Das beeindruckende Budapester Parlament

Das ungarische Parlament

Imre Steindl konnte sein Projekt nicht mehr sehen, da er vor der Fertigstellung erblindete
Als drittgrößtes Regierungsgebäude der Welt ist das Parlament ein außergewöhnliches Bauwerk in Budapest (1)
Zusammen mit dem neuen Kossuth Platz ist das Parlament ein wunderschönes touristisches Ziel
Die neogotische Fassade aus Kalkstein besitzt 365 Türme, die aus dem Gebäude ein Kunstwerk machen (2)
Im Kuppelsaal kann die berühmte Stephanskrone betrachtet werden
Während einer Führung können sich Gäste mehrere Parlamentsräume ansehen und die Innenarchitektur bestaunen (3)
Die Gruppenleiter beantworten gerne alle Fragen rund um das Parlament
Am Ende der Führung wird der Sitzungssaal besichtigt, in dem die Regierung Gesetze beschließt und den Werdegang Ungarns bespricht (4)

Einleitung:

Im Lauf der Geschichte errichteten Herrscher etliche Bauwerke, die als riesige Monumente eingehen sollten. Angefangen von Kirchen über Regierungsgebäuden bis hin zu künstlerischen Objekten wurde versucht das jeweils größte Exemplar der gesamten Welt zu errichten. Das Budapester Parlament, welches im Ungarischen als Országház bezeichnet wird, ist nicht nur einer der größten Gebäude des Landes, sondern auch das drittgrößte Regierungsgebäude der Welt. Seit über 100 Jahren ist der Sitz der Regierung an der Donau ein Wahrzeichen von Budapest, aber auch von ganz Ungarn. Ein Besuch des Parlaments ist daher nicht nur wegen der monumentalen Architektur einzigartig, sondern auch aufgrund der legendären Führungen, die einen Einblick in das demokratische Herz Ungarns ermöglichen.

Geschichte:

Im Jahr 1880 beschloss das ungarische Parlament einen namhaften Architekten damit zu beauftragen, ein ständiges Parlamentsgebäude in Budapest zu errichten. Insgesamt 19 Entwürfe wurden einem Komitee vorgestellt und der international berühmte Architekt Imre Steindl gewann die Ausschreibung mit seinem Modell im gotischen Stil. Als die Details für den Bau geklärt waren, wussten Steindl und seine 1000 Angestellten, dass dieses Projekt monumentale Ausmaße erhalten würde. Daher begannen die Arbeiten im Jahr 1885 und wurden schon 19 Jahre später beendet.

Noch vor der Fertigstellung des Budapester Parlaments fand im halbfertigen Gebäude im Jahr 1896 die erste offizielle Sitzung statt, da in diesem Jahr das 1000-jährige Bestehen des ungarischen Königreiches gefeiert wurde. Nach der Fertigstellung im Jahr 1904 kamen Gäste aus der ganzen Welt nach Budapest, um das Bauwerk zu betrachten. Während dem Zweiten Weltkrieg wurden Teile des Gebäudes beschädigt, weshalb diese nach dem Krieg provisorisch restauriert wurden. Nachdem das Parlament im Jahr 1987 zum Teil des UNESCO Weltkulturerbes erklärt wurde, begann eine Großrestauration, die bis Ende 2013 andauerte. Seitdem können Touristen das Bauwerk wieder in seinem alten Glanz genießen, in dem übrigens die ungarische Regierung seit 1990 wieder dem politischen Alltag nachgeht.

Geographische Lage:

Direkt am Ostufer der Donau gelegen befindet sich das Parlament im Stadtzentrum von Budapest. Im Norden verläuft die Margaretenbrücke, im Süden die Kettenbrücke. Etwas südwestlich erhebt sich  auf der gegenüberliegenden Seite der Donau das Budaer Burgviertel von wo aus das Bauwerk hervorragend überblickt werden kann. Alle Gebäudeteile sind vollkommen freistehend, wodurch die Ausmaße noch monumentaler wirken. Im Osten bildet der Kossuth Lajos Platz den Sammelpunkt für Touristen und für Besucher von Kundgebungen. Bezüglich der Erreichbarkeit kann das Parlament bequem zu Fuß erreicht werden, es fährt aber auch die Budapester Straßenbahn mit einer Linie an der Sehenswürdigkeit vorbei.

Architektonische Besonderheiten:

Das Parlament besitzt eine Länge von 268 Metern und eine Breite von 123 Metern, und aufgrund dieser architektonischer Größe ist es das zweitgrößte Parlamentsgebäude Europas. Die überragende Kuppel im Zentrum vergrößert die Gesamthöhe auf 96 Meter. Die neogotische Außenfassade beeindruckt mit 365 Türmen und etlichen Fenstern, die das riesige Gebäude erhellen. In fast 700 Räumlichkeiten sind Büros, Empfangshallen und funktionelle Räume untergebracht, wobei der Kuppelsaal und der Sitzungsaal der Regierung sicherlich die berühmtesten sind. Schon im frühen 20. Jahrhunderts stand eine von Steindl selbst konzipierte Klimaanlage zur Verfügung, die im Sommer kühlte. Bei diesem für die damalige Zeit innovativen System standen vor dem Parlament zwei Brunnen, die mit Lüftungsschächten des Gebäudes verbunden waren. Die durch das Wasser erzeugte kühle Luft wurde direkt in den Sitzungssaal umgeleitet und die Abgeordneten konnten trotz sommerlicher Temperaturen ungestört arbeiten.

Eine Voraussetzung für den Bau des Budapester Parlaments war, dass ausschließlich ungarische Baustoffe verwendet werden durften. So wurden 40 Millionen Steinziegel und 500.000 Dekorationsziegel aus dem gesamten Land herangeschafft. Ebenfalls wurden über 40 Kilogramm Gold verwendet, um die klassizistische Innenarchitektur auszuschmücken. Die einzigen Objekte, die nicht aus Ungarn stammen, sind die 8 Marmorsäulen, die bei der Haupttreppe stehen. Sie wurden in Schweden abgebaut und anschließend zum ungarischen und britischen Parlament verschifft. Neben insgesamt 242 Statuen befinden sich in etlichen Räumen Fresken und ähnliche Kunstwerke, wodurch der Wert des Monuments nicht mehr mit heutigem Geld aufgewogen werden kann.

Besondere Objekte:

Als Bauwerk der Rekorde beherbergt das Parlament zwei Objekte, die genauso unbezahlbar wie einzigartig sind. Bei den Sitzungssälen ist zunächst der größte handgeknüpfte Teppich in ganz Europa verlegt. Mit einer Fläche von 147 Quadratmetern besitzt dieses künstlerische Meisterwerk eine größere Fläche als ein Einfamilienhaus. Im Kuppelsaal können Besucher zwei weitere besondere Objekt besichtigen, nämlich die Stephanskrone und die Reichsinsignien. Die Krone ist ein ungarisches Symbol und auch der geschichtlich wertvollste Besitz des Landes, der rund um die Uhr von mindestens zwei Soldaten bewacht wird. Früher befand sich der Nationalschatz im ungarischen Nationalmuseum, seit 2000 wird er im epochalen Saal des Parlaments ausgestellt.

Führungen:

Für Reisegruppen und einzelne Touristen werden Führungen in mehreren Sprachen angeboten. Die erfahrenen Gruppenleiter führen die Gäste durch die wichtigsten Räumlichkeiten des Parlaments. So beginnt eine Tour normalerweise beim Empfangsaal, wo weiterführende Treppen zu den importieren Marmorsäulen führen. Danach wird ein Einblick in verschiedene Räume ermöglicht, so wie zum Beispiel in die früheren Warteräume der Parlamentsabgeordneten. Während der Führung wird auch die Stephanskrone präsentiert, jedoch ist das Photographieren im Kuppelsaal nicht gestattet. Als Krönung der Tour wird man in den Sitzungsaal der Regierung geführt, wo die tägliche ungarische Politik stattfindet. Die Gruppenleiter beantworten gerne alle Fragen und erzählen interessante Geschichten rund um das Gebäude und deren Nutzer.

Neuer Kossuth Lajos Platz:

In der letzten Phase der Restaurationsarbeiten am Parlament wurde beschlossen passend zum fertiggestellten Bauwerk auch den umliegenden Kossuth Lajos Platz zu erneuern. Der Platz ist ein wichtiger historischer Schauplatz, an dem geschichtlich bedeutende Demonstrationen stattfanden, so wie zur ungarischen Revolution 1956. Nach 1945 wurde der Platz von den Kommunisten modifiziert, damit die nationale Identität von diesem Ort verschwinden sollte. Beim neuen Kossuth Lajos Platz, dessen Bau im März 2014 endete, wurden einerseits Elemente platziert, die vor den Kommunisten vorhanden waren und andererseits vollkommen neue Elemente eingeführt. So wurde eine neue Tiefgarage gebaut, um das hiesige Parkproblem zu lösen und direkt beim Donauufer wurde ein Touristenzentrum eröffnet, dass Gäste zu einem Kaffee und einer Pause einlädt. Zusätzlich wurden auch großzügige neue Grünflächen angelegt.

Zusammenfassung:

Alle Budapester Sehenswürdigkeiten besitzen eine eigene Bedeutung und auch einen besonderen Wert, doch das Budapester Parlament wurde schon von abertausenden Touristen als die wichtigste Sehenswürdigkeit der Stadt gekürt. Sowohl die Grundfläche als auch die neogotische Architektur erzeugen ein imposantes Ambiente, das mit Worten nicht beschrieben werden kann. Von etlichen Orten in Budapest kann dieses Bauwerk betrachtet werden, dass trotz des Zweiten Weltkrieges immer noch steht. Für die Ungarn ist das Gebäude ein Symbol der Demokratie, das die Freiheit des ungarischen Volkes repräsentiert. In einem ungarischen Sprichwort wird gesagt, dass das britische Parlament vielleicht größer ist als das Budapester Parlament, dafür ist das ungarische Parlament das schönste Europas.

Weitere relevante Informationen

Original Ungarischer Name: Országház / Parlament

Adresse: Kossuth Lajos Tér 1-3 / 1055 Budapest

Geographische Koordinaten: Breitengrad 47.507111 / Längengrad 19.045607 oder 47°30'25.6"N / 19°02'44.2"E

Meereshöhe: 105 Meter

Telefonnummer: +36 1441 4415

E-Mail: idegenforgalom@parlament.hu

Webseite: http://latogatokozpont.parlament.hu/en

Öffnungszeiten: Das Besucherzentrum des Parlaments ist vom 1. April bis zum 31. Oktober unter der Woche von 08:00 Uhr bis 18:00 Uhr geöffnet, am Wochenende bis 16:00 Uhr. Das restliche Jahr ist das Zentrum jeden Tag von 08:00 Uhr bis 16:00 Uhr geöffnet

Eintritt: Erwachsene 2000Ft / Studenten und Senioren 1000Ft

Zugang: Das Parlament befindet sich direkt im Stadtzentrum und kann somit mit sämtlichen öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden. Auch zu Fuß ist es im Zentrum schnell erreicht, öffentliche Parkplätze stehen in der Umgebung zur Verfügung

Informationen: Beschilderungen stehen in Ungarisch und Englisch zur Verfügung, Broschüren und Führungen stehen in weiteren Sprachen zur Verfügung

Karte des Budapester Parlaments


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