Die Gedenkstätte an die Opfer des Konzentrationslager Recsk

Das Arbeitslager von Recsk und der Gedenkpark

Gleichzeitig waren 1500 Menschen in den Baracken untergebracht, einzelne Quellen sprechen von 30000 Häftlingen pro Jahr (1)
Die rekonstruierten Gebäude sollen ein Bild vermitteln, wie das gesamte Lager ausgesehen hat (2)
Im Gedenkpark wird an die Opfer dieses Ortes erinnert, die zu unrecht inhaftiert oder getötet wurden (3)
Das Museum klärt über den Lageralltag auf, aber auch über psychologische Elemente dieser Kolonie (4)

Einleitung:

Nur wenige Kilometer westlich von der berühmten Stadt Eger ist die kleine Gemeinde Recsk zu finden. Die Ortschaft im Mátra Gebirge erscheint auf den ersten Blick mit einigen wenigen Sehenswürdigkeiten als typisch für die Region, jedoch steht südwestlich der Siedlung eine der wichtigsten Orte der europäischen Erinnerungskultur. Das Arbeitslager Recsk, welches auch oftmals als Konzentrationslager Recsk bezeichnet wird, wurde nämlich südwestlich von Recsk betrieben. Das in den 50er Jahren eröffnete Straflager wurde von der kommunistischen Diktatur dafür verwendet, politische Gegner zu inhaftieren und zu töten. Der heutige Gedenkpark beim Arbeitslager Recsk erinnert einerseits an den Terror des sowjetischen Regimes, andererseits wird an alle Todesopfer und Gefangene gedacht, die innerhalb der Wachzäune ein unvorstellbares Grauen erleben mussten.

Geschichte:

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der sowjetische Staatsapparat sehr schnell in Ungarn etabliert. Die Mitglieder der ungarischen Staatssicherheit begannen bald angebliche Gegner des sowjetischen Systems zu enttarnen und sie zu exekutieren oder wegzusperren. Als am Ende der 1940er Jahre die städtischen Gefangenenlager nicht mehr ausreichten, wurden landesweit ungefähr 100 Straflager errichtet. Das berüchtigtste der ungarischen Konzentrationslager war das Arbeitslager von Recsk, das oftmals auch als "ungarisches Gulag" bezeichnet wurde. Am 19. Juli wurde das Todeslager eröffnet und die ersten Gefangenen wurden eingeliefert.

Schon in den ersten Monaten ihres Aufenthaltes mussten die Gefangenen des Arbeitslager Recsk ihre Wohnquartiere selbst errichten, wodurch die ersten 5 Barracken entstanden. Die Herkunft der Gefangenen war unterschiedlich, so gab es zum Beispiel ethnische Gruppen wie Ungarn und Ukrainer, aber auch zahlreiche jüdische Gefangene. Die Existenz des Lagers wurde geheim gehalten, die Angehörigen der Lagerinsassen wurden niemals kontaktiert. In den folgenden Monaten gab es mehrere Fluchtversuche, doch die Sicherheitsmaßnahmen und die schwerbewaffneten Wärter hinderten die Menschen oftmals an der Rettung in die Freiheit. Einer der prominentesten Flüchtlinge war Gyula Michnay, der erfolgreich nach Wien floh und vom Lager berichtete.

Nachdem das Arbeitslager Recsk in der Öffentlichkeit bekannt wurde, wuchs der zivile Protest gegen den ungarische Gulag stetig. Als der sowjetische Diktator Stalin im Jahr 1953 verstarb, ordnete der spätere Ministerpräsident der ungarischen Revolution Imre Nagy die Schließung des Lagers an. Die Gefangenen wurden zum größten Teil frei gelassen, ihr Besitz wurde aber mehrmals in ihren Heimatstädten konfisziert. Das Lager selbst wurde komplett abgebaut, so drohte der Ort in Vergessenheit zu geraten. Nach der politischen Wende im Jahr 1990 wurde ein Komité damit beauftragt, die Erinnerungskultur an die Opfer entstehen zu lassen. Teile des Lagers wurden nach den Erzählungen der Überlebenden wieder aufgebaut und ein Gedenkpark wurde zusätzlich errichtet. Heute ist das Arbeitslager von Recsk ein Ort der Erinnerung, ähnlich wie es heutzutage auch in den deutschen Konzentrationslagern betrieben wird.

Lageralltag:

Während den drei Betriebsjahren im Arbeitslager Recsk waren gleichzeitig immer rund 1500 Gefangene untergebracht, was die Lagerkapazität drastisch überschritt. Die politischen Gegner hatten zwei tägliche Aufgaben, nämlich die Errichtung von neuer Lagerinfrastruktur und den Bergbau aus dem nahegelegenen Steinbruch. Täglich mussten die Arbeiter weit über 14 Stunden schwerste körperliche Arbeit tätigen, die Nahrungszufuhr von 1000kcal reichte hingegen nicht einmal um 2 Stunden Arbeit zu decken. Nach der täglichen Arbeit mussten die Insassen in den winzigen Baracken übernachten, während die Wärter im nahegelegenen Schloss Barkóczy wohnten.

Die Chance, das Arbeitslager Recsk lebend zu verlassen, war für die meisten Gefangenen verschwindend gering. Viele Menschen starben durch Hunger, da die täglichen Rationen auf Dauer unzureichend waren. Etliche Minenarbeiter wurden wegen der mangelnden Sicherheitsmaßnahmen im Steinbruch von Geröll erschlagen und zerquetscht. Eine ebenfalls ständige Bedrohung ging von den Wärtern aus, die Gefangene aus verschiedensten Gründen exekutierten, da die Mitglieder der Staatspolizei auch oftmals während dem Dienst betrunken waren. Die vielseitigen Bestrafungen seitens der Wärter wurden in der Strafbaracke und im Wasserloch umgesetzt, wo die Opfer unvorstellbare Qualen erlitten. Das Massengrab des Konzentrationslagers konnte bis heute nicht gefunden werden, daher konnte bis heute nicht einmal eine angenäherte Todezahl festgelegt werden.

Heutiger Zustand:

Nach der Gründung des Erinnerungskomités an das Arbeitslager Recsk wurde überlegt, welche Teile der ehemaligen Infrastruktur wieder errichtet werden sollten. Da besonders die Überlebenden sich gegen eine Kompletterrichtung des Lagers wehrten, wurden nur einzelne und symbolische Strukturen neu errichtet. Besucher können heute eine Baracke besichtigen, sowie einen der ehemaligen Wachtürme. An verschiedenen Stellen sind auch die Stacheldrahtzäune an ihren ursprünglichen Plätzen neugebaut worden. Eine detaillierte Karte zeigt alle Gebäude, die während dem Betrieb genutzt wurden und erst beim Anblick dieser Karte werden die tatsächlichen Ausmaße des Konzentrationslagers ersichtlich.

Ausstellung:

An verschiedenen Orten innerhalb des Arbeitslager Recsk stehen Bilder und Informationstafeln zur Verfügung, die das Lagerleben beschreiben. Es werden Geschichten von Überlebenden erläutert, sowie Bestrafungsmethoden und Foltertechniken der Wärter erklärt. In der Baracke sind die Schlafstätten zu sehen, die aus einfachen Holzelementen bestehen und pro Bett einige Menschen untergebracht waren. Zusätzlich zu den Opfern wird auch der Alltag der Wärter zusammengefasst und die typische Uniform sowie die Bewaffnung aufgezeigt. An mehreren Stellen des Lagers sind ungarische Kokarden und Schleifen zu sehen, an denen die Namen mancher Opfer eingenäht sind. Bei besonderen Veranstaltungen und Führungen werden die einzelnen Gebäudeteile detailliert präsentiert und auch gezeigt, welche Arbeiten die Gefangenen täglich verrichten mussten.

Gedenkpark:

Neben dem tatsächlichen Arbeitslager Recsk wurde auch ein Gedenkpark errichtet, dessen zentrales Element eine Skulptur ist. Das Mahnmal ist ein abstraktes Kunstwerk, welches unter anderem auf die Arbeit im Steinbruch hinweist. Auch hier sind zahlreiche Kränze und Kokarden zu finden, die an die Opfer erinnern. Der offene Park lädt zu einem reflektorischen Spaziergang ein, bei dem die Erlebnisse des Lagers verarbeitet werden können. Richtung Süden führt eine kleine Straße zum Steinbruch, der heute industriell bearbeitet wird. Ein Spaziergang zur Baustelle zeigt wie weit die Gefangenen täglich Ressourcen tragen mussten, um die Arbeit fortführen zu können.

Zusammenfassung:

Das sowjetische Gulagsystem sowie die Arbeitslager der Satellitenstaaten forderten nach derzeitigen Schätzungen über 30 Millionen Menschenleben. In Ungarn wurden in mehreren Konzentrationslagern Menschen inhaftiert, misshandelt und exekutiert, wobei das Arbeitslager Recsk einer der grausamsten Orte der Staatspolizei war. Menschen verschiedenster Ethnien und religiöser Glaubensrichtungen wurden einer Tortur ausgesetzt, die im Europa des 21. Jahrhunderts nicht mehr vorstellbar sind. Es wird oftmals gesagt, dass die Entdeckung des geheimen Konzentrationslagers im Norden Ungarns einer der Hauptgründe war, warum wenige Jahre später die ungarische Revolution 1956 stattfand. Besucher des Arbeitslager Recsk werden daher aufgefordert den Gedenkpark und das Lager selbst mit gebührendem Respekt zu behandeln. Für die Überlebenden bleiben aber nicht nur die Erinnerungen des Schreckens, sondern auch ein Verband, mit dem neue Generationen über die damaligen Umstände aufgeklärt werden, damit Lager wie das Arbeitslager Recsk nie wieder eröffnet und betrieben werden können.

Weitere relevante Informationen

Original Ungarischer Name: Recski Munkatábor

Öffnungszeiten: Der Gedenkort ist vom 1. Mai bis zum 30. September jeden Tag von 09:00 Uhr bis 17:00 Uhr geöffnet. Das restliche Jahr über ist der Ort nur Samstags und Sonntags offen und schließt bereits um 15:00 Uhr.

Eintritt: Erwachsene 300Ft / Studenten und Senioren 300Ft

Zugang: Der Gedenkpark liegt südlich von Recsk und ist daher nur mit einem Auto oder einem Fahrrad gut erreichbar. Ein Spaziergang vom Hauptplatz von Recsk zum Gedenkort dauert rund 45 Minuten

Informationen: Beschilderungen stehen in Ungarisch zur Verfügung, Broschüren und Führungen stehen in weiteren Sprachen zur Verfügung

Karte des Arbeitslagers Recsk

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Bildquellen und Bildrechte:

(1) VT, 2007, Creative Commons 3.0

(2) Both Előd, 2011, Creative Commons 3.0

(3) Both Előd, 2011, Creative Commons 3.0

(4) Both Előd, 2011, Creative Commons 3.0

Rechte:

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