Das einzige ungarische Atomkraftwerk mit geschichtlichem Museum

Das sehenswerte Paks Atomkraftwerk

Das Nuklearmuseum ist direkt am Gelände vom Atomkraftwerk Paks zu finden und lädt zu einem informativen Besuch ein (1)
Der schön gestaltete Garten beherbergt einige Skulpturen rund um ungarische Wissenschaftler und die Atomenergie (2)
Innerhalb des Museums erhalten Gästen ein guten Überblick über die Geschichte der Kernenergie (3)
Vom Museum aus können die Reaktoren begutachtet werden, bei angekündigten Führungen kommt man ihnen auch näher (4)

Einleitung:

Ungarn besitzt eine enorme Vielzahl an unterschiedlichsten Sehenswürdigkeiten, die jährlich besucht werden. Manche dieser Sehenswürdigkeiten sind Gebäude und Monumente, andere wiederum Kunstwerke und natürliche Sehenswürdigkeiten. Die mittelungarische Stadt Paks weist einige traditionelle Orte auf, sowie zum Beispiel Museen und Denkmäler. Seit ungefähr dreißig Jahren ist die Stadt aber für eine Sehenswürdigkeit bekannt, die nicht nur ungewöhnlich ist, sondern auch seit ihrer Entstehung mit dem Namen der Stadt verbunden ist. Das Atomkraftwerk Paks ist nicht nur ein voll funktionsfähiges Atomkraftwerk, sondern auch ein Museumszentrum rund um die Kernenergie, das jährlich von immer mehr Besuchern besichtigt wird, um mehr über die Atomspaltung und die Geschichte des Kraftwerkes zu erfahren.

Geschichte:

Nach zahlreichen Forschungsprojekten wurde in den 1950er Jahren bestätigt, dass Kernfissionsenergie nicht nur eine hocheffiziente Alternative zu fossilen Kraftwerken wie Kohlekraftwerken ist, sondern auch eine CO2-freundliche Energiegewinnung darstellt. In Ungarn wurde in den 1960er Jahren beschlossen ein Atomkraftwerk zu errichten, um den stetig steigenden Energiebedarf des Landes decken zu können. Nach der Bestätigung der Pläne begann im Jahr 1967 eines der größten ungarischen Bauprojekte des 20. Jahrhunderts, das über 20 Jahre lang dauerte. Vom ersten Spatenstich an wurden die einzelnen Bauphasen des Paks Atomkraftwerkes strengstens überwacht, da auch kleinste Fehler später für Katastrophen sorgen konnten.

Um die Fertigstellung im Jahr 1987 wurden die vier Reaktoren des Paks Atomkraftwerkes nach und nach gestartet und schon bald wurde fast die Hälfte des nationalen Strombedarfs mit der Energiequelle gedeckt. Nach der politischen Wende befürchteten sowohl Ungarn als auch internationale Experten, dass die sowjetischen Reaktoren den damals aktuellen Sicherheitsstandards nicht mehr nachkommen würden. Aus diesem Grund wurde 1997 eine Großrenovierung durchgeführt, die die Sicherheit des Atomkraftwerkes massiv verbesserte. Die internationale Atomenergiebehörde lobte das Werk sogar in höchsten Maßen, da es zu einem der sichersten Kernkraftwerke der Welt wurde.

Der einzige nennenswerte Zwischenfall des Paks Atomkraftwerkes ereignete sich am 10. April 2003. Bei der Reinigung von Brennelementen trat radioaktives Gas aus und die Brennelemente mussten wegen einer Beschädigung entfernt werden. Die professionell ausgebildeten Angestellten reagierten richtig und es wurden weder Mitarbeiter noch Zivilisten verletzt. Die Gase wurden isoliert und gefiltert, wodurch die Strahlung rund um das Atomkraftwerk den Wert der natürlich auftretenden Strahlung nicht überschritt. Während Experten das rasche und richtige Handeln Ungarns lobten, entstand in zahlreichen Medien ein übertriebener Aufschrei, obwohl der Zwischenfall auf einer Skala von 7 Gefahrenstufen gerade einmal mit dem zweitniedrigsten Platz eingestuft wurde. Seit 2007 wurden alle Fehler behoben und das Kraftwerk verbuchte in seiner fast 30-jährigen Geschichte nur einen Zwischenfall, bei dem niemand verletzt wurde und die Umwelt nicht belastet wurde.

Heutige Bedeutung:

Das Atomkraftwerk Paks ist bis heute einer der größten Energielieferanten des Landes. Um die Sicherheit zu gewährleisten, werden das ganze Jahr über Tests durchgeführt, die eventuelle Strahlungsabweichungen detektieren. Die inzwischen optimierten sowjetischen Reaktoren besitzen eine Lebensdauer bis ungefähr 2020, wodurch beschlossen wurde neue Reaktoren zu errichten, die nicht nur den höchsten weltweiten Sicherheitsstandards entsprechen, sondern bei erheblich höheren Leistungen weitaus weniger Atommüll produzieren. Der jährliche Atommüll von weniger als 500 kg wird in Ungarn endgelagert, bis neue Technologien für ein effizientes Recycling ausreichen.

Leistung und CO2 Ersparnis:

Die 4 Druckwasserreaktoren des Atomkraftwerk Paks erzeugen eine Leistung von 2000 MW, die ausreichen, um fast das halbe Land mit Strom zu versorgen. Die Kühlung erfolgt mit einem Seitenarm der Donau und die Energieproduktion kann je nach Energiebedarf angepasst werden. Im Gegensatz zu Kohlekraftwerken erzeugt das Kernkraftwerk fast keine CO2 Emission, wodurch die Umwelt geschont wird und über 15 Millionen Tonnen an C02 jährlich eingespart werden. In den kommenden Jahren strebt Ungarn einen Anteil von 25% an Alternativenergien an während gleichzeitig die Leistung des neuen Kraftwerkes rund 75% des Strombedarfs abdecken wird. Wenn diese Anteile kombiniert werden, dann wird Ungarn zu einem der CO2-freundlichsten Länder der EU. Gleichzeitig ist mit einem stabilen Kraftwerk auch eine hohe Stromstabilität umsetzbar.

Ausstellung:

Gleich beim Besucherzentrum des Paks Atomkraftwerkes befindet sich das Nuklearmuseum, welches Besucher über drei Hauptaspekte informiert. Der erste Aspekt beschreibt die Regionalgeschichte von Paks und erklärt, wie aus einem kleinen Fischerdorf ein wirtschaftliches Zentrum wurde, das etlichen Menschen Arbeitsplätze zur Verfügung stellt. In der nächsten Museumsektion wird einerseits die allgemeine Geschichte der Nuklearenergie erläutert, andererseits der Bau des hiesigen Kraftwerkes zusammengefasst. In Zeittafeln wird zum Beispiel erklärt welchen Beitrag ungarische Wissenschaftler wie Leó Szilárd oder János Neumann zur Atomphysik leisteten. Danach wird Schritt für Schritt der Prozess der kontrollierten Atomspaltung erklärt und die zur Verfügung stehenden Informationen und Bilder ermöglichen es auch diesen Prozess zu verstehen, wenn man kein Atomphysiker ist.

Der letzte Anteil des Paks Atomkraftwerkes Museums beschäftigt sich mit den Themen Energieeffizienz und Radioaktivität. So wird zum Beispiel erklärt, dass Menschen aufgrund von natürlicher Strahlung weitaus mehr belastet werden, als in Krankenhäusern oder in der Nähe von Atomkraftwerken. Die Informationen sind objektiv und qualitativ hochwertig, da nicht nur die Vorteile dieser Energiequelle behandelt werden sondern auch Probleme wie die Lagerung des Atommülls und Reaktorkatastrophen wie Tschernobyl. Es werden pro Tag Führungen angeboten, über Lautsprecher können Besucher aber ebenfalls Informationen in vier verschiedenen Sprachen erhalten, zu denen auch Deutsch gehört.

Führungen:

Neben dem Museum bietet das Atomkraftwerk Paks auch Führungen innerhalb des Werkes an. Bei diesen einzigartigen Touren erhalten Gäste einen Einblick in den hiesigen Arbeitsalltag und lernen Räume wie die Kommandozentrale kennen. Es können aus der Ferne auch die Reaktorräume betrachtet werden während einer der Angestellten die einzelnen Orte und Geräte erklärt. Für die Führung sind natürlich keine Strahlenschutzanzüge notwendig, skeptische Besucher können auch einen Vorher/Nachher Dosistest durchführen lassen. Diese Führungen sind insbesondere für technisch interessierte Gäste empfehlenswert, die das Innenleben eines solchen Kraftwerkes kennen lernen möchten. Für eine Buchung müssen Gruppen aber mehrere Wochen vor der Ankunft einen Termin ausmachen, da die Anlage in erster Linie ein Energiebetrieb ist.

Zusammenfassung:

Als das Touristenzentrum des Atomkraftwerk Paks im Jahr 1995 eröffnete, war man sich nicht sicher ob viele Besucher kommen würden. Heute besuchen täglich hunderte Gäste das Museum und jährlich finden auch mehrere Führungen statt. Die Möglichkeit ein Atomkraftwerk zu besuchen stellt für viele Menschen einen besonderen Reiz dar, da es im eigenen Land nicht möglich ist diese zu besuchen oder es gar keins gibt. Das Museum präsentiert einen sehr guten Überblick über die friedliche Nutzung der Kernenergie und berichtet gleichzeitig über die Regionalgeschichte. Es kommen längst nicht nur Techniker und Physikstudenten zum Atomkraftwerk von Paks, da die Atomenergie ein häufig auftauchendes Thema ist. Das Nuklearmuseum und die Gruppenleiter bieten zahlreiche Grundinformationen und überlassen den Besuchern die Entscheidung, wie diese Fakten und Tatsachen beurteilt werden. Nichtsdestotrotz werden aber auch Legenden rund um die Kernenergie, die nicht stimmen, aufgedeckt und sachlich erläutert.

Weitere relevante Informationen

Original Ungarischer Name: Paksi Atomerömü

http://www.atomeromu.hu/en/Lapok/default.aspx

Öffnungszeiten: Das Museum des Atomkraftwerks ist von Montag bis Freitag von 08:00 Uhr bis 15:00 Uhr geöffnet. Am Samstag ist es von 09:00 Uhr bis 13:00 Uhr geöffnet. Sonntags ist das Museum geschlossen. Führungen durch das Betriebsgelände müssen mindestens zwei Wochen vorher angekündigt werden

Eintritt: Kein Eintrittspreis

Zugang: Die Anlage des Atomkraftwerks befindet sich südlich der Stadt Paks. Vom Stadtzentrum aus kann man das Museum mit dem Auto oder mit dem Fahrrad gut erreichen, zu Fuß ist die Distanz etwas zu groß

Informationen: Beschilderungen stehen in Ungarisch und Englisch zur Verfügung, Broschüren und Führungen stehen in weiteren Sprachen zur Verfügung

Karte des Atomkraftwerkes in Paks

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