Die beeindruckende Budapester Matthiaskirche

Die Matthiaskirche (Mátyás templom)

Mit ihrer Architektur gehört die Matthiaskirche zu den berühmtesten Bauwerken des Burgviertels und wird jährlich von hunderttausenden Touristen besucht (1)
Der neogotische Stil wurde durch Frigyes Schulek realisiert, der unter anderem auch die Fischerbastei entworfen hat (2)
Der imposante Glockenturm besitzt eine Höhe von 74 Metern und überragt damit weite Teile der Umgebung (3)
An wolkenlosen Tagen erstrahlen die Dachziegel in ihrer orangen Grundfarbe und verleihen dem Gebäude eine besondere Extravaganz (4)

Einleitung:

Das Budapester Burgviertel gehört schon seit Jahren zu den beliebtesten Touristenorten in Budapest. Epochale Bauwerke wie der Budaer Burgpalast oder die Fischerbastei besitzen einen unschätzbaren geschichtlichen und architektonischen Wert. Unter den religiösen Gebäuden ist die Matthiaskirche sicherlich die berühmteste Kirche des Viertels, viele Menschen sagen aber, dass sie sogar die berühmteste Kirche der gesamten Stadt ist. Am Dreifaltigkeitsplatz stehend beeindruckt dieses Monument nicht nur mit einer imposanten Größe, sondern auch mit einer außerordentlich schönen Außen- und Innenarchitektur. Zusätzlich berichtet die Geschichte der Matthiaskirche über die Entstehung des Burgviertels, die Entwicklung von Budapest und den Wandel der ungarischen Aristokratie.

Geschichte:

Inzwischen sind sich mehrere Experten darüber einig, dass die Matthiaskirche im Jahr 1015 von König Stephan I. in Auftrag gegeben wurde, wobei sie damals noch als Marienkirche bezeichnet wurde. Frühe Dokumente weisen auch darauf hin, dass hier der Heilige Gellért begraben wurde, nach dem der heutige Gellért Berg benannt ist. Im 13. Jahrhundert wurde die Kirche von den Tataren vollkommen verwüstet und König Béla IV. beauftragte Architekten damit eine neue Liebfrauenkirche auf dem alten Fundament zu errichten. Spätestens die Krönung von Karl Robert von Anjou im Jahre 1309 ließ die Kirche europaweit bekannt werden.

Aus der romanischen Matthiaskirche sollte unter Ludwig dem Großen eine gotische Kirche werden, wodurch die Grundstruktur zwar erhalten blieb, die Kirche aber stark erweitert wurde. In den folgenden Jahrhunderten wurden mehrere Modifikationen durchgeführt, die von den jeweiligen Königen angeordnet wurden. Mal wurde ein Kirchenschiff erweitert, Mal eine Kapelle eingerichtet, um den Wünschen des jeweiligen Regenten zu entsprechen. Der Name Matthiaskirche wurde von König Matthias Corvinus geprägt, der das Bauwerk großzügig erweitern ließ. Im 16. Jahrhundert brannten die einfallenden Osmanen die Kirche vollkommen nieder, wodurch unschätzbare Kunstwerke verloren gingen. Daraufhin wurde das Gebäude in die Moschee von Büjük umgewandelt und bis zur Rückeroberung Ungarns war dieses Gebäude fortan die Hauptmoschee der Stadt.

Ab dem Jahr 1690 erhielt ein Jesuitenorden die Matthiaskirche zurück und verwaltete diese für mehrere Jahrzehnte. In diesen Jahren schadeten Stadtbrände und Witterungen der Kirche, weshalb 1874 eine Großrestauration beschlossen wurde. Der berühmte Architekt Frigyes Schulek erhielt diese wichtige Aufgabe und plante das Bauwerk in seinem Stil, der bis heute erhalten geblieben ist. Während dem Zweiten Weltkrieg wurde insbesondere das Kirchendach schwer beschädigt und auch nach dem Krieg war es fast unmöglich das Aussehen des Daches wiederherzustellen. Die letzten großen Renovierungen fanden im frühen 21. Jahrhundert statt, bei denen das ursprüngliche Gebäude von Frigyes Schulek wiederhergestellt wurde. Das Ziel dieser Arbeiten war es die Matthiaskirche bis zu ihrem 1000 Jährigen Jubiläum im Jahr 2015 zu restaurieren, um ihr ihren ursprünglichen Glanz wieder zu geben.

Außenarchitektur:

Die Außenfassade und die Türme der Matthiaskirche können heute eindeutig der Gotik zugeordnet werden. Die Westseite des Gebäudes wird vom Haupteingang und dem Glockenturm dominiert. Nur wenige Meter weiter kann die Südseite der Kirche bestaunt werden, die erst offenbart, aus wie vielen Türmen der Bau besteht. Die gotischen Fenster mit handgefertigten Glaselementen nutzen das Licht der Sonne, um den Innenraum zu wärmen. Die strahlenden Dachziegel aus feinster Zsolnay Keramik sind an wolkenlosen Tagen aus mehreren Kilometern Entfernung sichtbar und bilden ein wunderschönes Muster.

Innenarchitektur:

Beim Betreten der Matthiaskirche werden jene Kunstwerke, Skulpturen und Innenwände sichtbar, deren Wert heute längst nicht mehr mit Geld festgelegt werden kann. Der Blick wandert sofort zum Hauptaltar im Osten, der von Frigyes Schulek entworfen wurde und sich dem Leben Marias widmet. An den erhabenen Säulen sind mehrere Fahnen befestigt, die bei der Krönung von Franz Joseph von den europäischen Kronländern mitgebracht wurden. Die Decken und Wände sind reich mit Blattgold verziert und erzeugen ein goldenes Ambiente. Die Decke der Kirche lässt erahnen, wo die einzelnen Türme platziert sind.

Im nördlichen Bereich der Matthiaskirche sind einige der Erweiterungen der Könige zu finden. In den Béla Sälen steht zum Beispiel das Grab von König Béla III. und auch die Emmerich Kapelle erstrahlt in ihrem ursprünglichen Glanz. Gleich daran angeschlossen können Besucher den Saal der Malteser Ritter entdecken, bei dem auch die Königstreppe steht. Unterhalb der Kirche befindet sich die Unterkirche, deren Säulen in perfektem Weiß erstrahlen, während die Südseite zum Beispiel das Marientor präsentiert. Wegen der besonderen Bedeutung hat die Kirchengemeinde beschlossen, dass innerhalb der Matthiaskirche auch zahlreiche Exponate ausgestellt und beschriftet werden, um die Architektur mit zahlreichen Informationen zu ergänzen.

Nutzung durch die Gemeinde:

Auch wenn die Matthiaskirche eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten von Budapest ist, so ist sie primär weiterhin der Sitz der hiesigen Kirchengemeinde. Zwischen dem ungarischen Tourismus und den Gemeindemitgliedern wurde der Kompromiss geschlossen, dass Besucher die Kirche besichtigen können, wenn Gottesdienste und Messen ungestört abgehalten werden können. In den vergangenen Jahren hat dieses Konzept sehr gut funktioniert wodurch die Gemeinde auch immer wieder zu Gottesdiensten einlädt. An besonderen Feiertagen ist die Kirche manchmal geschlossen, jedoch wird dies immer rechtzeitig angekündigt. Zusätzlich zur religiösen Aktivität finden innerhalb der Gemeinde auch zahlreiche Programme statt, die sich Gäste bei Gelegenheit nicht entgehen lassen sollten.

Programme:

Die Musik spielt in der Gemeinde der Matthiaskirche eine traditionelle Rolle, weshalb über das gesamte Jahr Musiker eingeladen werden, um die Kirche für ein Konzert zu nutzen. Neben klassischen Orchestern und Chören nutzen begabte Musiker auch die anspruchsvolle Kirchenorgel, um die Akustik des Gebäudes auszuschöpfen. Zusätzlich gibt es für werdende Ehepaare auch die Möglichkeit, um eine Traumhochzeit innerhalb des Bauwerkes zu feiern. Zu saisonalen Zeiten wie Weihnachten oder Ostern gibt es kleine Märkte, die selbstgemachte Erzeugnisse anbieten. Nicht zuletzt zeigen all diese Programme, dass das Gemeindeleben in der Matthiaskirche lebendiger ist als jemals zuvor.

Zusammenfassung:

Es kann durchaus gesagt werden, dass die Matthiaskirche ein zentraler Aspekt des Burgviertels ist. Die Spitze des Glockenturms kann von diversen Regionen Budapests entdeckt werden und wenn man direkt vor der Kirche steht, wird die Monumentalität erst ersichtlich. Mit einer rund 1000 Jährigen Vergangenheit ist dieses Gebäude ein Ort der ungarischen Geschichte und der Kultur. Die architektonischen Wandlungen und der Zubau von neuen Räumen zeigen, welche Stile gerade in Mode waren und welche Präferenzen die jeweiligen Regenten hatten. Die Matthiaskirche wurde in der Vergangenheit mehrmals zerstört, doch die Gemeinde hat sie immer wieder aufgebaut, damit sie heutzutage jährlich von über einer Million Besuchern bestaunt werden kann. Die damalige Liebfrauenkirche symbolisierte für lange Zeit die Standhaftigkeit der katholischen Kirche in Ungarn, doch jetzt ist sie eine kulturelle Schatzkammer, über deren Eigenheiten und Merkmale man ohne Mühe ein gesamtes Buch verfassen könnte.

Weitere relevante Informationen

Original Ungarischer Name: Mátyás Templom

http://www.matyas-templom.hu/ger/index1.html

Öffnungszeiten: Die Kirche ist an Werktagen zwischen 09:00 - 17:00 Uhr geöffnet, am Samstag zwischen 09:00 - 12:00 Uhr und am Sonntag zwischen 13:00 - 17:00 Uhr. Besondere Öffnungszeiten aufgrund von Veranstaltungen sind auf der Webseite beschrieben

Eintritt: Erwachsene 1400Ft / Studenten und Senioren 1000Ft

Zugang: Die Matthiaskirche befindet sich inmitten des Burgviertels wodurch die Erreichbarkeit zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln exzellent ist. Mit dem eigenen Fahrzeug ist es jedoch nicht möglich ohne Genehmigung in das Viertel zu gelangen

Informationen: Beschilderungen stehen in Ungarisch und Englisch zur Verfügung, Broschüren und Führungen stehen in weiteren Sprachen zur Verfügung

Karte der Budapester Matthiaskirche

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