach einer erfolgreichen Wiederherstellung erhielten die Paulinermönche ihre Kirche 2008 zurück und seitdem wurde die Höhle auch für Touristen freigegeben.

Geographische Lage:

Die Felsenkirche am Gellért Berg befindet sich auf der Budaer Stadtseite, gleich beim westlichen Ende der Freiheitsbrücke. In der unmittelbaren Umgebung befindet sich das Gellért Bad, das für sein Heilwasser weltweit bekannt ist. Durch die Verbindungswege innerhalb der Parkanlage kann die Kirche von der Freiheitsstatue in nur 10 Minuten erreicht werden und auch von der Budapester Markthalle ist der Ort in 15 Minuten erreicht. Während die zusätzlichen Gebäudeteile der Kirche gut sichtbar sind, ist der Eingang zur Grotte etwas versteckt, jedoch markiert ein über 2 Meter großes Kreuz den Eingang für Besucher.

Räumlichkeiten und Innenarchitektur:

Der wohl faszinierendste Aspekt der Felsenkirche ist die Innenarchitektur des heutigen Gotteshauses. Gleich beim Betreten des Haupteingangs fällt Besuchern auf, wo sich der erste Altar der Pauliner Mönche befand. Nur wenige Meter später verengt sich der Weg und die einzelnen Bereiche der Höhle werden sichtbar. Weder Stützbalken noch abgeschliffene Mauern können hier gefunden werden, die Decken und Wände bestehen aus dem Naturstein des Berges. Die kleinen Hohlräume und Ausbuchtungen wurden vom Mönchsorden dafür verwendet, um Artefakte und religiöse Elemente auszustellen. Der Altar mit Jesus Christus besitzt mehrere Stühle, da hier regelmäßig Gottesdienste abgehalten werden.

Es lohnt sich durchaus alle Bereiche der Felsenkirche im Gellértberg zu erkunden, denn in nördlicher Richtung endet die Höhlenform abrupt und man befindet sich in einem Raum mit glatten Wänden und normalen Dimensionen. Dieser Punkt bildet die Verbindungsstelle zwischen der Grottenkirche und dem Kloster, welches 1934 hinzugefügt wurde. Das neoromane Gebäude ist insbesondere von der Freiheitsbrücke aus sehr gut sichtbar und bietet mehrere Räumlichkeiten für die Mitglieder des Ordens. Das U-förmige Gebäude besitzt einen Turm und einen kleinen Garten, der von der Hauptstraße abgetrennt ist. Von den Fenstern aus kann eine Aussicht auf die Donau und die gegenüberliegende Uferseite genossen werden.

Kirchliche Nutzung:

Die Teils brutale Vergangenheit im 20. Jahrhundert bildet den Grund, warum die Felsenkirche nicht nur eine einfache Kirche ist. Sie symbolisiert gleichzeitig den Schrecken der sowjetischen Besatzung und den Widerstand der Bevölkerung gegen das System. Mit diesem Hintergrund ist es den Mitgliedern der Kirche sehr wichtig, dass Besucher den Ort respektieren und auch würdevoll behandeln. Jeden Sonntag werden Gottesdienste abgehalten und an christlichen Feiertagen werden auch mehrere am Tag organisiert. Die Akustik der Höhle ist außergewöhnlich, wodurch verschiedene Chöre diesen Ort nutzen. Falls es gerade keine kirchliche Veranstaltung gibt, bieten Ordensmitglieder und Gemeindemitglieder Führungen an, um über die Geschichte ihrer Heimatgemeinde zu berichten.

Zusammenfassung:

Mit der touristischen Eröffnung um das Jahr 2008 ist die Felsenkirche vom Gellért Berg einer der jüngsten Sehenswürdigkeiten von Budapest. Die facettenreiche Geschichte und die einzigartige Architektur machen die Grottenkirche zu einem sehr sehenswerten Ort, der sich nicht allzuweit vom Stadtzentrum befindet. Vom Domizil eines Heilers über einen städtischen Schandfleck bis hin zur wiedereröffneten Kirche der Paulinermönche ist diese Höhle im Lauf der Geschichte ein bedeutender Ort geworden. Obwohl die Sehenswürdigkeit 1951 ausgeraubt, verwüstet und zugemauert wurde, stehen ihre Tore heute wieder offen und laden Besucher zu einem Rundgang ein. Nach dem Verlassen der Kirche sollte auch die Statue von König Stephan I. angesehen werden, aber auch das große Kreuz über der Höhle, das das christliche Gebäude markiert. Trotz der damaligen Schwierigkeiten sind die Bewohner des Ordens sehr froh darüber ihre Heimat wieder nutzen zu können und stolz darauf zeigen zu können, welch imposantes Bauwerk aus dem damals einfachen Altar geworden ist.

Weitere relevante Informationen

Original Ungarischer Name: Sziklatemplom

Adresse: Szent Gellért Tér / 1111 Budapest

Geographische Koordinaten: Breitengrad 47.484816 / Längengrad 19.052082 oder 47°29'05.3"N / 19°03'07.5"E

Meereshöhe: 116 Meter

Telefonnummer: +36 0620 7752 472

E-Mail: info@sziklatemplom.hu

Webseite: http://www.sziklatemplom.hu/web/fooldal.html

Öffnungszeiten: Die Kirche ist von Montag bis Samstag von 09:30 Uhr bis 19:30 Uhr geöffnet

Eintritt: Erwachsene 600Ft / Studenten und Senioren 500Ft

Zugang: Mit der Nähe zum Szent Gellért Platz ist die Felsenkirche mit öffentlichen Verkehrsmitteln sehr leicht erreichbar, die Lage beim Gellértberg ermöglicht auch einen Spaziergang vom Burgviertel zur Kirche

Informationen: Beschilderungen stehen in Ungarisch zur Verfügung, Broschüren und Führungen stehen in weiteren Sprachen zur Verfügung

Karte der Felsenkirche am Gellért Berg


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