Die Somlóer Burgruine bei Somló

Die Burgruine von Somló (Somloi Vár)

Seit 1945 hat die Somló Burg keinen Besitzer mehr, wodurch auch keine geplanten Restaurationen vorhanden sind
Aufgrund der fehlenden Restaurationsarbeiten hat die Natur die Burg Somló erobert und seitdem ist sie ein Teil des Somló Naturschutzgebietes (1)
In ihrer letzten Variante wurde die Burg in einem Renaissancestil überarbeitet
Die Skizze zeigt, wie die Burg vor ihrem Verfall ausgesehen hat, und das es sich um eine komplexe Festung gehalten hat (2)
Die Wehrtürme waren in der Lage mittlere und große Kanonen zu tragen
Die erhaltenen Strukturen wie der Burgturm zeigen, wie hoch die Anlage ungefähr war, jedoch kann die gesamte Anlage nur noch erahnt werden (3)
Der Felsen ist etwas unterhalb der Burg zu finden, jedoch liegt er direkt am Wanderweg
Einer Legende nach wurde der Kinizsi Felsen vom großen General Kinizsi geformt, als er sich auf dem Felsen ausruhte und der Fels sich wegen seinem Gewicht verformte (4)

Einleitung:

Der Somló Berg im Westen von Ungarn ist gleich für mehrere Dinge bekannt. Auf diesem Berg ist einerseits das Somló Naturschutzgebiet zu finden, welches die Heimat etlicher geschützter Tier- und Pflanzenarten ist. Andererseits beherbergt der Berg auch ein Relikt der ungarischen Vergangenheit, nämlich die Burg Somló. Sie ist auf der nördlichen Bergseite zu finden und bietet heute ein interessantes Ausflugsziel. Viele nennen die Festung auch die Somló Burgruine, da heute niemand mehr in der Burg lebt und sie auch niemals renoviert wurde, wodurch sie inzwischen von der Natur zurückerobert wurde.

Geschichte:

Aufgrund der fehlenden archäologischen Arbeiten lässt sich der Bau der Burg Somló nur erahnen. Verschiedene Quellen datieren die Erbauung auf die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts, nachdem die Tataren in Ungarn einfielen. 1352 wurde die Festung das erste Mal urkundlich erwähnt und ab diesem Zeitpunkt wechselte sie alle paar Jahre ihren Besitzer. Mal war sie eine königliche Burg, mal Besitz einer Adelsfamilie. 1470 verschenkte König Mátyás die Burg an Pál Kinizsi, der in der ungarischen Kriegsgeschichte als einer der größten Generäle des damaligen Königreichs zählt. Bis 1495 geriet der Besitzer in finanzielle Schwierigkeiten und die Anlage wurde von der Familie Szapolyai aufgekauft.

Eine wahre Wiedergeburt erlebte die Burg Somló, nachdem Tamás Bakócz sie von der Familie Szapolyai aufkaufte. Er erneuerte die gesamte Anlage und erweiterte sie sogar. Da die bauten ab 1498 begannen, wurde die mittelalterliche Konstruktion in eine moderne Renaissanceanlage umgewandelt, die auch Kanonen nutzen konnte. Aus der kleinen Festung wurde ein Bollwerk, welches mit mehreren großen und kleinen Kanonen verteidigt wurde und somit auf dem neuesten Stand der Technik war. Es wurden auch neue Elemente wie eine Kapelle hinzugefügt, die für damalige Burgen üblich waren. Zum Schluss erweiterten die Architekten auch die Räumlichkeiten des Besitzers, was dazu führte, dass die Burg auch als Residenz genutzt werden konnte.

Als die Osmanen ab dem 16. Jahrhundert in Ungarn einfielen, war die Zukunft der Burg Somló ungewiss. Tatsächlich fand 1543 eine Schlacht in der Gegend statt, jedoch war es keine Burgbelagerung, sondern eine offene Schlacht, die nur nahe der Burg stattfand. Aus finanziellen Gründen wurde die Burg verkauft und wechselte wiederum den Besitzer. Belagert wurde die Festung in dieser Zeit nie, jedoch wurde sie 1638 ein weiteres Mal ausgebaut, um einen eventuellen Gegenangriff standzuhalten. Dazu kam es aber nicht und auch während der Besatzung der Habsburger gab es kein großes Interesse die Burg zu erhalten oder als strategisches Zentrum zu nutzen.

Die letzte militärische Bedeutung sollte die Burg Somló im Rákoczi Freiheitskampf erhalten. Die Festung gehörte im frühen 18. Jahrhundert den Habsburgern, welche während den Kämpfen von den ungarischen Truppen erobert wurde. Ein letztes Mal wurde sie renoviert und erweitert, damit sie den Ungarn als Militärzentrum dienen konnte. Nach den Freiheitskämpfen wurde die Burg das letzte Mal in schriftlichen Dokumenten erwähnt und ab diesem Zeitpunkt war ihr Schicksal besiegelt. Niemand reparierte die Burg mehr und die örtlichen Bewohner begannen die Burg abzutragen, und nutzten sie als Steinquelle. Zwar hatte sie mit der Erdödy Familie einen offiziellen Besitzer, für diese besaß die Festung aber keinerlei Wert mehr.

Bis 1945 hatte die Burg Somló einen Besitzer, danach gehörte sie der Sowjetunion und wurde letztendlich vollkommen aufgegeben. Über die Jahre verfiel die Anlage immer weiter und begangen konnte sie auch nicht werden, da die Zugbrücke zerstört wurde und auch die Festung selbst war wegen der mangelnden Restauration teilweise einsturzgefährdet und gefährlich. Nach der Wende im Jahr 1989 gab es keinen rechtmäßigen Besitzer mehr, wodurch beschlossen wurde die Burg der Natur zu übergeben. Es wurden lediglich kleine Reparaturen durchgeführt, so kann die Anlage heute einfach begangen werden und auch die Türme wurden untersucht und als nicht gefährlich eingestuft.

Heutiger Zustand und Burgteile:

Seit dem beginnenden Verfall eroberte die Natur die Burg Somló zurück. Heute ist von der Anlage das Mauerwerk teilweise erhalten, vom Burgfried sind nur noch wenige Grundmauern vorhanden, bei denen man erahnen kann wo sich Räume wie die Küche befunden haben. Neben diesen Steingebilden ist sehr viel Grünfläche zu finden. Das Gebiet wird von zahlreichen Bäumen umgeben und auch im Innenhof und auf den Mauern selbst sind Gräser und Pflanzen gewachsen, die mit ihren Wurzeln die Mauern teilweise sogar stabilisieren. Die einzigen Einwohner, die ab und zu für kurze Zeit in der Burg leben, sind Raben.

Von den Burgteilen der Burg Somló sind nur wenige erhalten. Besucher können die Burg südlich durch das Burgtor betreten. Damals besaß die Festung einen Burggraben, der nur mittels einer Zugbrücke überwunden werden konnte. Danach befand man sich im äußeren Burggebiet, welches von beiden Seiten von Mauern umgeben wurde. Erst durch das Betreten der inneren Mauer gelangte man in den tatsächlichen Burgfried, der vollständig von Mauern umgeben war. Weder die Dächer, noch die Räumlichkeiten sind erhalten geblieben, jedoch überdauerte ein einziger Verteidigungsturm, der ungefähr zeigt, wie hoch die gesamte Anlage war. Im Norden der Burganlage sind die Überreste des Burgfrieds zu sehen, welche das Schlafgemach und den Speisesaal beinhalteten.

Legende des Kinizsi Felsens:

Auf dem Weg zur Burg Somló werden Besucher einen außerordentlichen Basaltstein entdecken, der ungefähr 2 Meter lang ist und etwas über einem Meter hoch ist. Dieser Stein, welcher wie eine römische Liege geformt ist, soll nach der Burglegende wegen Pál Kinizsi so aussehen. Der General wollte sich seine neu geschenkte Burg ansehen und wanderte den Somló Berg hinauf. Auf dem Weg dorthin ermüdete er und ruhte sich etwas auf diesem Stein aus. Wegen seines Gewichtes verformte sich der Stein und seitdem wird er als Kinizsi Stein bezeichnet. Seit dieser Begebenheit wacht der Stein über die Festung.

Zusammenfassung:

Auch wenn die Somló Burg heute keine Ausstellungen besitzt oder in ihr Burgspiele veranstaltet werden, so ist sie ein wunderbarer Ausflugsziel während einer Wanderung im Somló Naturschutzgebiet. Sowohl Geschichtsfreunde als auch Familien besuchen das alte Mauerwerk gerne und stellen sich vor, wie die Burg wahrscheinlich ausgesehen hat. Selbst durch den Umstand, dass die Burg Somló keinen Besitzer mehr hat, sieht die Verwaltung des Naturschutzgebietes regelmäßig nach, ob diese Sehenswürdigkeit noch sicher ist. An gefährlichen Stellen wurden Geländer und kleine Treppen hinzugefügt, damit die Besucher der Burg ohne Schwierigkeiten die Überbleibsel der so oft renovierten, doch nie militärisch genutzten Burg Somló entdecken können und somit auch eine ungarische Burg kennen lernen können, die nicht mehr restauriert wurde, sondern nun von der Natur bewohnt wird.

Weitere relevante Informationen

Original Ungarischer Name: Somlói Vár

Adresse: Nordseite des Somló Berges / Doba

Geographische Koordinaten: Breitengrad 47.150538 / Längengrad 17.370166 oder 47°09'01.9"N / 17°22'12.6"E

Meereshöhe: 346 Meter

Telefonnummer: Derzeit keine Verfügbar

E-Mail: Derzeit keine Verfügbar

Webseite: http://www.varkapitanysag.hu/index.php?option=com_content&view=article&id=55&Itemid=90

Öffnungszeiten: Die Burg kann das ganze Jahr über besucht werden, es wird empfohlen sie tagsüber aufzusuchen

Eintritt: Kein Eintritt

Zugang: Die Burg kann ausschließlich über einen Wanderweg erreicht werden, die Wanderung beträgt mindestens eine Stunde

Informationen: Beschilderungen sind auf Ungarisch vorhanden

Karte der Burgruine Somló


Bildquellen und Bildrechte:

(1) Petrobolos, 2006, Public Domain

(2) Petrobolos, 2006, Public Domain

(3) Petrobolos, 2006, Public Domain

(4) Hóbor István, 2008, Creative Commons 3.0

Rechte:

© by www.Urlaub-Ungarn.at (Stand 2015, H)