Das Csontváry Tivadar Museum in Pécs

Das Tivadar Kosztka Csontváry Museum in Pécs

Einleitung:

Die europäische Kulturhauptstadt Pécs ist nicht nur ein Zentrum der beeindruckenden Bauwerke, sondern auch die regionale Hauptstadt der Museen und Kunstausstellungen. Von geschichtlichen Sammlungen bis hin zu Ausstellungen einzelner Künstler ist hier alles zu finden. Ein Vertreter des Postimpressionismus und des Expressionismus ist das Tivadar Kosztka Csontváry Museum, welches häufig auch nur als Csontváry Museum bezeichnet wird. Das Museum widmet sich einer der berühmtesten ungarischen Künstler dieser Kunstperioden, der zwar zu Lebzeiten nie wirklich gewürdigt wurde, nach seinem Tod aber zu einem internationalen bekannten Künstler ernannt wurde. Neben zahlreichen Zeichnungen und Grafiken können Besucher mit den ausgestellten Informationen auch einiges über das Leben von Tivadar Csontváry erfahren.

Geschichte:

Beim Csontváry Museum handelt es sich landesweit um ein sehr junges Museum, das aufgrund der geschichtlichen Entwicklungen vielleicht nie zustande gekommen wäre. Nachdem Herr Csontváry 1919 verstarb, wurden seine Kunstwerke zur Auktion freigegeben. Bevor die Bilder aber versteigert werden konnten kaufte ein Architekt namens Gedeon Gerlóczy die Sammlung auf. Somit blieben die Werke zusammen und mit der allmählichen internationalen Bekanntheit wurde beschlossen zu Ehren des Künstlers ein Museum in Pécs zu eröffnen. Im Jahr 1973 eröffnete das Csontváry Museum seine Pforten und schon im ersten Monat sahen sich über 20.000 Menschen die Ausstellung an.

Allein das Gebäude des Csontváry Museums war eine Attraktion, da das barocke Großgebäude früher von der Vereinigung für Wissenschaftliche Wissensvermittlung (TIT) genutzt wurde. Wegen der großen Beliebtheit wurde das Museum schon 1983 neu organisiert, wobei die Umbauarbeiten etwas Zeit ließen, um die Werke des Künstlers besser konservieren zu können. In den ersten Jahren nach der Wende wurde Tivadar Csontváry so berühmt, dass die Museumsausstellung ab 1994 in mehreren europäischen Städten ausgestellt wurde wie zum Beispiel in Stockholm, München oder Rotterdam. Im Jahr 2003 wurde die Ausstellungslizenz für mehrere Jahre verlängert und seitdem können die Werke des Postimpressionisten im Zentrum von Pécs betrachtet werden.

Tivadar Csontváry:

Nach heutiger Ansicht zählt Tivadar Kosztka Csontváry sicherlich zu den bedeutendsten ungarischen Künstlern des Impressionismus und des frühen Expressionismus. Er wurde am 5. Juli 1853 in Kisszeb geboren, was heute in der Slowakei liegt. In seiner ersten Lebenshälfte war er Apotheker und hatte mit dem Kunstgewerbe keine große Verbindung. Mit 41 Jahren erhielt er nach eigenen Angaben eine Eingebung und er konzentrierte sich fortan nur noch auf die Kunst. Er bereiste zahlreiche Länder Europas und des Nahen Ostens und erhielt dadurch etliche Impressionen, die sich in seinen Werken widerspiegeln. Im Jahr 1894 entstanden bereits seine ersten Ölbilder, jedoch konzentrierte er sich nicht nur auf diese  eine Kunstart.

In seinen letzten Jahren kreierte Csontváry beeindruckende Gemälde, die teilweise über sieben Meter lang waren. Trotz seiner Stilrichtung und seinem Einsatz von expressionistischen Farben wollte ihn niemand als großen Künstler anerkennen. Vor seinem Tod litt er sogar an Schizophrenie und starb anschließend verarmt im Jahr 1919 in Budapest. Erst nach seinem Tod erkannten immer mehr Menschen sein Genie in seinen weniger als 100 Kunstwerken. Sogar Picasso soll gesagt haben, dass Csontváry einer der großen Künstler seiner Zeit war. Nach der Rettung vor der Versteigerung wurden seine Werke gesammelt und in Ehren dieses großen ungarischen Künstlers wurde das Csontváry Museum feierlich eröffnet.

Kunstrichtung:

Viele Besucher haben sich die Ausstellung im Csontváry Museum angesehen und nur die wenigsten konnten sich auf eine Stilrichtung einigen. Sogar Kunstexperten müssen mindestens 5 Kunstrichtungen erwähnen, um die Malereien zu spezifizieren. Generell handelt es sich bei seinen Werken um eine Kombination aus den Expressionismus, dem Postimpressionismus, dem Kubismus, dem Surrealismus und des Realismus. Ein wiederkehrendes Element sind seine Erfahrungen aus seiner Reisezeit. Für Landschaftsmalereien nutzte er oftmals griechische und italienische Motive, aber auch heimische. Die Gemälde sind reich an Details und schaffen es die Grenzen des Impressionismus und des Expressionismus verschmelzen zu lassen, was ein völlig neuartiges Ambiente erschafft.

Viele Bilder im Csontváry Museum sind für ihre kräftigen Farben bekannt. Dieses Element ist typisch für den Expressionismus, jedoch verweisen die Geometrien und Symmetrien wiederum auf andere Kunstrichtungen. Ein Beispiel ist das Werk "Die Römische Brücke von Mostar" aus dem Jahr 1903, das einerseits eine akkurate Zeichnung der Brücke ist, andererseits die umliegenden Gebäude sofort wieder in Richtung Kubismus verweisen. Das berühmteste Bild von Csontváry wurde im Jahr 2006 für 1 Million Euro verkauft, welches den Titel "Rendezvous" trägt. In den letzten Jahren wurde das Museum auch von zahlreichen Kunstkritikern aus dem Ausland besucht, die vergeblich versuchten die Richtung des Künstlers zu definieren.

Ausstellung:

Mit dem geräumigen Museumsgebäude ermöglicht das Csontváry Museum ein außergewöhnliches kulturelles Erlebnis. In den einzelnen Ausstellungsräumen stehen nicht nur die Kunstwerke von Csontváry, sondern auch frühe Skizzen, Graphiken und nie offiziell veröffentlichte Zeichnungen. Die weiten Räumlichkeiten sind für viele der Kunstwerke notwendig, da der Künstler zwar etwas unter 100 Kunstwerke kreierte, diese jedoch teilweise mehrere Meter hoch und lang sind. Insbesondere die Landschaftsmalereien können teilweise eine Viertelstunde betrachtet werden und Gästen fallen dennoch weitere kleine Details auf. Um die Werke optimal genießen zu können sind die Zeichnungen modern ausgeleuchtet und es gibt an zahlreichen Stellen Sitzmöglichkeiten, um sich etwas auszuruhen, oder um sich die Bilder in Ruhe anzusehen.

Neben den Gemälden präsentiert das Csontváry Museum auch eine abwechslungsreiche Biographie des Künstlers. Von seiner frühen Kindheit an wird fachlich erläutert, wie der Wandel vom Apotheker zum Künstler stattfand. Neben seiner Zeichentätigkeit veröffentlichte Csontváry auch Romane und schrieb sogar Drehbücher. Diese können ebenfalls betrachtet und mit den angefügten Informationen interpretiert werden. Ebenfalls sehr interessant sind die Zeitleisten die den Aufenthaltsort seiner Werke erläutern und zusammenfassen, welche berühmten Persönlichkeiten die Kunstwerke in den vergangenen Jahrzehnten bereits gesehen haben. Seine Persönlichkeit spiegelt sich vielleicht im Werk "Die Einsame Zeder" wider, wobei dies nur eine theoretische Interpretation ist.

Zusammenfassung:

Mit Kunstwerken, die bis heute nur schwer eingeordnet werden können, ist das Csontváry Museum sicherlich ein interessanter Ort für Kunstexperten, aber auch für Laien der Kunst, die sich die Vielfalt der Bilder ansehen möchten. Das Museum ist vom Dom oder vom Zsolnay Museum nur wenige Meter entfernt, wodurch es inzwischen zu einer sehr beliebten Sehenswürdigkeit von Pécs entwickelt hat. Sowohl an regnerischen Tagen, als auch in den Sommermonaten wird das Vermächtnis von Tivadar Csontváry gerne betrachtet. Vielleicht hätte sich seine Kunst anders entwickelt, wenn er schon zu Lebzeiten berühmt geworden wäre, jedoch steht fest, dass er heute einer der berühmtesten Vertreter des Postimpressionismus in Ungarn ist. Um sich für immer an den "einsamen Giganten" der heimischen Kunst zu erinnern, wird das Erbe von Csontváry im Csontváry Museum für lange Zeit mit Stolz präsentiert werden.

Karte des Csontvary Museums

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