Der Bischofspalast und die Bischofsburg in Györ

Die Bischofsburg und der Bischofspalast von Györ

Die Bischofsburg wird bis heute von der katholischen Kirche aktiv genutzt
Die standhaften Mauern und die Nähe zu den Flüssen machten die Bischofsburg zu einer hervorragenden Wehranlage (1)
An der Außenfassade sind verschiedene Baustile ersichtlich
Der Turm des Bischofspalastes war die erste Konstruktion, die auf dem heutigen Gelände errichtet wurde (2)
Im Süden erstreckt sich die Stadt, während im Norden die uralten Wälder zu sehen sind
Vom Dach des Turmes aus können ganz Györ und die Gebäudeteile des Palastes überblickt werden (3)
In jeder Etage des Turmes sind einige Exponate ausgestellt
Alle Stockwerke der Turmanlage sind begehbar, wobei man zum Erreichen der Aussichtsplattform schwindelfrei sein sollte (4)

Einleitung:

Der Káptalan Hügel, welcher sich im Nordwesten der Altstadt von Györ befindet, kann als religiöses Zentrum der katholischen Kirche betrachtet werden. Hier steht nicht nur die bedeutende Basilika, sondern auch die über 1000 Jahre alte Bischofsburg und der Bischofspalast. Das Bauwerk repräsentiert einerseits mehrere bedeutende architektonische Stile, andererseits war es seit der Ausrufung des Bistums Györ die Heimat des Bischofs. An den Ufern der Rába liegend wurde das Bollwerk in der Geschichte mehrere Male als Festung gegen Angreifer verwendet und bis heute ist der Bischofssitz nie an einen anderen Ort verlegt worden. Für die Besucher des Bischofspalastes bildet insbesondere der Burgturm eine ausgezeichnete Möglichkeit, um die Ausstellung zu entdecken, und vom Turm eine einzigartige Aussicht zu genießen.

Geschichte:

Schon ein Jahr nach der Ausrufung des Königreiches von Ungarn bestimmte Papst Silvester aus Rom, welche bischöflichen Zentren Ungarn verwalten sollten. Bei dieser Nominierung wurde 1001 auch das Bistum von Györ gegründet, das die Stadtgeschichte maßgeblich beeinflussen sollte. Die ersten Gebäude der Bischofsburg wurden schon im 11. Jahrhundert errichtet, jedoch dauerte es noch mehrere Jahrzehnte, bis die ersten Strukturen des heutigen Bauwerks hinzugefügt wurden. Zunächst zog man im 13. Jahrhundert den Wohnturm hoch, der eine Kombination aus Schutz und Komfort bot.

Viele Jahre später wurden weitere Gebäudeteile des Bischofspalastes gebaut, jedoch ahnte im frühen 16. Jahrhundert niemand, dass aus dem kirchlichen Sitz eine moderne Wehranlage werden sollte. Ausschlaggebend hierfür war die Schlacht von Mohács im Jahr 1526, bei der die ungarischen Truppen eine verheerende Niederlege gegen die Osmanen erleiden mussten. Daraufhin erhielt der Burgkapitän der Bischofsburg die militärische Vollmacht und der italienische Architekt Pietro Ferrabosco wurde 1561 damit beauftragt, die Burg gegen Angriffe abzusichern. Trotz der großen Investitionen gelang es den Osmanen Györ zu erobern, doch schon nach 4 Jahren Besatzung eroberten die Ungarn ihre Stadt zurück. Der Bischof musste zu dieser Zeit fliehen und kehrte erst im 18. Jahrhundert zurück, was aber nicht bedeutete, dass das Bistum selbst aufgelöst wurde.

Es war Bischof Ferenc Zichy, der im 18. Jahrhundert anordnete die Bischofsburg zu modernisieren, und ihr jene finalen Komponenten hinzuzufügen, die auch heute sichtbar sind. Einige Modernisierungen wurden ebenfalls im Jahr 1984 durchgeführt, die Grundarchitektur blieb aber erhalten. Bei diesen Arbeiten wurden Elemente des mittelalterlichen Grundbaus zum Vorschein gebracht, die anschließend von zahlreichen Experten untersucht werden konnten. Im Jahr 2001 wurde seitens der Kirche eine große Festivität veranstaltet, immerhin bestand das Bistum von Györ schon 1000 Jahre und weder politische Auseinandersetzungen noch militärische Handlungen lösten das Bistum auch nur einmal auf.

Heutige Funktion:

Auch wenn der Bischofspalast aufgrund seiner Geschichte der ideale Ort für großartige Ausstellungen wäre, so wird der Großteil der Gebäude weiterhin für die kirchliche Verwaltung verwendet. Während der Bischof die Empfehlungen aus dem Vatikan umsetzt, organisieren etliche Angestellte den Kirchenalltag. Hier werden auch Statistiken über Mitglieder der Kirche zusammengetragen und gleichzeitig beschlossen, ob es ideologische Änderungen im Einflussbereich geben soll. Besucher der Anlage können diese Arbeiten zwar nicht miterleben, dafür wurde der Wohnturm der Festung vollkommen für den Tourismus freigegeben. In allen Stockwerken werden Exponate und Bilder ausgestellt, die die Geschichte des Bischofspalastes erläutern und über die 1000 Jährige Vergangenheit berichten.

Architektonische Besonderheiten:

Kenner der europäischen Architektur werden bei der Besichtigung der Bischofsburg sofort erkennen, dass insbesondere der Wohnturm mehrere Stile aufweist. Ursprünglich wurden die ersten Gebäude auf römischen Fundamenten errichtet, die heute rund 2000 Jahre alt sind. Für die damaligen Baumeister waren die Steinstrukturen die Bestätigung, dass an diesem Ort gefahrlos gebaut werden konnte. Nach der Fertigstellung der mittelalterlichen Gebäude mussten die Verteidigungselemente errichtet werden, die bereits einen Renaissancestil aufwiesen. Als perfektes Beispiel kann die Mauer entlang der Rába begutachtet werden, die eindeutig einen Stil des 16. Jahrhunderts aufweist. Bei diesen Umbauarbeiten verschwanden die mittelalterlichen Komponenten fast vollkommen, jedoch brachte die Restauration von 1984 die wertvolle Architektur wieder zum Vorschein.

Viele Besucher erkundigen sich auch darüber, warum der Wohnturm des Bischofspalastes ab dem 3. Stockwerk schmaler wird. Der Grund hierfür liegt darin, dass die unteren Ebenen den Originalbau bilden, während die oberen Stockwerke erst später dazugebaut wurden. Der Zubau ist eindeutig dem Barock zuzuordnen, die unteren Stockwerke hingegen weichen trotz Restauration von dieser Baurichtung ab. Der barocke Stil wurde übrigens bei der Restauration aus dem 18. Jahrhundert auch auf die anderen Gebäudeteile übernommen. Die weißen Außenfassaden und die orange gefärbten Dachziegel verweisen auf eine typisch zeitgenössische Architektur.

Gebäudeteile:

Die Bischofsburg kann heute in vier Bereiche unterteilt werden. Am markantesten ist der Wohnturm, der aus vier Stockwerken und einer Aussichtsplattform besteht. Gleich südlich angebunden steht der eigentliche Bischofspalast, der bis heute als Residenz des Bischofs verwendet wird. Der Zwinger ist heute eine enge Gasse zwischen den Palast und dem Gebäude mit der Adresse Káptalandomb 3, jedoch floss an diesen Ort im Mittelalter der Burggraben, um die Festung noch besser verteidigen zu können. Den letzten Anteil des Komplexes bildet der Burggarten, der sich entlang der gesamten Mauer erstreckt. Hier stehen jahrhundertealte Bäume, die im Lauf der Geschichte einen Ort der Entspannung und der Erholung ermöglichten. An bestimmten Tagen können Gäste diesen Ort ebenfalls besuchen.

Ausstellungen:

Die Bischofsburg beherbergt heute zwei Ausstellungen, die sich mit recht unterschiedlichen Themen auseinandersetzen. Während dem Aufgang zur Aussichtsplattform werden zahlreiche Ausstellungsstücke präsentiert, die die Geschichte des Bischofssitzes selbst erläutern. Die Portraits von zahlreichen Bischöfen runden die Ausstellungsräume gut ab und zeigen, wie viele Bischöfe über die Jahrhunderte hier tätig waren. Zusätzlich zu der allgemeinen Ausstellung widmen sich mehrere Räumlichkeiten dem Leben von Bischof Apos Vilmor. Der Bischof wurde am Ende des Zweiten Weltkriegs von russischen Soldaten exekutiert und seitdem wird er als Märtyrer gefeiert. Die Ausstellung berichtet über sein Werk, sein Leben und insbesondere über seinen Widerstand gegen den roten Terror.

Zusammenfassung:

Es kann gesagt werden, dass die Bischofsburg und der Bischofspalast für etliche Jahre die Gesamtentwicklung von Györ beeinflussten. Aus diesem Grund sollte man während einem Stadtbesuch unbedingt die Ausstellungen besuchen, aber auch die Aussicht vom Wohnturm aus erleben. Von oben kann nämlich die gesamte Stadt überblickt werden und im Norden ist der bischöfliche Wald zu sehen, der oftmals auch als die Lunge von Györ bezeichnet wird. Neben einer beeindruckenden Architektur sollten Besucher sich immer vor Augen halten, dass dieser bischöfliche Sitz seit über 1000 Jahren aktiv ist und selbst in Zeiten der Eroberungen und Belagerungen nicht aufgegeben wurde. Von den bescheidenen Anfängen als Wohnquartier über die Zeit als Verteidigungsbastion bis hin zum regionalen Mittelpunkt der katholischen Kirche ist die Bischofsburg ein außergewöhnliches Wahrzeichen, auf das Györ stolz sein kann.

Weitere relevante Informationen

Original Ungarischer Name: Györi Püspökvár és Püspöki Palota

Adresse: Káptalan Domb 1 / 9021 Györ

Geographische Koordinaten: Breitengrad 47.688713 / Längengrad 17.630418 oder 47°41'19.4"N / 17°37'49.5"E

Meereshöhe: 121 Meter

Telefonnummer: +36 9652 4643

E-Mail: info@kaptalandomb.hu

Webseite: http://www.kaptalandomb.hu/index.php/hu/

Öffnungszeiten: Von Mai bis September sind die Bischofsburg sowie das dazugehörige Besucherzentrum und das Museumsgebäude jeden Tag durchschnittlich von 09:00 bis 17:00 Uhr geöffnet. Das restliche Jahr über gelten dieselben Öffnungszeiten, jedoch ist der Montag Ruhetag

Eintritt: Erwachsene 1000 Ft / Studenten und Senioren 500 Ft

Zugang: Zu Fuß ist das Gebäude sehr schnell erreicht, der Káptalanhügel ist nämlich inmitten des touristischen Zentrums der Stadt. Parkmöglichkeiten sind zwar vorhanden, jedoch meistens besetzt

Informationen: Beschilderungen sind auf Ungarisch vorhanden, Führungen in anderen Sprachen können auf Anfrage organisiert werden

Karte des Bischofspalastes von Györ


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