Die Ziegenkirche in Sopron
Einleitung:
Einer der eindrucksvollsten Orte in Sopron ist sicherlich der Hauptplatz. Auf der nördlichen Seite begrenzen der Feuerturm und Museen wie das Storno Haus den Platz. Im Süden hingegen steht ein markantes Bauwerk, welches nicht nur eine berühmte städtische Sehenswürdigkeit ist, sondern in der Geschichte der Stadt eine große Rolle gespielt hat. Dieses Gebäude ist die Ziegenkirche oder auch Benediktinerkirche. Die heute römisch-katholische Kirche war Austragungsort von Landesversammlungen und auch von Krönungen und ist heute ein Paradebeispiel der Gotik bei religiösen Gebäuden. Neben einer traditionellen Einrichtung können Besucher der Ziegenkirche auch verschiedene Ausstellungen betrachten, die teilweise bereits interaktiv sind.
Geschichte:
Die heute über 700 Jahre alte Ziegenkirche wurde in ihrer frühesten Form im Jahr 1280 fertiggestellt, als die erst kürzlich zugezogenen Franziskaner ihr Gotteshaus eröffneten. Die damals noch sehr einfach gehaltene Kirche wurde schon 100 Jahre später umgebaut. Zwischen 1380 und 1410 erhielt das Gebäude eine gotische Erneuerung, welche bis heute von außen zu sehen ist. Aus dieser Zeit stammt auch die besondere Namensgebung der Ziegenkirche. Die Umbauarbeiten konnten nur durch das Vermögen von Geisel Henrik realisiert werden, der damals in Sopron sehr einflussreich war. Die Ähnlichkeit zum Wort Geiß sorgte für den Kirchennamen wobei sich rund um diese Person auch zahlreiche Mythen bildeten, wie das Geisel einen Mord beging und deshalb fliehen musste oder das eine tatsächliche Ziege das Vermögen von Henrik Geisel entdeckte und ausgrub.
In den folgenden Jahrhunderten wurde die Ziegenkirche ein ungarisches Zentrum des Hochadels und der Politik. Fünf Landesversammlungen wurden innerhalb des Bauwerkes abgehalten, die erste im Jahr 1553 und die letzte im Jahr 1681. Neben dieser Ehre wurden sogar Könige und Königinnen gekrönt. Zwei Beispiele für diese damals international bedeutenden Ereignisse waren die Krönung von Eleonóra Gonzaga im Jahr 1622 und die Krönung von Ferdinand II. 1625. Die Ereignisse waren deshalb so außergewöhnlich, da Sopron nie eine traditionelle Krönungsstadt war, sondern eher Städte wie Veszprém oder Székesfehérvár.
Ein bedeutendes Jahr für die Ziegenkirche war 1787, als Josef II. die Auflösung des Franziskanerordens befahl und sie einem Benediktinerorden übergeben wurde. Daraufhin verlor sie stark an Bedeutung. Sie wurde bis zum 19. Jahrhundert in einem barocken Stil umgebaut, die letzten neoromanischen Änderungen fanden kurz vor den 1000-Jahr Feierlichkeiten 1896 statt und wurden von der Storno Familie finanziert. Ihrem einstigen Ruhm erlangte die Ziegenkirche nie wieder zurück, jedoch wurde sie nach der Wende 1990 zu einer berühmten Sehenswürdigkeit. 2007 begannen die neuesten Restaurationen wodurch die Kirche heute wieder ihre alte Schönheit besitzt und obwohl sie eigentlich eine funktionierende Kirche ist, wurde auch ein großer Schwerpunkt auf Ausstellungen und touristische Informationen gelegt.
Heutige Kirche:
Heutzutage gehört die Ziegenkirche zu den berühmtesten Sehenswürdigkeiten von Sopron. Am Hauptplatz stehend dominiert sofort der 47 Meter hohe Kirchenturm, der für seine Detailarbeiten im Bereich der Architektur und den Außenfassaden bekannt ist. Die Kirche selbst besteht aus zwei Elementen, nämlich dem tatsächlichen Kirchengebäude und dem Altarraum, der halbkreisförmig an das Kirchengebäude angegliedert ist. Obwohl der ursprünglich gotische Einfluss immer noch erkennbar ist, sind viele Bereiche bereits im modernisierten Stil aus der Barockzeit zu sehen. Ein besonderes Augenmerk sollte man auch auf das Dach der Kirche legen. Nach einem verheerenden Stadtbrand wurde das Dach lange Zeit nicht restauriert, wodurch sie im Gegensatz zum restlichen Bauwerk einen etwas unterschiedlichen Stil besitzt.
Aufmerksame Besucher werden bei der Ziegenkirche verschiedene Zeichen von Herrn Geisel entdecken. An mehreren Orten sind sowohl im Inneren der Kirche, als auch auf den Außenfassaden kleine Gravuren von Ziegen zu finden. Ebenfalls wird Gästen auf der östlichen Seite der Kirche auffallen, dass das Nebengebäude auch gotische Fenster besitzt. Dies liegt daran, dass sich neben der Kirche noch weitere Gebäude befinden, die heute von der Gemeindeverwaltung genutzt werden und schon seit Jahrhunderten zur Kirche gehören. In diesen ehemaligen Klosterräumlichkeiten ist auch der Kapitelsaal zu finden, der neben seiner wunderschönen Architektur auch einer der Ausstellungen der Kirche beherbergt.
Räumlichkeiten:
Die Ziegenkirche bietet für Besucher insgesamt drei begehbare Räumlichkeiten. Der erste Raum ist das Innere der Kirche selbst. Hier entdeckt man wiederum gotische Elemente, die mit einem barocken Stil erweitert wurden. Die Einrichtung ist für die Benediktiner typisch. Sowohl der Altarbereich als auch die umliegenden Strukturen sind in großen Teilen mit Gold geschmückt. Einzigartige Fresken stellen biblische Ereignisse dar und die mächtigen Säulen bestehen aus farbigem Marmor. Gleich rechts vom Eingang ist auch im Obergeschoss die Orgel zu finden, welche bis heute verwendet wird. Sowohl an den Wänden als auch an eigenen Computerterminals können sich Besucher in mehreren Sprachen über die Kirche erkundigen.
Im Untergeschoss ist die Krypta der Ziegenkirche zu finden. Sie beeindruckt mit ihrem Säulenbau und den architektonischen Unikaten in Form von Skulpturen und Verzierungen. Auch innerhalb der Krypta sind weitere Informationsquellen angebracht, die über die Geschichte der Kirche berichten und auch bedeutende Meilensteine und Persönlichkeiten aufzählen. Direkt gegenüber dem heutigen Haupteingang ist auch die Verbindungsstelle zum ehemaligen Kloster zu finden. Dieser Durchgang ermöglicht die Passage zum Kapitelsaal, welcher bei einem Kombinationsticket ebenfalls besucht werden kann.
Kapitelsaal:
Ein außerordentlich sehenswerter Bereich der Ziegenkirche ist der Kapitelsaal. Er befindet sich heute im ehemaligen Kloster und erfüllte unterschiedliche Funktionen. Zunächst wurde er als einfacher Betraum verwendet, später als Gruft für Verstorbene. Als der Kapitelsaal renoviert wurde, kamen Elemente der Innenverzierung zum Vorschein, die dort eigentlich gar nicht mehr vermutet wurden. Ein Beispiel sind die Säulenköpfe, die Tiere und Masken darstellen und als die wichtigsten Sünden interpretiert werden können. An den Wänden wurden ebenfalls Fresken entdeckt, welche heute betrachtet werden können. Neben den geschichtlichen Elementen des Raumes selbst hat das Soproner Stadtmuseum auch weitere Exponate ausgestellt, die thematisch zum Raum passen. Beim Kapitelsaal ist eine Führung durchaus erlebnisreich, da interessante Details und Geschichten über die einzelnen Figuren erzählt werden.
Zusammenfassung:
Auch wenn in der Ziegenkirche heute keine Adeligen gekrönt werden und auch keine Landesversammlungen mehr stattfinden, so gehört sie heute zu den wertvollsten architektonischen Schätzen von Sopron. Ihre verschiedenen Stile und die einzelnen Räumlichkeiten erzeugen ein besonderes Ambiente und die zahlreichen Informationen erklären die kirchliche Entwicklung in Westungarn. Wenn man sich den Hauptplatz in Sopron ansieht, dann sollte man dieses dominierende Bauwerk unbedingt näher betrachten und auch die Ausstellungen kennen lernen, welche mit einem Kombinationsticket alle besucht werden können. Seit Jahren gibt es unter den Touristen, die die Ziegenkirche besuchen, ein kleines Spiel. Es gibt mehrere Abbildungen von Ziegen im und auf dem Gebäude und sowohl Familien als auch Geschichtsinteressierte versuchen so viele Ziegen wie möglich zu finden, die teilweise recht gut versteckt sind, aber das Erbe jenes Mannes sind, der diese wundervolle Kirche finanziert hat und errichten ließ.
Weitere relevante Informationen
Original Ungarischer Name: Soproni Kecske-Templom
Öffnungszeiten: Die Kirche ist generell das ganze Jahr über geöffnet und weist zwei verschiedene Öffnungszeiten auf. In den Sommermonaten ist sie von 08:00 bis 19:00 Uhr geöffnet, in den Wintermonaten schließt sie bereits um 18:00 Uhr
Eintritt: Erwachsene 800Ft / Studenten und Senioren 400Ft
Zugang: Direkt am Hauptplatz gelegen kann die Ziegenkirche sehr schnell erreicht werden, jedoch müssen eigene Fahrzeuge außerhalb des Burgviertels geparkt werden
Informationen: Beschilderungen sind auf Ungarisch, Deutsch und Englisch vorhanden, Führungen können in mehreren Sprachen organisiert werden
Bilder Ziegenkirche Sopron
Karte der Ziegenkirche
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