Die ungarische Stephanskrone
Einleitung:
Das wohl berühmteste Zeichen und Merkmal Ungarns ist zweifelsohne die Stephanskrone. Diese Krone, welche im Ungarischen als Szent Korona bezeichnet wird, repräsentiert nicht nur die 1000-jährige ungarische Geschichte, sondern auch die Zeit des Königreichs Ungarns. Neben dem Zepter und dem Reichsapfel ist die Stephanskrone der größte nationale Schatz und wird deshalb auch dementsprechend geschützt. Während viele Legenden rund um die Entstehung vorhanden sind, hatte die Krone eine aufregende Geschichte, bei der sie nie für lange Zeit an einem Ort verblieb. Egal ob auf dem ungarischen Wappen oder auf dem ungarischen Forint, dieses Wahrzeichen ist überall im ganzen Land zu finden.
Geschichte:
Die Stephanskrone und ihre Geschichte gehen auf das Jahr 1000 zurück. Als König Stephan I. die ungarischen Stämme vereinte und das Königreich Ungarn als christliches Königreich ausrief, soll Papst Silvester II. dem neuen König die erste Krone geschenkt haben. Dieses Ereignis war nicht nur eine besondere Ehrung sondern auch eine typisch europäische Tradition. Um ein Königreich regieren zu können, musste man damals von Gottes Gnaden dafür befugt sein und das tragen der Reichskrone war einer der wichtigsten Bedingungen, um Regent eines Landes zu werden. So wurde der apostolische König Stephan aus dem Hause Árpád von Gottes Gnaden der erste König von Ungarn.
Die damalige Stephanskrone aus dem 11. Jahrhundert hatte zu ihren Ursprungszeiten aber noch nicht ihre heutige Form, denn es sollte bis zum 16. Jahrhundert dauern bis die Krone ihre finale Form erhielt. Im 12. und 13. Jahrhundert wurde die Krone immer wieder erweitert und verschönert, wobei es sich nach derzeitigen wissenschaftlichen Fakten nicht mehr um die originale Krone von Papst Silvester II. handelte. Im 16. Jahrhundert wurde das Kreuz angebracht, jedoch schien die verantwortliche Person keine gute Arbeit geleistet zu haben, da die Oberseite der Krone beschädigt wurde. Im Lauf der Jahrhunderte wurde auch eine Abnutzung bemerkbar, wodurch die Krone immer wieder provisorisch repariert wurde, damit sie weiter verwendet werden konnte.
Der Aufenthaltsort der Stephanskrone befand sich längst nicht nur im Königreich Ungarn. Im Mittelalter war die Krone oftmals in Székesfehérvár, da sie zur damaligen Krönungsstadt ernannt wurde. Während der türkischen Besatzung wurde die Krone nach Bratislava gerettet, damit sie von den osmanischen Besatzern nicht zerstört werden konnte. Während der österreichischen Besatzung hingegen befand sich die Krone oftmals in Wien, da das Königreich den österreichischen Regenten zugesprochen war. Nach dem Zweiten Weltkrieg verließ sie sogar Europa. Aus Angst davor, dass die Rote Armee die Krone vernichten würde, brachten Ungarn die Stephanskrone zu den Amerikanern, die die Krone in die U.S.A. weiter verschifften. Erst 1978 erhielten die Ungarn ihre geliebte Krone wieder zurück.
Nach einer jahrhundertelangen Odyssee verblieb die Stephanskrone ab 1978 wieder in Ungarn. Die Krone wurde in den folgenden Jahren restauriert und wieder hergerichtet. Das ungarische Nationalmuseum nahm die Bürde auf sich dieses Zeichen Ungarns aufzunehmen und stellte die wertvolle Krone samt dem Reichsapfel und dem Zepter aus. Im Jahr 2000 wurde beschlossen die Krone in das Budapester Parlament umzusiedeln und dort verblieb sie auch bis zum heutigen Tag, wo sie streng bewacht wird, aber für Besucher des Hauses zugänglich ist. Inzwischen wurden die Restaurationsarbeiten abgeschlossen und die Stephanskrone erstrahlt wieder in vollem Glanz.
Informationen und Fakten:
Die Stephanskrone besitzt verschiedene interessante Elemente. Sie setzt sich aus einer sogenannten "corona graeca" und einer "corona latina", also einer griechischen und einer lateinischen Krone, zusammen. Auf der Krone sind 10 Platten zu finden, die verschiedene Persönlichkeiten darstellen. Einerseits handelt es sich um den byzantischen Kaiser, andererseits um die ersten Könige Ungarns so wie zum Beispiel Géza I. Die Krone besteht aus Gold und Edelsteinen und besonders das Gold wurde aus den damals berühmtesten Goldquellen hergenommen. Die Bildplatten repräsentieren auch Heilige, wodurch auch vor der Ergänzung durch das Kreuz die Krone schon als eindeutig christlich identifiziert werden konnte.
Das wohl berühmteste Merkmal der Stephanskrone ist aber sicherlich das schiefe Kreuz. Wie bereits erwähnt wurde das Kreuz erst nachträglich hinzugefügt und die Arbeit wurde nicht professionell durchgeführt. So war es nur eine Frage der Zeit, bis das Kreuz sich lösen oder herunterfallen würde. Nach einer Legende soll Ladislaus Postumus im 15. Jahrhundert den Diebstahl der Krone angeordnet haben, weil er selbst nicht König werden konnte. Beim Diebstahl soll die Krone beschädigt worden sein. Diese Theorie ist aber längst widerlegt, da das Kreuz erst im nächsten Jahrhundert angebracht wurde. Heute wird oftmals gesagt, dass das schiefe Kreuz ein Zeichen für die Demut vor Gott ist.
Insgesamt war die Stephanskrone auf dem Haupt von 55 Regenten zu finden, welche längst nicht alle Ungarisch waren. Aufgrund der europäischen Herrschaftsfamilien wanderte die Krone oftmals an Herrscher aus anderen Ursprungsländern so wie zum Beispiel an die Habsburger in der späten Renaissancezeit. In der kurzen Zeit, als die Krone nach dem Zweiten Weltkrieg in die U.S.A. gebracht wurde, wurde sie sogar im weltberühmten Fort Knox Tresor aufbewahrt und strengstens bewacht. Es bestand zur damaligen Zeit sogar die Möglichkeit, dass die Vereinigten Staaten die Stephanskrone behalten würden und selber in einem Museum ausstellen würden, was aber zu einem internationalen Aufschrei führte.
Die Stephanskrone ist heute gut geschützt im Budapester Parlament zu betrachten, sie erscheint aber auch an vielen anderen Orten im Land. Wenn man sich zum Beispiel eine ungarische Flagge mit dem Landeswappen ansieht, dann entdeckt man auf dem Wappen die Krone. Auch die ungarische Währung besitzt etliche Münzen und Scheine, auf denen das Wappen und die Krone abgebildet sind. Sogar auf Lebensmittelverpackungen und anderen Produkten wird die Krone als Symbol Ungarns verwendet. Es ist daher unmöglich während einem Urlaub in Ungarn die Krone nicht zu entdecken, vielmehr kann sogar zur eigenen Unterhaltung gezählt werden, wie oft sie einem begegnet.
Zusammenfassung:
Aufgrund ihrer Geschichte und ihres Alters ist die Stephanskrone zurecht das wichtigste Symbol Ungarns. Die Menschen verbinden mit ihr bis heute Gottes Gnaden, der über die Ungarn und ihr Land wacht. Obwohl es im Lauf der Geschichte etliche Vorfälle gegeben hat, bei denen die Krone fast für immer verloren gegangen wäre, hat sie es nach Kriegen und Besatzungen immer wieder zurück nach Ungarn geschafft. Inzwischen ist sie auch im ersten Absatz der neuen Verfassung erwähnt wodurch sie für immer als Teil des Staates Ungarn verewigt ist. Ein Besuch im Parlament sollte während einem Aufenthalt in Budapest also unbedingt getätigt werden um das wichtigste Erbstück der ungarischen Geschichte zu sehen.
Weitere relevante Informationen
Original Ungarischer Name: Szent Korona
Aufbewahrungsort: Kuppelsaal des Budapester Parlaments
Bedeutung: Historisches Element des Königreiches Ungarn / Wertvollster Landesschatz / Symbol für die Gnade Gottes
Beschreibung der Stephanskrone mit zahlreichen Bildern (Englisch):
Bildquellen und Bildrechte:
(1) mek.oszk.hu/04700/04727/html/img/magyars_i_19.jpg
(2) Ecseri János, 2008, Creative Commons 3.0
(3) Qorilla, 2009, Creative Commons 3.0
(4) David Liuzzo, 2006, Creative Commons 3.0
Rechte:
© by www.Urlaub-Ungarn.at (Stand 2015, H)
