Die St. Michael Kathedrale in Veszprém
Einleitung:
Es ist unter vielen Besuchern der westungarischen Stadt Veszprém bekannt, dass die ehemals mittelalterliche Stadt den Titel "Stadt der Königinnen" trägt. Dies ist unter anderem auf den Einfluss der ersten ungarischen Königin Gizella zurückzuführen, die schon kurz nach der Gründung des Königreiches Ungarn einen besonderen Fokus auf die Stadt nahe dem Balaton legte. Einer der bedeutendsten Vermächtnisse aus der Zeit der Königin ist die St. Michael Kathedrale, oder auch Kathedrale von Veszprém, inmitten des Burgviertels, die nicht nur das Zentrum des heutigen Erzbistums von Veszprém bildet, sondern nach Ansicht verschiedener Forscher sogar die älteste Kathedrale Ungarns ist. Zweifelsohne ist dieses historische Gebäude nicht nur eine berühmte städtische Sehenswürdigkeit, sondern auch ein Eckpfeiler der christlich ungarischen Geschichte.
Geschichte:
Die Erbauung der Kathedrale von Veszprém im 10. Jahrhundert bildete eine landesweite Rarität, da Ungarn erst im Jahr 1000 offiziell als christliches Königreich etabliert wurde. Schon im Jahr 1001 wurde in einem Dokument der Benediktinerabtei von Pannonhalma die Kathedrale erwähnt, wodurch sie zurecht als ältestes Gebäude ihrer Art in Ungarn bezeichnet werden kann. Den Ruf als eines der christlichen Zentren des Landes erhielt Veszprém sicherlich wegen ihrer Kathedrale, welcher auch in den folgenden Jahrhunderten gewahrt wurde.
Obwohl der Zeitraum der Erbauung der St. Michael Kathedrale von Veszprém heute ungefähr bekannt ist, konnte bis heute die Frage nicht beantwortet werden, wer den Bau in Auftrag gab. Verschiedene Hinweise deuten darauf hin, dass Königin Gizella höchstpersönlich den Auftrag erteilte, eine Kathedrale im Namen des Erzengels Michael zu errichten, jedoch wurde bis heute kein eindeutiger Beweis hierfür gefunden. Für die Bewohner der Stadt und der Erzdiözese ist diese Theorie aber die beliebteste, wodurch die Kathedrale bis heute einer der meistbesuchten Pilgerorte für die Angehörigen des römisch-katholischen Glaubens ist. Während die Frage der Auftraggeber nicht geklärt werden konnte, ist die restliche Geschichte des Bauwerks sehr genau dokumentiert.
In den 1380 Jahren zerstörte ein Stadtbrand die Kathedrale von Veszprém und innerhalb der nächsten 20 Jahre wurde das christliche Bauwerk in einem gotischen Stil neu errichtet. Bis zum 18. Jahrhundert blieb die Architektur auch erhalten, erst ab diesem Zeitraum wurden die gotischen Elemente durch zeitgemäßere barocke ersetzt. Im Jahr 1907 wurde Sándor Aigner damit beauftragt die Kathedrale in einen neoromanen Stil zurückzubauen, der der ursprünglichen Kirche weitaus näher kam. Diese letzte architektonische Änderung wurde bis heute beibehalten. Im Jahr 2005 begannen moderne Restaurationsarbeiten, bei denen die Kathedrale ihren ursprünglichen Glanz erhielt und somit als stolzes Wahrzeichen des Burgviertels präsentiert werden konnte.
Außenarchitektur:
Im Norden des Burgviertels gelegen ist die St. Michael Kathedrale von Veszprém zweifelsohne das imposanteste Gebäude des Hauptplatzes. Da das religiöse Gebäude an kein benachbartes Bauwerk angebunden ist, erhebt es sich von den umliegenden Häusern. Die Hauptfassade ist nach Süden ausgerichtet, während die imposanten Zwillingstürme in westliche Richtung blicken. Der neoromane Stil erinnert an die Einfachheit der Kirchen im 10. Jahrhundert und die Cremefarbenen Außenwände bilden zu den schwarzen Dächern einen angenehmen Kontrast. Schon bei einem kleinen Rundgang um die Kathedrale fallen die außergewöhnlichen Fenster auf, die verschiedene ungarische Herrscher repräsentieren. Als ungewöhnliches Element kann der Haupteingang der Kirche bezeichnet werden, der im betreffenden Abschnitt nicht symmetrisch platziert wurde und daher die Gesamtsymmetrie des Bauwerks beeinflusst.
Räumlichkeiten:
Im Inneren der Kathedrale von Veszprém befindet sich die eigentliche Pracht des christlichen Gebäudes. Der neoromanische Stil ist auch im Hauptschiff beibehalten, dessen Säulen und Wände in vollem Glanz erstrahlen. Bei einem Blick auf die Decke wird das imposante Gewölbe sichtbar, welches von Holzbalken getragen wird. In Richtung Osten erhebt sich der Hauptaltar, der über mehrere Treppen erreicht werden kann. In die entgegengesetzte Richtung sind die Kirchenbänke zu sehen, die mit großem Aufwand restauriert wurden und gleichzeitig bei den Gottesdiensten verwendet werden.
Neben dem Hauptschiff weist die St. Michael Kathedrale von Veszprém insgesamt zwei Nebenräume und eine Unterkirche auf. In den Nebenräumen sind Altäre zu finden, die zum Beispiel der Heiligen Maria und dem Heiligen Georg gewidmet sind. Innerhalb der Räumlichkeiten sind zahlreiche Kunstwerke und Fresken zu finden, die biblische aber auch geschichtliche Ereignisse darstellen. Von den Räumen können auch die Glasfenster wiederentdeckt werden, die bei einfallendem Sonnenlicht ihre wahre Schönheit zeigen. Gleich in der Nähe des Altars führen Stufen in die Unterkirche hinunter, in der die Denkmäler von hiesigen Bischöfen besichtigt werden können, von denen jenes von Bischof Péter Beriszló am bekanntesten ist.
Reliquie von Gizella:
Da Königin Gizella bis heute als Auftraggeberin der Kathedrale von Veszprém angesehen wird, kann ihre Reliquie in Form eines Unterarmknochens im Hauptschiff betrachtet werden. Es ist eine interessante Tatsache, dass der wertvolle Knochen erst im Jahr 1996 ihren Aufbewahrungsort wechselte. Das in Bayern liegende Kloster Niedernburg übergab damals die Reliquie, nachdem die katholische Kirche in Ungarn sich nach der politischen Wende wieder entfalten konnte. Heute wird sie in einer Glasvitrine im Altarbereich aufbewahrt und gilt als wichtigster Schatz der gesamten Sammlung. Jedes Jahr kommen abertausende Pilger zur Reliquie, um sie zu begutachten und an die erste Königin Ungarns zu gedenken, die übrigens aus Bayern kam.
Kirchenalltag:
Als Zentrum der Erzdiözese Veszprém ist die Kathedrale von Veszprém längst nicht nur eine beliebte Sehenswürdigkeit, sondern auch eine aktive Kathedrale. Als sie im Jahr 1981 von Papst Johannes Paul II. in den Rang einer "Basilica Minor" erhoben wurde, konnte sich der katholische Glaube langsam wieder etablieren. Seit der Wende finden regelmäßige Gottesdienste statt, zu denen alle Besucher herzlich eingeladen sind. Mit einer jahrhundertealten Konzerttradition werden aber auch verschiedenste Künstler eingeladen, um ihre musikalischen Kompositionen zu präsentieren. Hauptsächlich in den Sommermonaten finden unter anderem zahlreiche Orgelkonzerte statt, bei denen die einzigartige Akustik des Hauptschiffes genossen werden kann, während die erfahrenen Orgelspieler ihr Talent präsentieren.
Zusammenfassung:
Die Bewohner von Veszprém bezeichnen ihre Kathedrale schon seit Jahrhunderten als bedeutendstes religiöses Bauwerk der Stadt und anhand der vielfältigen und vor allem weit zurückreichenden Geschichte ist die Aussage auch durchaus gerechtfertigt. Die Kathedrale von Veszprém bildet nicht nur ein Fundament des ungarischen Christentums, sondern sie gilt auch als älteste Kathedrale des Landes, wenn frühchristliche Kirchen außer Acht gelassen werden. Die freundliche Architektur lädt zu einem Rundgang in den Räumen des Bauwerks ein, die ein Kunstwerk nach dem anderen aufweisen und ein prachtvolles Gesamtambiente kreieren. Die wöchentlichen Gottesdienste sowie die Sommerkonzerte bilden eine Kombination aus Tradition und zeitgenössischer Kultur, wodurch die St. Michael Kathedrale von Veszprém längst nicht nur ein Gebäude ist, sondern das Herz und die Seele des hiesigen katholischen Glaubens. Auch wenn Gizella bis heute nicht als Bauherrin bestätigt werden konnte, so wacht sie in Form der Reliquie über ihre Kirche, die wahrlich einer der schönsten und wichtigsten Orte der Stadt ist.
Weitere relevante Informationen
Original Ungarischer Name: Veszprémi Szent Mihály Bazilika
http://veszpremiersekseg.hu/Öffnungszeiten: Die Kirche ist von Dienstag bis Sonntag jeden Tag von 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr geöffnet. Am Montag können die Öffnungszeiten abweichen
Eintritt: Kein Eintrittspreis, eine kleine Spende ist aber erwünscht
Zugang: Die Basilika befindet sich am Nordende des Burgviertels und kann daher zu Fuß sehr gut erreicht werden. Privatfahrzeuge können das Viertel jedoch nicht befahren
Informationen: Beschilderungen stehen in Ungarisch zur Verfügung, Broschüren und Führungen stehen in weiteren Sprachen zur Verfügung
Karte der Kathedrale St. Michael in Veszprém
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