Das Straßenbahnnetz von Budapest

Die Budapester Straßenbahn (Budapesti Villamos)

Mit fast 200 Kilometern Länge ist das Budapester Straßenbahnnetz eines der längsten der Welt, die ringförmige Anordnung hat ihren Mittelpunkt zwischen der Kettenbrücke und der Erzsébetbrücke
1866 fuhr die erste Straßenbahn der Stadt, 1886 führte das Siemens Unternehmen elektrische Zugsysteme ein
Ein Blick in die Vergangenheit und die Zukunft: Links befindet sich die hochmoderne Combino Straßenbahn, rechts ist der klassische Zug aus den 80ern zu sehen.
Die Haltestellen der Budapester Straßenbahn sind oftmals einfach gehalten, jedoch eindeutig mit einem Straßenbahnsymbol gekennzeichnet

Einleitung:

Straßenbahnen sorgen bei vielen Menschen für eine ganz besondere Faszination. Obwohl sie eigentlich ein reines Verkehrsmittel sind, betrachten sie Besucher in Großstädten als eigene Sehenswürdigkeit, die der jeweiligen Stadt einen besonderen Charme verleiht. Auch die ungarische Hauptstadt Budapest besitzt eine Straßenbahn, noch dazu eines der größten Straßenbahnnetze der Welt. Jeder, der die Stadt bereits besucht hat, kennt die markant gelben Gefährte, die Fahrgäste unkompliziert von einem Ort zum anderen bringen. Neben einer langen geschichtlichen Tradition bildet die Budapester Straßenbahn heute auch zusammen mit der U-Bahn das Rückgrat des öffentlichen Verkehrs.

Geschichte:

Die Geschichte der Budapester Straßenbahn begann im selben Zeitraum wie die Geschichte vieler Straßenbahnen, nämlich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. 1866 wurde die erste Straßenbahnlinie zwischen den Endstationen Újpest und dem Kálvin Platz eröffnet, wobei die damalige Straßenbahn noch von Pferden gezogen wurde. Das neuartige Transportmittel war ein sofortiger Erfolg und etliche Konkurrenzunternehmen bauten weitere Linien, was aber bald zu einem unstrukturierten Netz führte. Als die Konkurrenten zu einem Unternehmen fusionierten, experimentierte das Siemens Unternehmen 1887 mit eigenen elektrischen Straßenbahnen und aufgrund der Konkurrenz in Budapest wuchs das Straßenbahnnetz rasant an, bis es zu einem der führenden Transportnetze in ganz Europa wurde.

Nach dem Ersten Weltkrieg beschlossen die beiden Konkurrenten ein gemeinsames Unternehmen zu starten, wodurch die Budapester Straßenbahn weiter ausgebaut werden konnte. Zur damaligen Zeit wurden auch die Zwillingstriebwagen entwickelt, die damals weltweit einzigartig waren und schon bald von anderen Straßenbahnen übernommen wurden. Nach dem Zweiten Weltkrieg begann die desaströseste Ära der Straßenbahn, als die kommunistische Besatzung begann. Zunächst wurden aus teilweise 70 Jahre alten Waggons und Zügen fahrbare Zugsysteme zusammengebaut, gleichzeitig wurde das System wegen dem Ausbau der Budapester U-Bahn stark vernachlässigt. Erst nach der Wende im Jahr 1989 konnte die Straßenbahn langsam aber stetig renoviert werden, wobei die Arbeiten bis heute andauern.

Aktive Linien:

Heute gehört die Budapester Straßenbahn wieder zu den größten Straßenbahnnetzen der Welt. Mit einer Schienenlänge von fast 200 Kilometer befahren die gelben Züge die Budapester Innenstadt, aber auch äußere Bezirke. Trotz der vielen Linien besitzt die Straßenbahn eine hohe Pünktlichkeit. So fahren die Züge in einem Intervall von durchschnittlich 5-10 Minuten, zu Hauptverkehrszeiten sogar häufiger. Generell fahren die Straßenbahnen zwischen 4 Uhr und 24 Uhr, wobei die genauen Fahrtzeiten von der jeweiligen Linie abhängen. Da die meisten Stationen überirdisch sind, sind die Haltestellen einfach gehalten, genauso wie es bei Bushaltestellen oder Óbushaltestellen ist.

Insgesamt besitzt die Budapester Straßenbahn 31 aktive Linien, die Personen schnell durch den Stadtverkehr bringen. Die Linien sind Nummeriert und werden manchmal mit dem Zusatzbuchstaben A zusätzlich benannt. Hierbei ist aber zu beachten, dass nicht jede Nummer genutzt wird. Die Linienbezeichnung beginnt bei 1 und endet bei 69. Der Grund für die nicht fortlaufende Nummerierung ist jener, dass viele Linien aus der Sowjetzeit stillgelegt wurden, da sie derzeit unrentabel sind. Die Linien sind in Budapest ringförmig verteilt, ähnlich wie das Autobahnsystem des Landes. Von den 31 Linien sind zwei für Touristen am relevantesten, diese sind die Linie 4 und die Linie 6, die an vielen Budapester Sehenswürdigkeiten vorbeifahren.

Geplante Linien und Erneuerungen:

Die Betreiber der Budapester Straßenbahn haben die Vision die städtische Straßenbahn wieder in einen der führenden Nahverkehrsanlagen der Welt zu verwandeln. Damit diese Vision auch Wirklichkeit wird, arbeitet das Unternehmen seit 1990 in insgesamt zwei Arbeitsgebieten. Das erste Arbeitsgebiet ist die Instandhaltung und Erneuerung der aktuell bestehenden Linien. Einerseits werden die Schienen und die Stromversorgungen ständig modernisiert, andererseits werden auch neue Zugsysteme eingesetzt. Seit einigen Jahren fahren auf den Linien 4 und 6 die neuen Combino Fahrzeuge der Marke Siemens. Diese Züge sind nicht nur hochmodern, sicher und vollautomatisiert, sondern sie sind auch vollklimatisiert und tiefer gelegt, damit auch gehbehinderte Menschen leicht ein- und aussteigen können. Noch dazu sind die Züge mit 54 Metern die längsten Straßenbahnzüge der Welt.

Das zweite große Arbeitsgebiet an der Budapester Straßenbahn ist der Bau neuer Linien, beziehungsweise die Reaktivierung alter Straßenbahnlinien. In Budapest gibt es 35 Linien, welche teilweise oder ganz stillgelegt worden sind. Diese Linien wurden in der sowjetischen Ära so minderwertig errichtet und betrieben, dass die Nutzung heute ein zu großes Risiko dargestellt hätte. Während vorrangig bestehende Linien ausgebaut werden, überlegt sich die Stadtverwaltung zusätzlich immer wieder, welche Linien wieder repariert werden sollten, damit der Stadtverkehr weiter entlastet werden kann. Falls eine solche Entscheidung getroffen wird, dann werden die betreffenden Linien sofort auf den Stand des 21. Jahrhunderts gebracht und auch mit den Combino Zügen ausgestattet.

Nutzbarkeit und Preise:

Wegen des großen Liniennetzes der Budapester Straßenbahn werden die einzelnen Linien nicht nur von Einheimischen genutzt, sondern auch von Touristen, die sich in der Landeshauptstadt befinden. Insbesondere die Linien 4 und 6 sind für Gäste am wichtigsten und daher werden diese Strecken bereits von den vollklimatisierten Zügen befahren. Auf den meisten anderen Linien gibt es in den Zügen noch keine Klimaanlage, was bei einer kurzen Reisedauer aber nicht auffällt. Die Auslastung liegt im mittleren Bereich, zu Stoßzeiten kann es aber etwas eng werden, diese finden aber nur um 8 und 16 Uhr statt.

Das Ticketsystem der Budapester Straßenbahn ist das gleiche wie für das Bussystem und die U-Bahn. Tickets kosten für eine Stunde 350 Forint, was rund 1,30 Euro entspricht und somit sehr günstig ist. Tickets müssen entweder in einer U-Bahn Station, in einem Kiosk, an Automaten oder in einer Trafik gekauft werden. Hier gibt es mehrere Ticketpakete, die auch sehr touristenfreundlich sind. Ein Ticket wird bei der Straßenbahnfahrt innerhalb des Zuges entwertet und gilt ab dann für die betreffende Zeit. Das Schwarzfahren lohnt sich auf keinen Fall, da regelmäßig Kontrollen durchgeführt werden und bei einem fehlenden Ticket hohe Geldstrafen verhängt werden, die vor Ort bezahlt werden müssen.

Zusammenfassung:

Es ist also verständlich, warum die Budapester ihre Straßenbahn lieben und sie häufig benutzen. Neben den vielen Linien und der langen Geschichte ist dieses Budapester Verkehrsmittel einer der einfachsten Möglichkeiten, um kurze und mittlere Strecken zu überwinden. Noch dazu kann von einem Fensterplatz aus einiges entdeckt werden und bis auf die Stoßzeiten sind die Straßenbahnen auch nicht überfüllt. Bis die Budapester Straßenbahn wieder einer der führenden Straßenbahnen werden wird, werden noch ein paar Jahre vergehen, jedoch sind bereits heute etliche Modernisierungen zu sehen, wobei viele Gäste immer noch mit der nostalgischen und nicht klimatisierten Straßenbahn fahren möchten, einfach um ein Stück Vergangenheit erleben zu können. Egal mit welchem Zugtyp man fährt, das Erlebnis wird in beiden Fällen ein Besonderes werden.

Weitere relevante Informationen

Anzahl der Linien: Derzeit stehen Fahrgästen 31 Straßenbahnlinien zur Verfügung, mit denen die Budapester Innenstadt und einzelne äußere Bezirke erreicht werden können

Vorteile gegenüber anderen Verkehrsmitteln: Die Straßenbahn besitzt ein flächendeckendes Netzwerk, über welches kurze und mittlere Distanzen sehr einfach überbrückt werden können

Betriebszeiten: Die Straßenbahn fährt durchschnittlich von 04:00 Uhr bis 24:00 Uhr

Sicherheit: Modernere Züge besitzen Kamerasysteme, doch auch auf anderen Straßenbahnen sind Zwischenfälle unüblich

Preise: Eine Kurzfahrkarte kostet 350Ft und kann für eine Fahrtrichtung in einem Zeitraum von 60 Minuten genutzt werden. Die am häufigsten genutzten Tickets sind jene im 10er Block für 3000Ft Forint, welche für eine beliebige Länge in eine Richtung gültig sind. Bitte erkundigen Sie sich auf der Webseite oder am Schalter bezüglich des besten Tickets, um Missverständnisse zu vermeiden

Kaufort der Karte: Tickets können nur in Trafiken, Kiosken, an Schaltern in der Station und an Ticketautomaten bei den Stationen erworben werden

Entwertung der Karte: Die Entwertung des Tickets erfolgt immer innerhalb der Straßenbahnen an den Entwertungsautomaten

Pünktlichkeit: Generell weist die Straßenbahn eine hohe Pünktlichkeit auf, an einigen Stationen informieren Bildschirme darüber, wann die nächsten Straßenbahnen eintreffen

Problembehandlung: Bei Problemen stehen die Angestellten an den Ticketschaltern zur Verfügung


Bildquellen und Bildrechte:

(1) Szórádi Balázs, 2012, Creative Commons 3.0

(2) Sóhivatal, 2007, Public Domain

(3) Péter Bóna, 2006, Creative Commons 3.0

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