Das Wahrzeichen von Eger, das Minarett

Das berühmte Minarett von Eger

400 Ochsen schafften es damals nicht, das Gebäude zum Einsturz zu bringen
Das freistehende Minarett von Eger ist ein städtisches Wahrzeichen und gleichzeitig ein bedeutendes Bauwerk der europäischen Geschichte (1)
Der Aufstieg zur Plattform ist möglich, jedoch sollte man sich Zeit lassen
Die schmale Spiraltreppe erfordert Konzentration und Gleichgewicht, wegen dem glattem Sandstein wird festes Schuhwerk empfohlen (2)
Im Süden erstreckt sich Eger, im Norden ist das Bükk Gebirge zu sehen
Nach dem Aufstieg genießt man auf der Plattform einen unvergesslichen Ausblick auf Eger und die Umgebung (3)
Heute symbolisiert das Minarett auch kulturelle Toleranz
Von mehreren Orten der Stadt aus kann das Minarett gesehen werden, am besten kann es von der Burg Eger betrachtet werden (4)

Einleitung:

Die nordungarische Stadt Eger erlebte während ihrer Stadtgeschichte starke Einflüsse von insgesamt zwei Religionen. Seit ihrer Gründung war die Stadt christlich geprägt, doch im 16. und 17. Jahrhundert wurde sie von osmanischen Besatzern kontrolliert. Aus dieser Zeit stammt eine Sehenswürdigkeit in Eger, die nicht nur zu einem städtischen Wahrzeichen wurde, sondern auch eine europaweit einzigartige Eigenschaft besitzt. Diese Sehenswürdigkeit ist das Minarett von Eger, das sich im Stadtzentrum befindet und eine architektonische Rarität in Ungarn darstellt. Von der Aussichtsplattform des guterhaltenen Bauwerkes können Besucher ganz Eger überblicken und auch das Bükk Gebirge in der Ferne entdecken.

Geschichte:

Wann das Minarett von Eger erbaut wurde ist bis heute nicht geklärt, da es zwar 1664 das erste Mal urkundlich erwähnt wurde, die Stadt Eger selbst aber schon 1596 erobert wurde und die Osmanen dafür bekannt waren ihre Bauwerke sehr rasch zu errichten. Damals stand östlich zum religiösen Turm die Kethüda Moschee, die aber nach der Rückeroberung Ungarns abgerissen wurde. Es wird vermutet, dass das Minarett von Eger mindestens 50 Jahre lang verwendet wurde, so wie 9 weitere Minarette in der gesamten Stadt. Nach der Rückeroberung begannen die ungarischen Bürger die Gebäude der Besatzer abzureißen und nachdem die anderen neun Minarette abgerissen wurden, sollte auch das heutige Wahrzeichen verschwinden.

Die Entfernung der Kethüda Moschee war relativ einfach, doch das Minarett von Eger beeindruckte mit einer äußerst stabilen Architektur. 400 Ochsen versuchten den Turm umzustürzen, aber der massive Sandstein und die präzise Bauform verhinderten einen Sturz. Daraufhin wurde beschlossen, dass das Minarett stehen bleiben dürfte, der osmanische Halbmond aber durch ein christliches Kreuz ersetzt werden musste. Über die Jahre verfiel das nicht mehr genutzt Gebäude und als auch noch ein Blitz in der Turmspitze einschlug, musste eine Restauration durchgeführt werden. Ab 1829 übernahm János Pyrker einige Arbeiten, ab 1897 wurde das Bauwerk nach den Plänen von István Möller erneuert.

Nach dem 2. Weltkrieg fanden heimische Touristen ein immer größeres Interesse am Minarett von Eger, wodurch die Frage entstand, ob der Aufstieg zum Turm überhaupt sicher sei. Ab den 1960er Jahren begannen genaue Untersuchungen und Reparaturen und rund 20 Jahre später wurde der ehemalige Gebetsturm als neuer Aussichtsturm eröffnet. Seitdem genossen tausende Besucher die herrliche Aussicht von der Plattform aus und seit der Wende im Jahr 1990 kamen auch Gäste aus dem Ausland, um die Stufen des Minaretts zu erklimmen. Inzwischen ist es auch muslimischen Bewohner der Stadt erlaubt, an bestimmten Tagen den Turm für seine ursprüngliche Funktion zu verwenden und ein Gebet zu rufen.

Heutige Bedeutung:

Die Zeiten, in denen das Minarett von Eger ein verhasstes Symbol der Besatzer war, sind längst vorbei. Heute bezeichnen viele Einwohner den Turm als ein Wahrzeichen der Stadt und auch auf Postkarten und Broschüren ist das Bauwerk oftmals abgebildet. Für ungarische Geschichtsforscher spielt der Gebetsturm eine wichtige Rolle, da das Datum der Erbauung bis heute nicht bekannt ist. Diese Information könnte erklären, wie rasch die Besatzer ihre Kultur in den jeweiligen ungarischen Städten verbreiteten. Für Architekten ist der Turm ebenfalls sehr interessant, da die Statik und der stabile Grund dafür gesorgt haben, dass das Bauwerk bis heute Wetterbedingungen und Erdbeben getrotzt hat.

Turmarchitektur:

Gleich westlich von der Burg Eger weist das Minarett von Eger beachtliche architektonische Eigenschaften auf. Der Turm besitzt eine Höhe von 40 Metern und die Spitze wird mit einem christlichen Kreuz abgegrenzt. Die Grundsäule am Boden besitzt 14 Ecken und besteht aus fein verarbeitetem Sandstein und wird von einem Gitter aus dem 19. Jahrhundert umgeben. Ab ungefähr 5 Metern Höhenunterschied verengt sich der Turm etwas und behält diese Breite bis zur Turmspitze bei, die ungefähr 3 Meter hoch ist. Die Aussichtsplattform liegt auf einer Höhe von rund 30 Metern, wodurch sie alle umgebenden Gebäude überragt. Trotz ihrer Ausmaße wird das Minarett von keinen weiteren Strukturen gestützt.

Als in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts ungarische Bauwerke untersucht und aufgelistet wurden, stellte sich heraus, dass das Minarett von Eger eines der drei letzten historischen Minarette des Landes ist. Alle anderen wurden wieder abgerissen und nur durch Zufall blieb jene von Eger erhalten. Als in derselben Zeit Bauwerke auch europaweit aufgelistet wurden, stellte sich zusätzlich heraus, dass das Minarett von Eger das am nördlichsten gelegene osmanische Bauwerk Europas ist. Damit stellt der Turm die nördliche Grenze dieser Kultur dar und nach diesen Erkenntnissen wurde er natürlich unter strengen Denkmalschutz gestellt. 

Aufstieg:

Um einen herrlichen Ausblick von der Aussichtsplattform des Minaretts von Eger genießen zu können, müssen Besucher zunächst eine Spiraltreppe mit 97 Stufen überwinden. Vor dem Aufstieg sollten Rucksäcke und Taschen unten gelassen werden, da innerhalb des Turms nur sehr wenig Platz zur Verfügung steht. Es ist sicher, wenn man höchstens eine Stufe pro Sekunde hinaufsteigt, da die Gefahr auf dem Sandstein auszurutschen nicht gering ist. Nach einem abenteuerlichen Aufstieg kann anschließend auf der kreisrunden Plattform mit Schutzgitter die Umgebung genossen werden. Die Betreiber des Turmes lassen gleichzeitig nur Kleingruppen von 2-4 Personen hinauf, da es bei den Treppen keinen Platz gibt, um auszuweichen. Daher stehen beim unteren Eingang mehrsprachige Informationsschilder zur Verfügung, wenn eine Wartezeit entsteht.

Aussicht:

Gleich beim Erreichen des oberen Ausgangs erblicken Besucher des Minaretts von Eger eine unvergessliche Aussicht. Im Osten erhebt sich die berühmte Burg Eger, deren Burgmauer und Burggebäude eindeutig sichtbar sind. Etwas weiter südlich können die Spitzen der Kathedrale von Eger gesehen werden und auch in den anderen Himmelsrichtungen sich Häuserdächer und Kirchturmspitzen zu sehen. Sobald der nördliche Teil der Plattform erreicht ist, bietet sich das Bükk Gebirge als Aussicht an. Erst in diesem Moment wird klar, dass dieses ungarische Gebirge durchaus beachtliche Dimensionen hat und die regionale Natur hier vollkommen erblüht.

Zusammenfassung:

Auch wenn im Touristenbüro von Eger das Minarett von Eger als besondere Sehenswürdigkeit empfohlen wird, so macht das Bauwerk mit seiner Höhe genügend Eigenwerbung. Von mehreren Stadteilen aus ist der Turm eindeutig sichtbar und dadurch kommen im Sommer etliche Touristen hierher, um das Bauwerk und die Aussicht zu bestaunen. Einige Gäste fragen immer wieder, ob das Bauwerk sicher sei, die Stadtverwaltung Eger ordnet aber jährlich eine Überprüfung an, um die Sicherheit der Besucher zu garantieren. Der Aufstieg zur Aussichtsplattform ist sicherlich abenteuerlich, insbesondere wenn man bedenkt, dass der damalige Muezzin täglich fünf Mal hinauf und wieder hinuntergerannt ist. Gleichzeitig kann aber auch ein Rundgang auf der Plattform unternommen werden und in diesen Momenten wird klar, welch schöne Aussicht der Muezzin tagtäglich erleben konnte. Vom Zeichen der Unterdrückung ist das Minarett von Eger zum Wahrzeichen der Stadt geworden und als nördlichstes Osmanisches Bauwerk ist es auch ein wichtiges Bauwerk der europäischen Geschichte.

Weitere relevante Informationen

Original Ungarischer Name: Egri Minaret

Adresse: Knézich Károly Utca 4 / 3300 Eger

Geographische Koordinaten: Breitengrad 47.904652 / Längengrad 20.376404 oder 47°54'16.8"N / 20°22'35.0"E

Meereshöhe: 162 Meter

Telefonnummer: +36 7020 2435 3

E-Mail: minareteger@gmail.com

Webseite: http://www.minareteger.hu/

Öffnungszeiten: Das Minarett öffnen seine Pforten am 1. April und hat in diesem Monat von 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr geöffnet. Anschließend ist das Minarett bis zum 30. September bis 18:00 Uhr geöffnet, bis zum 6. November schließt es wiederum um 17:00 Uhr. Danach beginnt die Winterpause bis April. Der Turm ist jeden Tag geöffnet, bei bestimmten Wetterbedingungen wird es geschlossen

Eintritt: Erwachsene 300Ft / Studenten und Senioren 300Ft

Zugang: Das Minarett befindet sich nur wenige Gehminuten vom städtischen Hauptplatz und der Burg entfernt, wodurch eine leichte Erreichbarkeit vorliegt

Informationen: Beschilderungen stehen in Ungarisch und Englisch zur Verfügung, Broschüren und Führungen stehen in weiteren Sprachen zur Verfügung

Karte des Minaretts in Eger


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