Die Alte Synagoge in Sopron
Einleitung:
Die historische Innenstadt von Sopron ist eine wahre Schatztruhe voller Sehenswürdigkeiten und beeindruckender Gebäude. Inmitten der ehemaligen mittelalterlichen Stadt steht die Alte Synagoge von Sopron, welche im Alltag aber auch einfach als Synagoge von Sopron bezeichnet wird. Obwohl sie heute kein aktives Gotteshaus mehr ist, sondern als reines Museum dient, ermöglicht sie Besuchern einen Einblick in den jüdischen Glauben. Zusätzlich ist die gotische Architektur der Soproner Synagoge in Mitteleuropa außergewöhnlich und auch die einzelnen, inzwischen restaurierten, Gebäudeteile vermitteln eine lange und interessante Geschichte. Die heutige Ausstellung klärt auch über das kulturelle Leben der Juden in Westungarn auf und beschreibt die Geschichte der hiesigen Familien.
Geschichte:
Bis heute kann nicht genau gesagt werden, wann die ersten Juden in Sopron gelebt haben. Die ersten schriftlichen Dokumente aus dem 13. Jahrhundert verweisen darauf, dass in dieser Zeit ungefähr 12 Familien mit jüdischem Glauben in der Innenstadt lebten. Die Menschen verdienten ihr Geld mit dem Handel und mit frühen Bankgeschäften und schon im Jahr 1300 reichte das Geld aus, um die Synagoge von Sopron zu errichten. Das neue im gotischen Stil errichtete Gebäude stand nicht direkt am Straßenrand, sondern hinter einem Hof. Ab diesem Zeitpunkt diente es als Betstätte, als Schule und als Treffpunkt für Veranstaltungen.
Das Schicksal der Soproner Synagoge änderte sich im Jahr 1526, als Gerüchte über ein Komplott zwischen den Juden und den Osmanen wegen der Niederlage bei Mohács entstanden, und die Familien die Stadt verlassen mussten. Ab diesem Zeitpunkt verschlechterte sich der Zustand des religiösen Gebäudes immer weiter und mit der Zeit wurde es in ein Wohngebäude umgewandelt. So verschwanden allmählich die originalen Gebäudeteile und für lange Zeit lebten Bürger in der für immer verschwindenden Synagoge. Nach dem Zweiten Weltkrieg hätte es die Möglichkeit gegeben, den für die Juden wertvollen Ort wieder in Anspruch zu nehmen, jedoch wurden diese Träume durch die kommunistische Besatzung zerstört.
Als nach 1945 die Juden wieder nach Sopron zurückkehrten, gab es bereits eine neue Synagoge, die sich aber nicht im Stadtzentrum befand und im 19. Jahrhundert gebaut wurde. Die sowjetischen Besatzer lösten die Gemeinde aber auf und so flohen die Juden vor dem Roten Terror. Sowohl die neue Synagoge als auch die Synagoge von Sopron blieben unbelebt, bis 1967 beschlossen wurde in der alten Synagoge Ausgrabungen zu beginnen. Bei diesen Arbeiten wurden viele originale Gebäudestrukturen rekonstruiert, die nach den Plänen aus dem Mittelalter errichtet wurden. Heute dient das restaurierte Gebäude als Vermittler der religiösen Kultur und des Friedens. Obwohl die Juden damals sowohl vor den Bürgern der Stadt als auch den Kommunisten fliehen mussten, ist die heutige Synagoge eine bedeutende Sehenswürdigkeit von Sopron, welche auch als Denkmal dient.
Heutige Funktion:
Im jetzigen 21. Jahrhundert dient die Synagoge von Sopron weiterhin als Museum und als Sehenswürdigkeit. Wegen dem mangelnden Interesse seitens der jüdischen Gesellschaft gab es nie wieder eine Umwandlung in eine aktive Synagoge, was für die Einwohner und Besucher aber einen entscheiden Vorteil gebracht hat. Das Gebäude kann nun in Ruhe erkundet werden, wodurch man sehr viel über das Judentum und dessen Traditionen lernen kann. Es gibt auch mehrmals jährlich Führungen, bei denen erzählt wird, welche Gebete praktiziert worden sind und wie zum Beispiel in der jüdischen Schule unterrichtet wurde.
Gebäudeteile:
Der heutige Eingang zur Synagoge von Sopron ist über ein breites Tor am Straßenrand möglich. Danach wird der Vorhof betreten, der sich rund um die Synagoge selbst erstreckt. Sofort fallen Besuchern die gotischen Merkmale der Außenstruktur auf, die zunächst gar nicht auf ein jüdisches Gebäude hinweisen. Nachdem das Gebäude betreten wird führt zunächst ein Gang in das Gebäude, bevor der große Saal erreicht wird. Dieser ist das Herz der Synagoge und kann in die Kanzel und in die Aronkabine unterteilt werden. Die Innenfassade und die Dekoration sind farbenfroh und abwechslungsreich, was den intensiven Restaurationen zu verdanken ist.
Lediglich das Fundament der Kanzel ist noch im originalen Zustand. Alle anderen Elemente der Soproner Synagoge wurden wegen den Umbauten zerstört und erst im 20. Jahrhundert nach den Originalplänen wieder errichtet. Dafür wurden zahlreiche religiöse Gegenstände so ausgestellt und platziert, dass sie wie in einer funktionierenden Synagoge angeordnet sind. Interessant ist der separate Betraum, welcher einerseits kleiner ist als der Hauptraum, dafür aber kleine Fenster eine optische Verbindung zwischen beiden Räumen schaffen. Dieser kleinere Betraum war für die Frauen gedacht, die nicht mit den Männern zusammen beten durften. Bei Versammlungen durften sie das Geschehen aber über die kleinen Fenster beobachten und so Informationen erhalten.
Ein weiterer wichtiger Teil der Synagoge von Sopron ist das rituelle Bad. Hier konnten sich die Juden reinigen, wobei es ein altbekanntes Problem gab. Traditionsgemäß müssen die Juden sich mit fließendem Wasser waschen, im Mittelalter gab es aber noch keine Wasserleitungen. Daher wurde das Problem mit einem Brunnen gelöst, der an ein zumindest etwas fließendes Gewässer angeschlossen war. Im selben Bereich wo sich auch das Bad befindet, stehen die ehemaligen Unterkünfte für Gäste. Besonders Wanderer, die eine Unterkunft für die Nacht suchten, wurden hier aufgenommen und konnten sich vor einem Niederschlag oder der Kälte des Winters schützen.
Ausstellung:
Im heutigen Frauenbetbereich, aber auch an den anderen Stellen der Synagoge von Sopron, können Besucher zahlreiche Exponate der Synagogenausstellung näher betrachten. Während den Restaurationen wurden zahlreiche Gegenstände wie Töpfe und Alltagsgegenstände gefunden, die damals innerhalb des Gebäudes verwendet wurden. Es war auch möglich durch Leihgaben rituelle Objekte für die Ausstellung zu bekommen wodurch es den Gästen möglich ist, einen umfangreichen Einblick in die Traditionen der Juden zu erhalten. Die Ausstellungsstücke werden sehr geschmackvoll präsentiert und an zahlreichen Wänden sind weitere Informationsschilder zu finden, die die einzelnen Räumlichkeiten und Objekte näher erklären. Zwar gehören die Fenster nicht zu den Exponaten selbst, jedoch lassen die handgefertigten Kunstwerke die Räume zu bestimmten Tageszeiten in den verschiedensten Farben erleuchten.
Zusammenfassung:
Die jüdische Vergangenheit und der jüdische Glaube waren für lange Zeit ein Teil der Soproner Geschichte und daher würdigt die Synagoge von Sopron diese Zeit. Die einzigartige Architektur sowie das Museum sind die Markenzeichen des Gebäudes, welches nach dem Zweiten Weltkrieg eigentlich schon aufgegeben wurde. Bis heute kommen zahlreiche Juden an diesen Ort, um sich die Alte Synagoge anzusehen und vielleicht auch ein kleines Gebet zu sprechen. Zeitgleich haben die Bewohner von Sopron ein Zeichen der Toleranz gesetzt, indem das Gebäude nicht nur restauriert wurde, sondern auch zu einem wichtigen Ort der Wissensvermittlung erklärt wurde. Daher sollte man neben den christlichen Gotteshäusern in Sopron unbedingt auch die Alte Synagoge besuchen, die eine lange und abwechslungsreiche Geschichte erzählt.
Weitere relevante Informationen
Original Ungarischer Name: Soproni Középkori Ózsinagoga
Öffnungszeiten: Das Museum ist von April bis Oktober besuchbar und die Öffnungszeiten beginnen mit 10:00 Uhr und enden mit 18:00 Uhr. Montags ist die Synagoge geschlossen
Eintritt: Erwachsene 800Ft / Studenten und Senioren 400Ft
Zugang: Vom mittelalterlichen Stadtzentrum ist die Synagoge nur wenige Gehminuten zu Fuß entfernt, eine Erreichbarkeit mit dem Fahrzeug ist nicht möglich
Informationen: Beschilderungen sind auf Ungarisch und Deutsch vorhanden, Führungen können nach Absprache gehalten werden
Karte der Alten Synagoge
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Bildquellen und Bildrechte:
(1) Vadaro, 2006, Public Domain
(2) Emmanuel Dyan, 2010, Creative Commons 3.0
(3) Emmanuel Dyan, 2010, Creative Commons 3.0
(4) Emmanuel Dyan, 2010, Creative Commons 3.0
Rechte:
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