Das Zsolnay Keramik Museum in Pécs

Das Zsolnay Museum in Pécs

Einleitung:

Das 19. Jahrhundert war für die Ungarn die Zeit der großen Erfinder und Künstler, die teilweise Weltruhm erlangten. Im Kunstbereich war unter anderem die Zsolnay Keramik bekannt, die eine Fusion aus Technologie und Design schaffte und schon bald von jedem erworben wurde, der eine exklusive Marke besitzen wollte. Das ungarische Zentrum der Zsolnay Keramik ist Pécs und daher können Besucher das Zsolnay Museum besichtigen, und einiges über die Familie Zsolnay, die Entwicklung der Keramikverfahren und den Aufstieg der Keramikmarke in Erfahrung bringen. Zusätzlich befindet sich das Museum in einem historischen Gebäude, welches sogar landesweit einen Rekord hält.

Geschichte:

Der Ursprung des Zsolnay Museums geht auf das Jahr 1928 zurück, als die Familie Zsolnay zu Ehren des 100-jährigen Jubiläums ihres Vorfahren Vilmos ein Museum gründeten. Die Ausstellung umfasste damals schon mehrere Tausend Keramikobjekte, die jedoch in der Manufaktur selbst ausgestellt wurden. Das Museum besaß eine große Popularität und so wurden immer mehr Objekte ausgestellt. Nach dem 2. Weltkrieg wurde sowohl die Kollektion als auch die Manufaktur 1948 verstaatlicht und drei Jahre später übergab man die Museumsstücke dem Janus Pannonius Museum. Über die Jahre kamen noch weitere Exponate wie Dokumente und Fertigungsverfahren zur Sammlung dazu und in diesen Jahren wurden die Keramikobjekte bereits in der Káptalan Straße 2 ausgestellt, wo sie bis heute geblieben sind.

Nach der Wende im Jahr 1990 konnte die Zsolnay Manufaktur ihren Betrieb wieder traditionsgemäß aufnehmen. Aus einer sowjetisch orientierten Billigproduktpalette wurde wieder eine Auswahl an edlen Keramikprodukten präsentiert und gleichzeitig erhielt auch das Zsolnay Museum wieder neue Ausstellungsstücke. Die letzte große Erneuerung wurde kurz vor dem Jahr 2010 durchgeführt, da Pécs damals zur Kulturhauptstadt 2010 ernannt wurde. Das Gebäude wurde im Inneren komplett renoviert und auch das Museum wurde modernisiert und verschönert. Heute steht es weiterhin in der Káptalan Straße und bietet einen kleinen Vorgeschmack auf das Zsolnay Keramikviertel im Osten der Stadt.

Museumsgebäude:

Obwohl das Gebäude des Zsolnay Museums eher unscheinbar wirkt, so besitzt es eine sehr interessante Geschichte. Mit einer ersten schriftlichen Erwähnung im Jahr 1324 ist dieses Bürgerhaus bereits über 650 Jahre alt. Diese These wird dadurch bestätigt, dass in den 1950-er Jahren Ausgrabungen stattfanden, und innerhalb und unterhalb des Gebäudes etliche mittelalterliche Elemente entdeckt wurden. Eine landesweite Sensation ließ das Haus berühmt werden, als Zsigmond Hámpo im Jahr 1476 die erste öffentliche Bibliothek des Landes eröffnete. Diese völlig neuartige Methode Bücher zu erhalten verbreitete sich schon bald im ganzen Land und Menschen aus dem gesamten Königreich kamen nach Pécs, um sich das Prinzip einer öffentlichen Bibliothek näher anzusehen.

Oftmals erwähnt wurde das Haus vom Zsolnay Museum auch in der Zeit, als die Osmanen über Ungarn herrschten. Damals wohnte nämlich der Oberpriester von Pécs in diesem Gebäude und aufgrund seiner Bedeutung wusste jeder, wo sich das Haus befand. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das Janus Pannonius Museum hier untergebracht und mit der Zsolnay Ausstellung war das Gebäude schon bald wieder in der ganzen Stadt bekannt. Im Rahmen der Vorbereitungen auf die Feierlichkeiten der Kulturhauptstadt wurde das Innere des Gebäudes sorgfältig restauriert und die Innenarchitektur an den exquisiten Stil der Keramikobjekte angepasst.

Zsolnay Keramik:

In Europa gehörte Porzellan zu einem der Edelsgüter des 19. Jahrhunderts. Adelsfamilien und Kaufleute erwarben Geschirr und Kunstwerke von den besten Manufakturen des Landes, um ihren Status zu steigern. Innerhalb Ungarns gab es zwei bedeutende Manufakturen, die einerseits Herender Porzellan herstellten und andererseits Zsolnay Keramik produzierten. Vilmus Zsolnay gelang der Durchbruch um das Jahr 1890 herum, als er für die Keramikherstellung ein neues Glasurverfahren entwickelte, dass er als Eozin bezeichnete. Gleichzeitig besaßen die weiblichen Mitglieder der Familie ein außerordentliches Gespür für Kunst und Design und diese Faktoren sorgten dafür, dass die Zsolnay Manufaktur schon bald auf dem europäischen Kontinent und in den Vereinigten Staaten von Amerika bekannt war.

Die Zsolnay Keramik gewann mit Leichtigkeit internationale Preise in Paris, London und auch in Übersee und wer kein Zsolnay Porzellan besaß konnte sich auch nicht als wahren Edelsmann bezeichnen. Mit der Entstehung des Zsolnay Museums konnten vor dem 2. Weltkrieg zahlreiche Unikate gerettet werden, da diese im Krieg wahrscheinlich für immer verloren gegangen wären. Auch in der Zeit der kommunistischen Besatzung produzierte die verstaatlichte Manufaktur Billigprodukte, die nicht einmal die ungarischen Bürger erwerben wollten. Seit der Wende konnte das Unternehmen aber wieder privatisiert werden und die Zsolnay Keramik ist in Ungarn wieder eine Designermarke und auch im Ausland wächst das Interesse an Dachziegeln, Geschirr und Kunstwerken aus dem Hause Zsolnay.

Ausstellung:

Im heutigen Zsolnay Museum können Besucher insgesamt drei Aspekte der Marke Zsolnay kennen lernen. Ein besonderer Schwerpunkt wurde zunächst auf die Kunsterzeugnisse der Manufaktur gelegt. In den modernen Museumsräumlichkeiten entdeckt man Porzellanstücke, Kamine aus Keramik, Kunstwerke, die damals Straßen verschönert haben, Privataufträge von wohlhabenden Kunden, Schmuckstücke und vieles mehr. Wunderschön ist die Farbenvielfalt der einzelnen Ausstellungsstücke. Neben einem oftmals vorhandenen Grünton erstrahlen Vasen, Keramikblumen und Halsketten in den hellsten Farben, die der Eosin-Beschichtung zu verdanken sind. Zeitgleich könnte man jedes Ausstellungsstück minutenlang ansehen, da die Handarbeit und das Detail bei jedem einzelnen Werk zu sehen ist.

Neben den Kunstobjekten widmet sich das Zsolnay Museum auch der Geschichte der Familie Zsolnay und der Manufaktur. Von den frühen Anfängen im 19. Jahrhundert bis hin zur Weltberühmtheit im beginnenden 20. Jahrhundert wird die Manufakturgeschichte anhand von Zeichnungen, Photographien und Modellen erklärt. Zu jedem geschichtlichen Abschnitt gibt es auch zeitgenössische Beispiele für Produkte wie zum Beispiel Dachziegel oder Kunstobjekte. Der Familie Zsolnay selbst ist eine Räumlichkeit gewidmet, in der Möbel und persönliche Gegenstände ausgestellt sind. Dieser Raum dient als Gedenkort, um immer in Erinnerung zu halten, welche Familienmitglieder aus einer kleinen Manufaktur ein solch bedeutendes Unternehmen geschaffen haben.

Zusammenfassung:

Somit ist das Zsolnay Keramikmuseum in vielerlei Hinsicht sehenswert. Erstens befindet es sich gleich in der Nähe von der Moschee von Pécs und dem Dom von Pécs und liegt daher sehr zentral. Zweitens befindet sich das Museum selbst innerhalb eines historischen Gebäudes, das in wenigen Jahren schon über 700 Jahre alt sein wird. Drittens ist die Zsolnay Keramik und dessen Design etwas, was man weltweit nicht noch einmal finden wird. Viele Besucher sind davon überzeugt, dass das Museum einige schöne Porzellanteller bietet, sind aber nach dem Museumsbesuch umso begeisterter, nachdem sie die verschiedensten Kunstwerke und Schmuckstücke entdeckt haben. Das Zsolnay Museum ist ein exzellenter Vorgeschmack auf das Zsolnay Keramikviertel und ist für Freunde der Keramik, aber auch der Kunst sicherlich einer der schönsten Ausstellungen der gesamten Stadt.

Karte des Zsolnay Museums

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