Der traditionelle Csikós in der Puszta
Einleitung:
Die ungarische Puszta ist ein ganz besonderes Ziel für einen Urlaub in Ungarn. Die weiten Steppen, einzelne Gehöfte und große Rinderherden kennzeichnen diese fast unberührte Natur im Osten Ungarns. Besucher, die schon einmal in der Puszta waren, haben während einem Rahmenprogramm sicherlich auch die dortige Kultur erlebt. Besonders eine Person sticht während Folklore Vorführungen hervor und diese ist meisten der ungarische Csikós. Der Pferdehirt der Puszta war nicht nur lange Zeit ein wichtiges gesellschaftliches Mitglied in der Region, sondern auch ein bekanntes ungarisches Symbol und Merkmal. Sei es auf Postkarten oder Bildern der Puszta, der Csikós wird oftmals mit der dortigen Geographie assoziiert.
Geschichte:
Die Geschichte des Csikós ist so lang wie die Geschichte Ungarns selbst. Schon während der Landnahme der Magyaren im beginnenden 10. Jahrhundert waren die Ungarn auf Pferde angewiesen. Einerseits waren sie innerhalb der Streitkräfte unersetzbar, aber auch für die Zivilbevölkerung halfen sie beim Transport von Gütern und wurden als Reittiere benutzt. Mit dieser Grundlage war das Pferd für die Ungarn ein sehr wichtiges Tier, wodurch sich nach der Landnahme auch sehr schnell eine landesweite Pferdezucht entwickelt hatte. Viele Pferdezüchter ließen sich in der Puszta nieder, da die Umgebung ideal für die Viehhaltung geeignet war.
In den folgenden Jahrhunderten entwickelten sich in der Puszta zwei verschiedene Berufe, die sich rund um die Tierhaltung drehten. Für die Rinderhaltung wurde der Gulyás beauftragt, der zum Beispiel Graurindherden sicher zu Wasserquellen führen sollte. Die Pferdehaltung wurde dem Csikós überlassen, wobei er nicht nur für das Wohlergehen der Pferde verantwortlich war, sondern auch oftmals dazu ausgebildet wurde junge Fohlen zu beschützen und zu verpflegen. Der gesellschaftliche Status des Csikós war sehr hoch, denn die Bewohner wussten, dass ohne ihn bald keine Pferde mehr zur Verfügung stehen würden, was inmitten der Puszta eine sehr starke Belastung gewesen wäre.
Die Bezahlung des Csikós war für die nächsten Jahrhunderte gesichert. Im Mittelalter starben etliche Rösser in der Schlacht und so war die Nachfrage nach Pferden immer hoch. Als der internationale Handel ausgeprägt wurde, waren ungarische Pferde in ganz Europa geschätzt, wodurch die besten Züchtungen in das Ausland verkauft wurden. Der Csikós trug somit nicht nur eine gesellschaftliche Bürde, sondern auch eine Finanzielle. Zusätzlich war der Beruf selbst sehr anspruchsvoll. Während eine Rinderherde bei einem Zwischenfall schnell wieder eingefangen werden konnte, war es bei einer Pferdegruppe etwas völlig anderes. Der Csikós musste in Notsituationen einen kühlen Kopf bewahren und auch mit seinem eigenen Pferd im Einklang sein, damit die wertvollen Tiere nicht verloren ging.
Die Tradition des Csikós ging mit dem beginnenden 20. Jahrhundert langsam zuende. Die Pferdezucht wurde revolutioniert und die größeren Züchtungen benötigten die Dienste des Pferdehirten nicht mehr. Während dem Ersten Weltkrieg erhielten sie die Rolle als Ausbilder, um Pferde auf Kampfsituationen vorzubereiten und ihre Panikschwelle herabzusetzen. Danach starb der Beruf des Csikós aber kontinuierlich aus und so endete ein fast 1000-jähriger Beruf. Das Vermächtnis der Pferdehirten ist aber weiterhin geblieben und deshalb finden Besucher auch heute noch junge Männer, die in ihrem traditionellen Gewand Kunststücke aufführen oder über die Pferdezucht erzählen.
Informationen und Fakten:
Die Berufskleidung des Csikós war zwar an spezielle Kleidungsstücke gebunden, jedoch kleideten sich die Csikós nicht einheitlich. Die Hirten in Hortobágy trugen zum Beispiel eine andere Arbeitskleidung als jene in Bugác. Die berühmten Csikós von Hortobágy trugen für gewöhnlich ein blaues Leinenhemd und eine blaue Hose. Dazu kam der berühmte Dreieckshut, welcher sie vor der Sonne schützte. Die zwei wichtigsten Utensilien waren die Peitsche und der Sattel eines Pferdehirten, wobei viele von ihnen auch ohne Sattel ritten, damit sie diesen nicht mitschleppen mussten. Im Gepäck waren natürlich Proviant, ein Gulaschkessel und ein Messer immer mit dabei, um in der Wildnis überleben zu können.
Obwohl der Csikós in seiner heutigen Form eigentlich nur noch den touristischen Zwecken dient, ist dennoch eine bedeutende Traditionsbewahrung hinter den faszinierenden Vorführungen zu finden. Die besondere Beziehung zum Pferd und die verschiedenen Tricks, die eine enorme Körperkontrolle benötigen, dienen zum Erhalt der regionalen Kultur. Nicht umsonst wurde Hortobágy zum ungarischen Weltkulturerbe erklärt. Die jungen Männer begeistern nicht nur Besucher, sondern tragen das Wissen und die Kultur von etlichen Generationen mit sich. Auch wenn der Csikós heute kein Hauptberuf ist, so sind Eltern eines Pferdehirten sehr stolz auf ihn, da er für die Bewahrung der Kultur verantwortlich ist.
Es gibt eine Vielzahl an Tricks und Reitelementen, die ein Csikós beherrscht. Zu den klassischen Tricks gehört das galoppieren durch die Steppe und das reiten ohne Sattel. Für die jungen Männer ist es aber auch kein Problem während dem Ritt kurz aufzustehen und stehend oder hockend weiterzureiten. Viele beherrschen sogar den wagemutigen Trick sich seitlich an das Pferd zu hängen und so von einer Seite zur anderen zu springen, ohne vom Pferd zu fallen. Die höchste Disziplin ist das Puszta-Fünfergespann. Während diesem Ereignis stellt sich der Csikós auf zwei Pferde und hält gleichzeitig die Zügel von drei weiteren Pferden vor ihm. Nur die erfahrensten Reiter beherrschen diese Technik.
Die Csikós waren aber auch für ihre Tierliebe bekannt. Der Pferdehirt konnte damals ohne sein eigenes Pferd nicht leben und dadurch bauten die Männer oftmals emotionale Beziehungen zu ihren Reittieren auf. Auch der Einsatz der Peitsche diente nicht zur Verletzung des Pferdes, da sie mit Verletzungen und Narben nicht gut verkauft werden konnten. Daher diente die Peitsche als Erkennungsmerkmal für die Pferde, dass sie den Anweisungen des Csikós folgen sollten. Auch bei heutigen Vorführungen verwendet ein echter Pferdehirt die Peitsche nur für die Befehlserteilung, nicht für die Züchtigung des Pferdes.
Zusammenfassung:
Nach diesen vielen Informationen ist verständlich, dass der Csikós weitaus mehr als eine touristische Attraktion ist. Dieser ehrenwerte Beruf bestand seit der Landnahme der Ungarn und endete erst im 20. Jahrhundert. Bis heute tragen junge Männer das Erbe ihrer beruflichen Vorfahren weiter und tragen zum Kulturerhalt in Ungarn bei. Ihre vielen Fertigkeiten, die Tierliebe zum Pferd und die besondere Kleidung haben den Pferdehirten zu einer Legende gemacht, so wie es außerhalb Ungarns nur mit den Cowboys in den Vereinigten Staaten verglichen werden kann. Egal ob bei einer Vorführung, in der Steppe oder Zuhause bei den eigenen Pferden, der Csikós ist ein Symbol Ungarns das nicht mehr wegzudenken ist.
Weitere relevante Informationen
Original Ungarischer Name: Csikós
Historische Verbreitung: Südostungarn und ungarische Puszta
Fertigkeiten: Pferdehaltung und Pferdezucht / sehr gute Reitkünste / Bewahrung der Traditionen
Videolink zu einer Aufnahme des Puszta Fünfergespanns (Youtube):
Bildquellen und Bildrechte:
(1) Tomsics & Perlaszka, 2010, Creative Commons 3.0
(2) Takkk, 2010, Creative Commons 3.0
(3) www.flickr.com/photos/tillwe/38541221/
(4) Arnold Plesse, 2011, Creative Commons 3.0
Rechte:
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