Die einzigartige Altstadt von Hollókö in Ungarn

Die historische Altstadt von Hollókö

Eines der berühmtesten Vermächtnisse ungarischer Geschichte ist im ungarischen Komitat Nógrad zu finden. Im kleinen Dorf Hollókö, welches nur knapp 400 Einwohner hat, leben die Menschen ohne besondere Technologie oder Medien. Sie haben sich entschlossen das Erbe ihrer Vorfahren weiterzuführen, indem sie die Gebräuche und Lebensweisen der vergangenen Jahrhunderte praktizieren und leben. Diese Lebensweise wird bis heute so authentisch gelebt, dass die Altstadt von Hollókö zum ungarischen UNESCO Weltkulturerbe ernannt wurde. Die Ernennung resultierte aus insgesamt zwei Faktoren. Einerseits ist die Architektur der Gebäude seit Jahrhunderten praktisch unverändert, andererseits lassen die Einwohner die Traditionen weiterleben, welche im restlichen Ungarn schon seit etlichen Jahrzehnten ausgestorben sind.

Um die Bedeutung der Altstadt von Hollókö zu verstehen, ist es wichtig etwas über die Geschichte des Dorfes zu erfahren. Mitte des 13. Jahrhunderts wurde nach dem verheerenden Mongolensturm auf Ungarn das gesamte Land mit ungarischen Burgen aufgerüstet. Dabei wurde auch die Burg Hollókö errichtet, die zum Schutz der Region dienen sollte. Mit dem Bau der Burg siedelten sich auch Landwirte und Handwerker rund um die Burg an und die Ortschaft Hollókö war geboren. Während der Besatzung der Osmanen bis zum 17. Jahrhundert konnte sich Hollókö nur schwer entwickeln, so wie es auch in vielen anderen ungarischen Städten der Fall war.

Das letzte Drittel des 17. Jahrhunderts brachte aber die Wende und das befreite Hollókö konnte sich nun entfalten. Zu dieser Zeit entstand auch die berühmte Altstadt von Hollókö. Markant für diese Region waren damals dreigeteilte Innenräume von Häusern, die unterkellert wurden und somit eine besondere Funktionalität besaßen. Ein großes Problem stellten aber die Strohdächer der Häuser dar. Immer wieder kam es zu Bränden und im Jahr 1909 brannte die gesamte Altstadt ab. Obwohl der Wiederaufbau die Möglichkeit einer neuen Architektur ermöglicht hätte, entschlossen sich die Einwohner für die Beibehaltung der Bauweise aus dem späten 17. Jahrhundert. Zwei Unterschiede gab es aber dennoch. Die Strohdächer wurden durch Ziegeldächer ersetzt, um Brände zu vermeiden, und Brüstungen aus Brettern wurden als Dekoration zu den Häusern hinzugefügt.

Diese, zumal beeindruckende, architektonische Geschichte ist aber nur einer der Gründe, warum die Altstadt von Hollókö zum Weltkulturerbe gehört. Die Menschen des Dorfes haben sich bei ihrer Lebensweise bezüglich Technik und Fortschritt auf eine besondere Lösung geeinigt. Hollókö wird heute in zwei Ortsteile unterteilt. Einerseits gibt es den neueren Ortsteil, welcher über Geschäfte und moderne Medien verfügt, andererseits ist die Altstadt von alldem unberührt. So scheint es auch bei den Traditionen der Bürger der Altstadt zu sein.

Die Altstadt von Hollókö ist gleichzeitig Heimat vieler Menschen und ein Freilichtmuseum. Die kulturellen Ereignisse werden jährlich angekündigt und jeder ist herzlich Willkommen den Gebräuchen und Traditionen beizuwohnen. Ein besonderes Ereignis findet während der Osterzeit in Ungarn statt. Das begießen ist in Ungarn eine weitverbreitete Tradition, doch in Hollókö werden Mädchen und Frauen nicht mit ein paar Tropfen kölnisch Wasser begossen, sondern gleich mit einem Eimer Wasser. Jeden Sonntag, aber auch an anderen Feiertagen, sind die Männer und Frauen in ihrer Festtagskleidung zu sehen, welche ebenfalls vom Stil aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammt. Für die Menschen hier sind diese Gebräuche keineswegs Möglichkeiten um Touristen anzulocken, sondern das Vermächtnis ihrer Vorfahren.

Bezüglich des Freilichtmuseums in der Altstadt von Hollókö gibt es auch einiges zu entdecken. Wer erfahren möchte, wie man vor 200 Jahren gelebt hat, der sollte das "Erste Haus" besuchen, wo die Einrichtung noch authentisch beibehalten wurde. Das Dorfmuseum klärt über die Kultur und die Geschichte der Stadt auf, während das Postmuseum das Postwesen des Komitates und des ungarischen Königreiches näher bringt. Das Weberhaus verzaubert mit wunderschönen selbstgemachten Textilprodukten, die für die Veranstaltungen genäht werden. Als religiöses Gebäude ist auch die römisch-katholische Kirche zu empfehlen, welche selbstverständlich ebenfalls ihre ursprüngliche Form behalten hat.

Für Gäste in Ungarn ist die Altstadt von Hollókö also ein ganz besonderes Ausflugsziel. Man kann hier nicht nur ein einzigartiges Weltkulturerbe bestaunen, sondern auch noch viele weitere ungarische Sehenswürdigkeiten entdecken. Neben der Altstadt kann auch die legendäre Burg Hollókö besichtigt werden, welche in etlichen Schlachten eine wichtige Rolle spielte. Die natürliche Umgebung des Ortes steht unter Naturschutz, immerhin befindet sich Hollókö innerhalb des Nationalpark Bükk. Den besten Kontrast erlebt man, wenn die Altstadt mit dem modernen Ortsteil verglichen wird, so ist es zum Beispiel möglich die Osterprozession zu erleben und anschließend in einem modernen Café etwas zu trinken. Nicht umsonst wurde die Altstadt von Hollókö zum UNESCO Weltkulturerbe ernannt denn die Menschen, die hier leben, haben etwas geschafft, was sonst auf der Welt kaum irgendwo möglich war: Die Bewahrung der traditionellen Werte trotz moderner Einflüsse in der Umgebung.

Karte der Altstadt von Hollókö