Der sehenswerte Budapester Statuenpark

Der Memento Park in Budapest (Szoborpark)

Ursprünglich wurden die Statuen gesammelt und viele Menschen forderten ihre Zerstörung
Schon beim Eingang des Budapester Statuenparks wird ersichtlich, dass es sich hierbei um ein Mahnmal handelt (1)
Abgebildet sind Angehörige des Militärs, aber auch politische Führer
42 Statuen der Besatzungszeit sind auf dem Freilichtareal verteilt und ausgestellt (2)
Es gibt keine vorgesehene Route für einen Rundgang, stattdessen können die Statuen nach eigenem Wunsch erkundet werden
Die ständige Stille sowie die Architektur erzeugen ein eher morbides Ambiente, das viele ungarische Besucher an die Diktatur zurückerinnern lässt (3)
Der Verlauf der ungarischen Revolution sowie die Folgejahre werden genau erläutert
In der nördlichen Baracke sind die Ausstellungen "Stalins Stiefel" und "Das Leben eines Agenten" untergebracht (4)

Einleitung:

Die Erinnerungskultur der heutigen ungarischen Gesellschaft konzentriert sich insgesamt auf zwei dunkle Perioden der Staatsgeschichte. Zum einen wird an die Schrecken des Nationalsozialismus erinnert, zum anderen an den Terror der kommunistischen Besatzung. Im ganzen Land berichten Ausstellungen, Museen und Mahnmale über diese Kapitel der ungarischen Geschichte. Im Südwesten von Budapest ist eine Ausstellung zu finden, die einen äußerst interessanten Ansatz der Geschichtsaufarbeitung darstellt, wodurch sie jährlich von etlichen Gästen besucht wird. Der Statuenpark, oder auch Memento Park, beherbergt nämlich eine Sammlung von Statuen und Denkmälern, die in der russischen Besatzungszeit zwischen 1945 und 1989 an öffentlichen Orten platziert waren. Dieser Ansatz eines stillen Mahnmals wurde nicht nur von der ungarischen Bevölkerung bei seiner Eröffnung gelobt, sondern auch von vielen Geschichtsexperten, die im Budapester Statuenpark einen objektiven Zugang zur Geschichte sehen.

Geschichte:

Als sich Ungarn 1989 langsam aus dem Einflussbereich der Sowjetunion befreien konnte, wurden unter anderem diverse kommunistische Statuen in ganz Ungarn entfernt oder zerstört. Schon nach kurzer Zeit sammelte sich ein Depot an Abbildungen von kommunistischen Urführern und regionalen Diktatoren an und es musste eine Entscheidung getroffen werden, was aus diesen Symbolen der Unterdrückung werden sollte. Bürger und Politiker waren sich uneinig, denn während einige die komplette Zerstörung forderten, verwiesen andere darauf, dass die Geschichte nicht einfach vergessen werden darf.

1989 kam von László Szörényi die Idee einen Statuenpark zu errichten, in dem nur Lenin Statuen aus ganz Ungarn stehen sollten. Dieses Grundkonzept wurde dadurch erweitert, dass alle möglichen Statuen an einem solchen Ort stehen sollten. Mit dieser Entscheidung waren viele Menschen einverstanden wodurch 1991 der Bau des Budapester Statuenparks unter Ákos Elöd begann. Als 1993 die Tore des morbiden Mahnmals eröffnet wurden, strömten Besucher aus Ungarn und vielen anderen Ländern den Ort. Über die Jahre wurde der Park mit weiteren Elementen vergrößert, um neben den Statuen auch Fakten und Daten anhand von Ausstellungen vermitteln zu können. Bis heute kommen Menschen zum Budapester Mementopark um sich entweder an die grausame Sowjetzeit zu erinnern, oder einen Einblick in das Regime zu erhalten.

Statuenpark:

Die Hauptausstellung des Budapester Statuenparks befindet sich in einem Freilichtareal, dass insgesamt aus 6 Einzelbereichen besteht. Jeder Bereich kann durch einen Gehweg begangen werden, wobei es keine vorgesehene Route gibt. Die Architektur der Mauern und Kunstelemente wird von roten Ziegelsteinen dominiert, die ein kaltes Ambiente erzeugen, und somit den Statuen selbst einen grotesken Auftritt verschaffen. Die Atmosphäre wird ebenfalls von einer Stille geprägt, da nur selten Autos an den benachbarten Straßen vorbeifahren.

Auf den einzelnen Podesten im Budapester Statuenpark sind 42 Statuen ausgestellt, die kommunistische Persönlichkeiten oder sozialistische Ideale verkörpern. Angefangen von Begründern des Kommunismus wie Karl Marx oder Friedrich Engels sind auch tatsächliche Führer wie Lenin oder Béla Kun abgebildet. Einige Werke rücken das Proletariat ins Zentrum, andere wiederum die Rote Armee. Hier sind zum Beispiel jene Statuen zu finden, die von der Budapester Freiheitsstatue entfernt wurden. Bei jeder Statue ist eine Plakette zu finden, die den Künstler und den Titel des Werkes aufzeigt. Weitere Erläuterungen sind nicht zu finden, immerhin sind die Statuen selbsterklärend.

Barackenausstellung:

Gegenüber der Freilichtausstellung des Budapester Mementoparks stehen zwei Baracken, die ebenfalls zur Anlage gehören. Zwischen den Gebäuden ist ein großes Podest zu sehen, auf welchem ein Paar Stiefeln zu sehen ist. Das Kunstwerk trägt den Titel "Stalins Stiefel" und erinnert an die ungarische Revolution 1956, als Bürger die einzige Stalinstatue von Budapest niederrissen und nur die Stiefel übrig blieben. Seitdem gelten die Stiefeln als Zeichen des Widerstands gegen die sowjetische Unterdrückung. Während sich in der südlichen Baracke Büros befinden, können Gäste im nördlichen Gebäude zwei Ausstellungen betrachten, die mehr über die Zeit des Kommunismus erzählen.

Der Budapester Statuenpark bietet zum einen die Ausstellung "Stalins Stiefel" an. Mittels Photographien und Texten wird den Gästen näher gebracht, warum die Revolution von 1956 die spätere Diktatur etwas lockerte und warum sie den ersten Schritt in die spätere Wende von 1989 bedeutete. Es werden einzelne Jahre und Ereignisse herausgenommen, die als Schlüsseldaten gewertet werden. Am Ende der Ausstellung ist auch eine Sammlung von Zeitungsberichten zu sehen, die über den Statuenpark selbst berichten. Zum anderen ist in denselben Räumlichkeiten auch ein kleiner Kinosaal zu finden, der den Film "Das Leben eines Agenten" abspielt. In verschiedenen Szenen wird dargestellt, wie die Bürger Ungarns eine totale Überwachung erdulden mussten und mit welchen Tricks die Agenten an Informationen kamen.

Sowjetische Relikte:

Zusätzlich zu den Hauptausstellungen können Besucher im Statuenpark von Budapest auch einen kleinen Einblick in den sowjetischen Alltag erleben. Gleich neben der Kassa steht zum Beispiel ein alter Trabant, in dem man sich hineinsetzen darf. Beim Einsteigen in das ostdeutsche Fahrzeug sollte man nicht unter Platzangst leiden, denn selbst moderne Kleinstfahrzeuge wirken im Gegensatz zum Trabant wie riesige Limousinen. Ebenfalls oft besucht ist der Andenkenladen, in dem etliche nostalgische Objekte aus der Besatzungszeit angeboten werden. Hier können unter anderem skurrile Alltagsgegenstände begutachtet werden, die damals in Ungarn tagtäglich verwendet wurden, und eine ständige Propaganda darstellten.

Kulturelle Ereignisse:

Das Ziel des Budapester Mementoparks ist es nicht nur ein touristisches Mahnmal zu sein, sondern auch eine Quelle der Kultur. In den Sommermonaten werden sowohl Filmvorführungen veranstaltet, als auch Spezialvorführungen für Reisegruppen und Schulgruppen, um mit Geschichten von Zeitzeugen und Originalaufnahmen einen neuen Einblick in das Thema zu ermöglichen. Es werden aber auch Kunstprojekte und ähnliche Aktivitäten veranstaltet die ebenfalls auf der Webseite des Parks angekündigt werden. Es ist eine interessante Tatsache, dass Menschen zwar prinzipiell verschiedenste Aktivitäten bei den sowjetischen Statuen veranstalten dürfen, politische Aktivitäten jeglicher Art aber strikt verboten sind. Weder Veranstalter aus dem linken Spektrum, noch aus dem rechten Spektrum dürfen das Mahnmal für politische Ziele missbrauchen.

Zusammenfassung:

Für Gäste der Stadt Budapest, die sich mit der Geschichte des Landes beschäftigen wollen, ist der Budapester Statuenpark sicherlich ein außergewöhnliches Erlebnis. Andere Institute wie das Haus des Terrors oder das Holocaust Gedenkzentrum sind sicherlich schneller erreicht als die außerstädtische Budapester Sehenswürdigkeit, jedoch bietet der Ort ein Ambiente, dass woanders nicht den gleichen Effekt haben könnte. Die starre Architektur, die ständige Stille und die morbiden Statuen bilden eine Kombination aus Ehrfurcht und Respekt für die Opfer dieses politischen Systems. Seien es stürmende Arbeiter die Lenin anbeten, oder schwerbewaffnete Soldaten die einschüchtern sollen, der Einblick in die kommunistische Kunst ist landesweit einzigartig. Mit der Entscheidung für die Ausstellung der einzelnen werke im Budapester Statuenpark ist es den Gründern des Projekts gelungen ein ewiges Denkmal zu setzen, welches die Taten des Kommunismus aufzeigt und gleichzeitig einen objektiven Zugang ermöglicht.

Weitere relevante Informationen

Original Ungarischer Name: Szoborpark / Memento Park

Adresse: Ecke Balatoni Út und Szabadkai Utca / 1223 Budapest

Geographische Koordinaten: Breitengrad 47.426369 / Längengrad 18.998919 oder 47°25'34.9"N / 18°59'56.1"E

Meereshöhe: 197 Meter

Telefonnummer: +36 1424 7500

E-Mail: E-Mail Kontakt ist auf der Webseite möglich

Webseite: http://www.mementopark.hu/?lang=en

Öffnungszeiten: Der Park ist das ganze Jahr über geöffnet. Die Öffnungszeit beginnt um 10:00 Uhr und endet mit dem Sonnenuntergang

Eintritt: Erwachsene 1500Ft / Studenten und Senioren 1000Ft

Zugang: Der Park liegt in der südlichen Peripherie von Budapest, wodurch die Anreise nur mit einem Fahrzeug oder den öffentlichen Verkehrsmitteln sinnvoll ist. Die Buslinie 150 fährt regelmäßig hierher und wieder zurück in die Innenstadt

Informationen: Beschilderungen stehen in Ungarisch zur Verfügung, Broschüren und Führungen stehen in weiteren Sprachen zur Verfügung

Karte des Budapester Statuenparks


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