Das Fabricius Haus in Sopron
Einleitung:
Während eines Aufenthaltes in Sopron ist es eine beliebte Aktivität die städtischen Museen zu nutzen, um sich über die regionale Geschichte zu erkundigen. Ein sehr gutes Beispiel für ein solches Museum ist das Fabricius Haus, welches direkt am Hauptplatz steht und insgesamt drei Ausstellungen anbietet. Mit der Nähe zum Storno Haus und zur Ziegenkirche nutzen Gäste gerne die Gelegenheit, um die Geschichte des Gebäudes kennen zu lernen und gleichzeitig den besonderen Keller des Grundstücks zu entdecken, der heute einige der frühesten Besiedelungsbeweise aus dem römischen Zeitalter präsentiert. Zusätzlich können sich Gäste auch ein wenig vorstellen, wie es gewesen sein könnte in einem noblen Haus wie dem Fabricius Haus zu wohnen.
Geschichte:
Obwohl die Geschichte des Fabricius Hauses im 14. Jahrhundert begann, sollte an der heutigen Stelle eigentlich eine Kapelle stehen. 1320 wurde der Bau des religiösen Bauwerks begonnen, jedoch schon bald wieder abgebrochen. Der Grundriss wurde in zwei separate Gebäude aufgeteilt und während die unterirdischen Teile als Keller verwendet wurden, stand das Obergeschoss als Wohnbereich zur Verfügung. Nach dem Bau wurden die Wohnungen von namhaften Kaufleuten und Edelbürgern gekauft, da sie mit ihrer speziellen Lage am Hauptplatz besonders viel Wert waren und den eigenen Status noch weiter verbesserten.
Im Jahr 1806 kaufte der Namensgeber des Fabricius Hauses, Endre Fabricius, das Haus und nutzte es als seinem Lebensmittelpunkt. Als Bürgermeister der Stadt war er hoch angesehen und so wurde das Gebäude zu einem legendären und außergewöhnlichen Haus gekürt. Nach dem Tod von Herrn Fabricius vermachte die Familie den Besitz an die evangelische Kirche. Viele Jahre später wurde die Zukunft vom Fabricius Haus bestimmt, als man ein ehemaliges römisches Bad unter den Häusern entdeckte. Dieser sensationelle Fund sorgte dafür, dass zahlreiche Menschen die Umwandlung in ein Museum befürworteten. So übernahm der Soproner Museumsverband das Haus im 20. Jahrhundert und seitdem fungiert das Gebäude als Vermittler der Kultur und der Geschichte.
Architektur:
Das heutige Fabricius Haus kann vom Hauptplatz aus betreten werden. Markant ist einerseits der Eingang in das Haus und anderseits der daneben liegende Eingang für Kutschen, der in den Innenhof führt. Im Gegensatz zum Storno Haus besitzt die Außenfassade des Fabricius Hauses einen symmetrischen Barockstil. 4 Fenster sind gleich verteilt zu finden, dazwischen gibt es zwei kleinere Erker, von denen man eine herrliche Aussicht genießen kann. Lange Zeit war nur das hintere der zwei Gebäude zweistöckig, inzwischen erhielt aber auch das vordere Gebäude einen zweiten Stock, um optisch in das Gesamtbild des Hauptplatzes passen zu können.
Einer der interessantesten Aspekte der Innenarchitektur ist sicherlich der Keller. Da das Fabricius Haus eigentlich eine Kapelle werden sollte besteht der heutige Keller aus einem gotischen Design mit hohen Gewölben, die tatsächlich an eine Unterkirche erinnern. Den gleichen Stil besitzt auch der gotische Saal über der Erdoberfläche und Architekturfreunde heben auch oftmals den Arkaden-Säulengang aus dem 17. Jahrhundert hervor. Innerhalb der Räume sind typische Barockelemente zu finden. Die Zimmer sind hell und haben eine exquisite Einrichtung, die Decken sind oftmals dekoriert und ein Kronleuchter ist in zahlreichen Räumen zu finden. Sehr schön sind auch die traditionellen Kamine, die die Bewohner in kalten Monaten warm gehalten haben.
Familie Fabricius:
Es lebten zwar mehrere wohlhabende Menschen im Fabricius Haus, jedoch wurde Endre Fabricius als bedeutendster Bewohner bestimmt. Er wurde 1780 in Sopron geboren und zeichnete sich schon seit seiner Kindheit durch seine schulischen Leistung aus. Später kletterte er die städtische Karriereleiter hoch und wurde nicht nur Stadtrichter, sondern auch Bürgermeister von Sopron. Er hatte eine gute Beziehung zum Nationalhelden Sándor Petöfi und gab ihm sogar einfache Gewänder, als er aus der lokalen Kaserne floh. In religiöser Hinsicht gefiel ihm immer der evangelische Glaube, was in Westungarn sehr selten war. Nach seinem Tod im Jahr 1847 wurde auf seinen Wunsch hin das Gebäude der evangelischen Kirche gestiftet.
Ausstellungen:
Nach den letzten Erneuerungen im frühen 21. Jahrhundert sind im Fabricius Haus derzeit drei Ausstellungen zu finden. Die erste Ausstellung befindet sich im Keller des Gebäudes und zeigt römische Relikte aus der damaligen Ortschaft Scarbantia. Hier stehen Sarkophage, Grabsteine, Mauerreste und sogar Überbleibsel eines römischen Bades. Die teilweise sehr gut erhaltenen Götterstatuen passen sehr gut in das Ambiente, da das Kellergewölbe äußerst hoch ist. Neben den Steinexponaten sind heute auch etliche Fundstücke aus der römischen Zeit ausgestellt so wie zum Beispiel Münzen, Handwerksgegenstände oder Opfergaben an die Götter.
Die zweite Ausstellung im Fabricius Haus trägt den Titel "Dreitausend Jahre an der Bernsteinstraße". Die Bernsteinstraße war einer der wichtigsten europäischen Handelsstraßen der Antike und Sopron lag genau entlang dieser Straße. Innerhalb der Ausstellung werden Fundstücke aus der römischen Zeit, der keltischen Zeit und sogar aus der illyrischen Zeit präsentiert. Die Ausstellung wird durch zahlreiche Fundstücke der Magyaren ergänzt, die sich vor dem zweiten Jahrtausend in Sopron ansiedelten. Einer der interessantesten Ausstellungsstücke ist die mysteriöse Sonnenuhr, die bis heute das Geheimnis bewahrt, wie sie genau funktioniert. Abgerundet wird die Ausstellung durch weitere Verweise und Erklärungen wie die Bernsteinstraße entstand und welche Handelsgüter über sie transportiert wurden.
Letztendlich können Besucher im Fabricius Haus natürlich auch die damaligen Wohnungen und deren Einrichtung betrachten. Viele der Möbel sind originale Erbstücke, die dem Museum geschenkt wurden. Die Einrichtung stammt aus der Zeit des 17. und 18. Jahrhunderts und zeigt den Geschmack der Oberschicht. Massive Holzelemente und zahlreiche Verzierungen sind einige Beispiele dieser Wohnkultur. Es ist empfehlenswert sich die Aussicht vom Erker anzusehen, aber auch die malerischen Verzierungen an den Wänden und Decken. Wie es für noble Häuser üblich war sind manche Zimmer wie Salons oder Esszimmer mehrmals vertreten. Eine interessante Stimmung erzeugt die Decke im Obergeschoss, welche aus massiven Holzbalken besteht.
Zusammenfassung:
Mit seiner Geschichte, den römischen Funden im Keller und dem Besitzer Endre Fabricius ist das Fabricius Haus ein sehr würdiger Vertreter der städtischen Geschichte. Besucher mögen sowohl die Ausstellungen als auch den besonderen Keller und meinen immer wieder, dass obwohl das Haus vom Hauptplatz aus eher unscheinbar ist, es dafür im Inneren umso schöner ist. Das Bauwerk ist sowohl für Geschichtsinteressierte als auch Freunde der Architektur sehr gut geeignet und neben den lokalen Gegebenheiten kann man auch einiges über die Bernsteinstraße lernen. Daher ist es eine besondere Empfehlung während einem Museumstag das Fabricius Haus zu besichtigen und sich das Erbe von Herrn Fabricius anzusehen. Eine Kombination mit dem Storno Haus wird häufig durchgeführt, da beide Häuser sowohl architektonisch, als auch inhaltlich vollkommen verschieden sind.
Karte des Fabricius Hauses
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