Die Nationalhymne Ungarns und ihre Übersetzung

Die berühmte Hymne Ungarns (Magyar Himnusz)

Ferenc Kölcsey schrieb sein Gedicht über Ungarn nieder und ahnte damals nicht, dass dieses Gedicht später die ungarische Nationalhymne sein sollte (1)
Ferenc Erkel erstellte die akkustische Begleitung zum Gedicht, wobei er für seine hohen musikalischen Ansprüche bekannt war (2)
Dieses Originaldokument zeigt die Noten der ersten Strophe der Hymne, welche durchaus komplex und anspruchsvoll sind (3)
Die symbolische Statue von Mária Majzik enthält alle Zeilen der Hymne (4)

Einleitung:

Was wäre ein Land ohne eine Nationalhymne, die die Geschichte einer gesamten Nation zusammenfasst oder das jeweilige Land beschreibt. Diese musikalischen Meisterwerke repräsentieren bei internationalen Veranstaltungen das jeweilige Land und dienen für die Bürger selbst als Identifikation zu ihrer Heimat. Selbstverständlich besitzt auch Ungarn eine Nationalhymne, die im Ungarischen als Himnusz bezeichnet wird. Sie gehört zu den wichtigsten Symbolen und Merkmalen des Landes und dient bei Ereignissen wie Gottesdiensten, Neujahrsfeiern oder besonderen Fernsehübertragungen als unverkennbare Erkennungsmelodie. Im Gegensatz zum Turul Vogel oder zur Stephanskrone besitzt die Himnusz aber eine recht junge Geschichte.

Geschichte:

Das Geburtsjahr der ungarischen Hymne war 1823 als Ferenc Kölcsey seine Gedanken zu Papier brachte. Damals betitelte er das Gedicht als "Die stürmischen Jahrhunderte des ungarischen Volkes" und schon bald verfasste Ferenc Erkel im Jahr 1844 die passende Musik zum Gedicht. Das fertiggestellte Stück wurde sodann im Juli desselben Jahres im Budapester Nationaltheater präsentiert und die Jury war vom musikalischen Werk mehr als begeistert. So war die erste richtig ungarische Hymne geboren. Es gab davor zwar populäre Lieder, die damals als Hymne galten, doch nach 1844 wurde endgültig beschlossen, dass die Himnusz die neue Nationalhymne für das ungarische Volk sein sollte.

Bis zur Verankerung der ungarischen Hymne durch eine Verfassung sollten aber noch einige Jahre vergehen. Obwohl die Hymne ab der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts häufig gesungen wurde, konnte Ungarn vor 1918 keine eigene Verfassung besitzen. In den Zwischenkriegsjahren und dem Zweiten Weltkrieg wurde das Musikstück auch nicht in den Verfassungsrang gehoben. Während der kommunistischen Besatzung wollte man die Hymne sogar durch eine Neue ersetzen, aber mit diesem Vorhaben scheiterten die Sozialisten schon nach kurzer Zeit. Erst 1989 wurde die Himnusz in der Verfassung erwähnt und seit der neuen Verfassung aus dem Jahr 2011 steht sie sogar im ersten Absatz und gehört seitdem offiziell zum nationalen Erbe des Landes.

Originaltext und Übersetzung:

Die ungarische Hymne beschreibt inhaltlich verschiedene Aspekte. Einerseits wird Ungarn als Land geographisch und ethnisch beschrieben, andererseits wird auch auf geschichtliche Ereignisse verwiesen. In den letzten Jahren und Jahrzehnten wurden etliche Interpretationen erstellt und wieder verworfen, daher ist die Interpretation des Werkes jedem selbst überlassen. In den folgenden zwei Absätzen ist einerseits das ungarische Original zu lesen und anschließend eine deutsche Interpretation, welche der deutschen Wikipedia entnommen wurde.

Das ungarische Original:

Isten, áldd meg a magyart / Jó kedvvel, bőséggel, Nyújts feléje védő kart, Ha küzd ellenséggel; Bal sors akit régen tép, Hozz rá víg esztendőt, Megbűnhődte már e nép / A múltat s jövendőt! / Őseinket felhozád / Kárpát szent bércére, Általad nyert szép hazát / Bendegúznak vére. / S merre zúgnak habjai / Tiszának, Dunának, Árpád hős magzatjai Felvirágozának. Értünk Kunság mezein / Ért kalászt lengettél, Tokaj szőlővesszein / Nektárt csepegtettél. Zászlónk gyakran plántálád / Vad török sáncára, S nyögte Mátyás bús hadát / Bécsnek büszke vára. Hajh, de bűneink miatt / Gyúlt harag kebledben, S elsújtád villámidat / Dörgő fellegedben, Most rabló mongol nyilát Zúgattad felettünk, Majd töröktől rabigát Vállainkra vettünk. Hányszor zengett ajkain / Ozman vad népének / Vert hadunk csonthalmain / Győzedelmi ének! Hányszor támadt tenfiad / Szép hazám, kebledre, S lettél magzatod miatt / Magzatod hamvvedre! Bújt az üldözött, s felé / Kard nyúlt barlangjában, Szerte nézett s nem lelé Honját e hazában, Bércre hág és völgybe száll, Bú s kétség mellette, Vérözön lábainál, S lángtenger fölette. Vár állott, most kőhalom, Kedv s öröm röpkedtek, Halálhörgés, siralom Zajlik már helyettek. S ah, szabadság nem virul / A holtnak véréből, Kínzó rabság könnye hull Árvák hő szeméből! Szánd meg Isten a magyart / Kit vészek hányának, Nyújts feléje védő kart / Tengerén kínjának. Bal sors akit régen tép, Hozz rá víg esztendőt, Megbűnhődte már e nép / A múltat s jövendőt!

Die Deutsche Interpretation:

Herr, segne den Ungarn mit Frohsinn und mit Überfluss. Beschütze ihn mit deiner Hand, wenn er sich mit dem Feind schlägt. Denen die schon lange vom Schicksal nicht verschont, bring ihnen eine bessere Zeit. Denn dies Volk hat schon gebüßt für Vergangenes und Kommendes. Du hast unsere Vorfahren zu dem heiligen Karpatengipfel gebracht, durch dich haben wir die schöne Heimat gewonnen für Bendegúz’ Söhne und Töchter. Und dort wo die Wasser rauschen der Theiß und der Donau dort sprießt und erblüht die Saat des Helden Árpad. Für uns auf den Kunság-Feldern wiegt sich das reife Getreide, von den Tokaijer Hängen lässt du Nektar tropfen. Unsere Fahne hast du oft gepflanzt auf die wilden Türken-Schanzen, und die stolze Wiener Burg stöhnte unter Mátyás zornigen Truppen. Doch wegen unserer Sünden sammelte sich Zorn in deiner Brust und deine Blitze trafen uns aus deinen donnernden Wolken, erst zogen die räuberischen Pfeile der Mongolen über uns, dann trugen wir das Sklavenjoch der Türken auf den Schultern. Wie oft klang von den Lippen der wilden Völker der Osmanen über uns Geschlagene, unsere aufgehäuften Knochen das Lied des Sieges! Wie oft haben deine Söhne meine schöne Heimat angefallen, in deiner Brust, und du wurdest wegen deiner Söhne zu deiner Söhne Aschengrab. Auch gegen den Gehetzten im Versteck führte man das Schwert gegen ihn in seiner Heimat, vergebens blickte er sich um doch fand er nicht nach Hause in seiner Heimat. Er stieg über Berge, in die Täler, von Kummer und Zweifel umgeben, Blutlachen unter seinen Füßen und Flammenmeere über ihm. Da wo die Burg stand, ein Steinhaufen, Freude und Glück fliegen, doch Todesklänge und Wehklagen, nehmen ihre Stelle ein. Und weh, Freiheit erblüht nicht aus dem Blut der Toten, schmerzend fließen die Tränen unter Sklaverei aus den Augen der Heimatlosen. Hab' Mitleid, Herr, mit dem Ungarn, den die Gefahren schütteln, beschütze ihn mit deiner Hand, im Meer der Qualen. Denen die schon lange vom Schicksal nicht verschont, bring ihnen eine bessere Zeit. Denn dies Volk hat schon gebüßt für Vergangenes und Kommendes.

Informationen und Fakten:

Heute erklingt die ungarische Hymne zu den verschiedensten Anlässen. Ein sehr prominentes Beispiel ist die Silvesterfeier in Ungarn, bei der um Punkt Mitternacht die Hymne gesungen wird und auch von den ungarischen Medien wie dem Radio oder dem Fernsehen abgespielt wird. Generell wird aber nicht die gesamte Hymne gesungen, sondern nur die erste Strophe. Deshalb ist es auch in ungarischen Gottesdiensten noch sehr häufig, dass am Ende die erste Strophe der Hymne gesungen wird. Die Ungarn mögen ihre Himnusz sehr, da sie ein Zeichen der Freiheit und der Unabhängigkeit der Menschen ist, deren Zukunft in der Mitte des 19. Jahrhunderts noch sehr ungewiss war.

Aus der Zeit der sowjetischen Besatzung existiert auch eine Legende rund um die ungarische Hymne. Der sowjetische Führer Mátyás Rákosi wollte eine neue sozialistische Hymne für Ungarn erstellen und beauftragte Gyula Illyés und Zoltán Kodály mit dieser Aufgabe. Daraufhin soll Kodály gefragt haben wozu eine neue Hymne nötig sei, immerhin ist die Alte doch gut. Und so kam es niemals zu einer sozialistischen Hymne. Im Übrigen wurde die ungarische Hymne auch symbolisch in einer Skulptur verewigt, die 2006 feierlich präsentiert wurde. Die 4,5 Meter hohe Statue in Budakeszi beinhaltet alle Strophen der Hymne und ist nicht nur ein besonderes Denkmal, sondern auch eine interessante Sehenswürdigkeit.

Zusammenfassung:

Für die Ungarn ist die ungarische Himnusz ein ganz besonderes Symbol des Landes. Sie beschreibt Ungarn an sich und die Geschichte ihrer Einwohner und ist auch ein zeitloses Zeichen für die Unabhängigkeit und die Freiheitskämpfe der Bevölkerung. Sei es zu Silvester oder während einer Parade, die Hymne des Landes wird oftmals und sehr gerne gesungen. Da sie seit 2011 auch im ersten Absatz der Verfassung verankert ist, kann sich Ungarn nun endlich über ihre offizielle Hymne freuen, die das Land, die Kultur, die Geschichte und die Bevölkerung repräsentiert. Wenn Sie sich die ungarische Hymne anhören möchten, dann können Sie sie mit einem Klick anhören:

Weitere relevante Informationen

Original Ungarischer Name: Magyar Himnusz / manchmal Himnusz, a magyar nép zivataros századaiból

Verfasser: Ferenc Kölcsey

Verwendung: An Feiertagen / Bei Wettbewerben / Bei Gottesdiensten

Beschreibung der Hymne einer Universitätsseite (Deutsch): 

www.uni-protokolle.de/Lexikon/Isten_%E1ldd_meg_a_magyart.html


Bildquellen und Bildrechte:

(1) www.retrofm.hu/retro_cikk.php?id=50922

(2) erkel.oszk.hu/tan_galeria/erkel-ferenc-ismeretlen-muvesz-szinezett-ceruzarajza-es-gouache-1860-es-evek-eleje-papir

(3) Kristaga, 2005, Creative Commons 3.0

(4) Adam78, 2006, Creative Commons 3.0

Rechte:

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