Der Elektrotechnikpionier Bláthy Ottó

Der ungarische Erfinder Ottó Bláthy (Transformator)

Mit seiner Passion für die Elektrotechnik konnte Ottó Bláthy letztendlich den Transformator erfinden
Ottó Blathy ermöglichte mit seinem Transformator den modernen Stromtransport und die Haushaltsnutzung von Elektrogeräten (1)
Das erste Modell war zwar experimentell, aber die Folgemodell wurden nur noch marginal optimiert
Der erste Transformator von Bláthy, Zipernowsky und Déri war wegbereitend für zukünftige Transformatorenformen und Komponenten (2)
Für einen Transformator wird nur ein Eisenkern und zwei Leiter aus einem leitenden Material benötigt
Diese Abbildung zeigt die allgemeine Wirkungsweise eines Transformators bei dem eine höhere Spannung in eine niedrigere umgewandelt wird (3)
Transformatoren sind in den verschiedensten Geräten im Haushalt zu finden
Netzteile wie diese sind in jedem Haushalt zu finden, egal ob sie zum Aufladen des Handys oder dem Arbeiten mit dem Laptop dienen (4)

Einleitung:

Elektrizität und elektrische Anwendungen sind für viele Menschen ein gewisses Rätsel. Elektrische Geräte wie Fernseher, Computer und Fahrzeugcomputer funktionieren zwar, aber wie diese Geräte genau arbeiten wissen die meisten Nutzer nicht. Natürlich ist es nicht immer zielführend sich die gesamten Schaltkreise mit den Einzelkomponenten anzusehen wenn man sich die Haare föhnen möchte, aber ein paar wenige Komponenten sollte man sogar als technischer Laie kennen. Einer dieser Komponenten ist der Transformator, ohne den wir heute weder ein flächendeckendes Stromnetz hätten, noch die Möglichkeit Haushaltsgeräte mittels Steckdosen zu nutzen. Diese weltberühmte Erfindung ist auf den ungarischen Wissenschaftler Ottó Bláthy zurückzuführen.

Geschichte:

Ottó Titusz Bláthy wurde am 11. August 1860 in Tata geboren. Er begann seine Ausbildungskarriere in seiner Geburtsstadt und beendete das Gymnasium mit 17 Jahren. Danach interessierten ihn die Mechanik-Wissenschaften und er schrieb sich auf der Wiener Universität ein. 1882 erhielt er sein Diplom und begann in Ungarn für die staatliche Eisenbahngesellschaft zu arbeiten. Zuerst wurde er als Praktikant aufgenommen doch schon bald war er für Skizzen- und Blaupausenfertigungen verantwortlich. Diese Arbeit gefiel Ottó Bláthy aber nicht wirklich, denn er hatte sich seinen Lebensalltag etwas anders vorgestellt. Sein Hauptinteresse lag immer schon in der Elektrotechnik und so begann er sich in diesem Gebiet zu erkundigen.

Ottó Bláthy gab selbst zu, dass er während seines Studiums in Wien praktisch nichts von der Elektrotechnik verstanden hatte und so fing er an mit eigenen Experimenten die physikalischen Grundlagen der Elektrotechnik zu verstehen. Gleichzeitig arbeitete er inzwischen in der Firma Ganz in Budapest, was sich später als großer Vorteil herausstellen sollte. Mit seinen elektrotechnischen Erkenntnissen über Magnetfelder und Gleichströme entwickelte der ungarische Erfinder schon bald verschiedene Geräte, die teilweise weltweit neu waren und nicht einmal von Thomas Edison, dem Vater des Gleichstroms, entdeckt wurden. Besonders seine Arbeiten mit magnetischen Kreisen ermöglichten viele neue elektrotechnische Anwendungsmöglichkeiten.

Die erste Erfindung von Ottó Bláthy ging auf das 1884 zurück, als er einen automatischen Spannungsregulator entwickelte, welcher für Gleichstromdynamos verwendet werden konnte. Italienische Kraftwerke verwendeten damals solche Dynamos und so wurde diese erste Erfindung gleich in mehreren italienischen Kraftwerken eingebaut. Im selben Jahr entwickelte er auch einen Wattmeter, mit dem es endlich möglich war die Leistung von Wechselspannungen zu messen, was vorher technologisch einfach nicht möglich war. Mit den Patentrechten und den Einnahmen konnte sich Ottó Bláthy auf sein nächstes Projekt konzentrieren, welches die gesamte Menschheit verändern sollte und die Stromnutzung im zivilen Bereich für immer revolutionieren sollte.

Im folgenden Jahr entwickelte Ottó Bláthy nämlich zusammen mit Károly Zipernowsky und Miksa Déri den ersten Vorläufer des Transformators. Die Grundidee hierfür wurde bereits oftmals diskutiert, aber diese Herren haben es anschließend geschafft einen echten Transformator herzustellen. Die Idee eines Eisenkerns und der Spulenumwicklung war ein voller Erfolg und auch die Namensgebung von Ottó Bláthy für den Transformator wurde angenommen. In den nächsten Jahren wurde die Firma Ganz ein führender Hersteller für elektrotechnische Komponenten und später auch ein Energielieferer für italienische Städte wie Rom. Da der Transformator mit Wechselstrom funktioniert und in dieser Zeit auch die sogenannten Stromkriege stattfanden, bei denen letztendlich die Wechselstromtechnik gewann, konnte die berühmte ungarische Persönlichkeit weitere Innovationen entwickeln.

In seinen späteren Jahren arbeitete Ottó Bláthy an Wasserkraftturbinen, an elektrotechnischen Komponenten und auch an elektrifizierten Eisenbahnen. Er verbrachte aber auch damit viel Zeit seinen Hobbies nachzugehen wie zum Beispiel dem Radfahren, dem Autofahren und dem Reisen. Er war auch ein begnadeter Schachspieler und veröffentlichte sein Buch Vielzügige Schachaufgaben, bei denen er verschiedene berühmte Schachspiele analysierte. Am 26. September 1939 verstarb Ottó Bláthy und hinterließ mit seinem Lebenswerk ein modernes und elektrifiziertes Europa, das es ohne ihn in dieser Form nie gegeben hätte. Sein Beitrag zur Wissenschaft ist bis heute weltweit unbestritten und daher wird er in den unterschiedlichsten Formen geehrt.

Informationen und Fakten:

Um die Auswirkungen von Ottó Bláthys Transformator vollends verstehen zu können, kann das Prinzip dieses Geräts kurz erläutert werden. Ein Transformator besteht aus einem Eisenkern und zwei Leitern, die separat voneinander im Transformator aufgewickelt sind. Wird jetzt ein Wechselstrom angelegt, so sorgt der magnetische Kreis dafür, dass die Spannung von einem Leiter auf den anderen übertragen wird. Wie viel Spannung übertragen wird hängt aber davon ab wie oft die Leiter im Transformator aufgewickelt wurden. Hat ein Leiter zum Beispiel mehr Windungen aufgewickelt als der andere, so wird aus einer höheren Spannung im ersten Leiter eine niedrigere Spannung im zweiten Leiter.

Anhand eines Beispiels kann die Wichtigkeit des Transformators weiter erläutert werden. Von einem Kraftwerk wird Strom über Hochspannungsleitungen in eine Stadt gebracht. Ein Haushalt mit 230 Volt Anschlüssen kann mit der Hochspannung nichts anfangen, da die Haushaltsgeräte auf 230 Volt eingestellt sind. Daher muss es zwischen dem Haushalt und dem Hochspannungsmast ein Umspannwerk geben, welches mittels Transformatoren die Spannung auf 230 Volt reduziert. Das bedeutet, dass ohne einen Transformator kein einziger Haushalt mit Strom versorgt werden könnte. Es gibt aber auch andere Beispiele für Transformatoren. Aufladekabel von Handys oder Autonavigationsgeräten, die im Zigarettenanzündern angesteckt werden, besitzen alle Transformatoren.

Es ist daher ersichtlich das die moderne Gesellschaft ohne den Transformator von Ottó Bláthy gar nicht vorhanden wäre. Heute gibt es drei hauptsächliche Sektoren, die auf Transformatoren angewiesen sind. Zunächst benötigt der gesamte Energiesektor diese Geräte, um Kunden Strom anbieten zu können. Die zweite Gruppe ist jene der Elektrogeräte. Von Waschmaschinen bis hin zu Ladekabeln sind Transformatoren eingebaut. Auch für die Signalübertragung werden Transformatoren oftmals eingesetzt um digitale Nachrichten übermitteln zu können. Heute wäre ein Leben ohne Transformatoren daher ein Leben ohne Strom in Haushalten oder in wirtschaftlichen Anlagen.

Zusammenfassung:

Somit kann gesagt werden, dass Ottó Bláthy ein großartiger ungarischer Erfinder war, der die gesamte Welt verändert hat und auch die heutigen Generationen von seiner Arbeit profitieren. In Ungarn wurden verschiedene Schulen nach ihm benannt und weltweit sind seine Erkenntnisse in der elektrotechnischen Fachliteratur niedergeschrieben. Sei es ein Umspannwerk oder ein Ladekabel für ein Handy, der Transformator macht ein bequemes elektrische Leben möglich und sorgt auch dafür, das Nutzer von Strom nicht ständig gefährlich hohen Spannungen ausgesetzt sind. Wenn Sie also das nächste Mal ein elektrisches Gerät verwenden, dann wissen Sie, dass Sie das ohne die Erfindung von Ottó Bláthy gar nicht könnten und mit größter Wahrscheinlichkeit könnten Sie ohne ihn nicht einmal diesen Artikel lesen.

Weitere relevante Informationen

Original Ungarischer Name: Bláthy Ottó Titusz

Erfindungen: Transformator / Wattmeter / Turbogenerator

Grabstein: Kerepesi Friedhof Budapest

Biographische Zusammenfassung der Technischen Universität Budapest (Englisch):

http://www.omikk.bme.hu/archivum/angol/htm/blathy_o.htm


Bildquellen und Bildrechte:

(1) Zolika76, 2009, Creative Commons 3.0

(2) Zátonyi Sándor, (ifj.) , 2004, Creative Commons 3.0

(3) Herbertweidner1, 2009, Creative Commons 3.0

(4) Smial, 2006, Creative Commons 3.0

Rechte:

© by www.Urlaub-Ungarn.at (Stand 2014, H)