Die erlebnisreiche Eisenbahn von Csömödér

Die berühmte Schmalspurbahn von Csömödér

Einleitung:

In den letzten Jahren und Jahrzehnten ist das Interesse in Ungarn an nostalgischen Eisenbahnen und insbesondere an Schmalspurbahnen sehr gestiegen. Die Möglichkeit eine erholsame und erlebnisreiche Fahrt mit einer der historischen Bahnen zu fahren ist längst nicht nur unter Freunden der Eisenbahn beliebt, sondern auch zum Beispiel unter Familien und Reisegruppen. Im Südwesten Ungarns ist die Csömödéri Eisenbahn zu finden, welche oftmals auch als Csömödér Schmalspurbahn bezeichnet wird. Mit einer Gesamtlänge von 109 Kilometern ist sie die längste ungarische Bahn ihrer Art und im Gegensatz zu vielen anderen Bahnen ermöglicht die Strecke einen Einblick in die Ebenen und Wälder des Westens.

Geschichte:

Der Baubeginn der Csömödéri Eisenbahn leitete im Jahr 1918 einen wichtigen Aufschwung in der regionalen Wirtschaft ein. Damals wurden die Ortschaften Csömödér und Szentpéterfölde miteinander verbunden, damit das lokale Sägewerk der Familie Esterházy mit Holz versorgt werden konnte. Anfänglich zogen noch Pferde die Waggons, ab dem Jahr 1922 wurde eine Dampflokomotive eingesetzt, die von der Mátra Eisenbahn zur Verfügung gestellt wurde. Über die Jahre wurde das Schienennetz ständig erweitert, einen wahren Baurausch erlebte das Gebiet, als 1930 bei Bázakerretye Erdöl gefunden wurde. Somit gehörten zu den wichtigsten transportierten Rohstoffen Rohholz, bearbeitetes Holz und Erdöl.

Mit der Verstaatlichung der Csömödéri Eisenbahn im Jahr 1945 gingen die Ausbauarbeiten nur mäßig voran. 1954 wurden rund 18 Kilometer an Strecken ausgebaut, 1962 wurde die erste Diesellokomotive eingesetzt. Ab dieser Zeit litt die Bahn unter wirtschaftlichem Desinteresse, welches bis in die 1980er Jahre anhielt. Erst ab diesem Zeitraum erkannte man, dass die kleine Bahn immer noch am effizientesten Rohstoffe transportieren konnte. Daher wurden seither regelmäßig die Strecken erneuert oder vollkommen ausgetauscht, damit mehr Güter befördert werden konnten. In dieser Zeit entdeckte auch der ungarische Tourismus die Bahn und die ersten Passagiere wurden zu den einzelnen Stationen befördert. Seitdem wird die Strecke kontinuierlich renoviert und heute sind rund 32 Kilometer der Strecke für Touristen befahrbar.

Heutige Funktion:

Eine wichtige Eigenschaft hinsichtlich des Betriebes unterscheidet die Csömödéri Eisenbahn von allen anderen Schmalspurbahnen des Landes. Sie ist die einzige, die bis heute hauptsächlich Rohstoffe transportiert und nur nebenbei einige Passagiere befördert. Der Holztransport ist weiterhin ein wichtiger wirtschaftlicher Aspekt in der Region, wodurch Passagiere durchaus damit rechnen können, dass bei einzelnen Stationen Waggons mit Holz an den Zug angekoppelt werden. Dennoch eignet sich das Schienennetz ideal, um auch Touristen die Gegend zu zeigen, und eine nostalgische Bahnfahrt zu ermöglichen. Die Bahn bietet daher eine ausgewogene Kombination aus Funktion und Tourismus.

Streckenlandschaft:

In der Wellnessstadt Lenti beginnend verläuft die für Passagiere zugängliche Strecke der Csömödéri Bahn in Richtung Südosten. Von den rund 32 Kilometern wird das erste Drittel der Strecke von Ebenen umgeben. Hier können Besucher zahlreiche Felder sehen, die besonders im Sommer, wenn die angebauten Pflanzen bereits groß gewachsen sind, sehr schön anzusehen sind. Gleichzeitig fährt der Zug auch durch natürliche Felder, bei denen es nicht selten ist, dass Feldhasen und andere Feldtiere entdeckt werden. Die restliche Strecke bahnt sich ihren Weg durch alte Wälder, die auf sanften Hügeln stehen und im Sommer Schatten spenden. Neben majestätischen Laubwäldern sind auch zahlreiche Lichtungen zu sehen, die das Gesamtbild abrunden.

Züge und Waggons:

Für den täglichen Betrieb besitzt die Csömödéri Eisenbahn einige Züge, die sowohl Passagiere, als auch Güter transportieren. Heute steht unter anderem eine Dampflokomotive zur Verfügung, die den Namen Ábel trägt und insbesondere bei Sonderfahrten im Winter verwendet wird um den Besuchern einen historischen Zug zu zeigen. Die neun anderen Züge sind dieselbetrieben und vom Typ C-50. Sie bilden das Rückgrat der Eisenbahn und beeindrucken mit ihrer Leistung trotz ihrer geringen Ausmaße. Für eventuelle Reparaturen stehen auch zwei Mechanikerzüge zur Verfügung, die mit Werkzeug und Ersatzteilen ausgerüstet sind. Damit für Gäste bei jedem Wetter bequeme Plätze zur Verfügung stehen, gibt es 10 Passagierwaggons, von denen die meisten bedacht und einige wenige geschlossen sind.

Stationen:

Damit die Passagiere der Csömödéri Eisenbahn an den gewünschten Orten aus- und zusteigen können, besitzt die Strecke 15 Stationen, an denen gehalten wird. Häufig wird eine Fahrt in Lenti begonnen und bei Kistolmács beendet. Die einzelnen Stationen sind durchaus sehenswert, da man sich in ihrer Nähe die regionalen Sehenswürdigkeiten wie das Sägewerk oder die ehemaligen Ölfelder ansehen kann. Das restliche Netzwerk besitzt heute noch an die 10 Stationen, wegen der Reparaturarbeiten sind diese aus Sicherheitsgründen erst in der Zukunft befahrbar. Der gesamte Streckenverlauf ist natürlich an jeder Station ausgeschrieben.

Sehenswürdigkeiten:

Die gute Verknüpfung zwischen den einzelnen Ortschaften macht die Csömödéri Bahn zu einem idealen Entdeckerzug für Kultur- und Naturfreunde. An der Haltestelle Lenti kann zum Beispiel das Heilbad Lenti oder die städtische Burgruine besucht werden. Bei Bázakerettye stehen nicht nur die alten Bohrtürme, sondern es kann auch ein Arboretum erkundet werden. Kistomálcs besitzt einen herrlichen Kleinsee, der ideal für eine erholsame Pause geeignet ist. Sehr sehenswert ist ebenfalls das Andrássy-Szapáry Schloss, das eine dazugehörige Wassermühle besitzt. In Páka wird die städtische Kirche oftmals erkundet oder einfach die Umgebung genossen. Neben diesen bekannteren Sehenswürdigkeiten sind auch mehrere kleine kulturelle Schätze zu finden, die auf den zweiten Blick gefunden werden können.

Fahrpläne:

Bei den Fahrplänen der Csömödéri Schmalspurbahn müssen Besucher beachten, dass der Holztransport prinzipiell die Fahrten beeinflusst. Das bedeutet, dass die Züge zwar während der Fahrsaison täglich fahren, es jedoch passieren kann, das die Eisenbahn kurz hält, um einen Güterwaggon anzukoppeln. Generell fährt der Zug die gesamte Strecke von Lenti bis Kistolmács vom 27. April bis zum 29. September. Ausnahmen stellen angekündigte Sonderfahrten dar, die zum Beispiel während der Weihnachtszeit stattfinden. Die Fahrten beginnen normalerweise um 8:30 und enden allerspätestens um 18:30. Wenn eine Reisegruppe eine eigene Fahrt buchen möchte, dann kann dies mit der Verwaltung einfach besprochen und organisiert werden.

Zusammenfassung:

Mit ihrer beachtlichen Länge und der herrlichen Landschaft ist die Csömödéri Schmalspurbahn sicherlich eine besondere Attraktion im Südwesten des Landes. Die zahlreichen Stationen mit ihren Sehenswürdigkeiten runden eine entspannende Fahrt ab und bieten einen Einblick in die heimische Fauna und Flora. Auch wenn die Züge noch immer auf den Holztransport spezialisiert sind, wird das Schienennetz immer mehr vom Tourismus modernisiert und mit neuen Programmen erweitert. Zusätzlich werden immer neue Strecken erneuert, damit Besucher in Zukunft die Möglichkeit haben werden, ganz neue Abschnitte kennen zu lernen. Wer die Faszination der Csömödéri Eisenbahn genießen will, der kann während einer Wandertour einfach an einer Station aufspringen und wer nicht unbedingt eine ganze Fahrt unternehmen will, der kann sich das Eisenbahnmuseum ansehen und dort mehr über die Geschichte dieser historischen Schmalspurbahn erfahren.

Karte der Csömödér Schmalspurbahn