Die Boldogköer Burg bei Sárospatak

Die Burg Boldogkö (Boldogköi Vár)

Der längliche Felsvorsprung hat die gesamte Architektur der Burg Boldogkö beeinflusst (1)
Nicht nur die Mauern sind länglich, sondern auch der Burgfried und die angehängten Gebäude wurden dementsprechend errichtet (2)
Einer Legende nach soll die Burg von einem alten Mann errichtet worden sein, der König Béla IV. vor den Tataren rettete (3)
Am Ende des Felsvorsprungs kann man eine wunderschöne Aussicht auf die Umgebung genießen (4)

Einleitung:

Ein ganz besonderer Vertreter der ungarischen Burgen ist die Burg Boldogkö. Sie befindet sich im Nordosten Ungarns, nur wenige Kilometer von der slowakischen Grenze entfernt und auch nur wenige Kilometer von Miskolc entfernt. Besucher der Burg können sie bereits von der Ferne aus sehen, jedoch werden viele Gäste zunächst glauben, dass es sich um einen Gebäudekomplex handelt, der auf einen kleinen Hügel errichtet wurde. In wirklich steht die Burg Boldogkö auf einem sehr schmalen Felsvorsprung, der der Festung eine besondere Form verliehen hat, was aber nur einer der Gründe ist, warum sich diese ehemalige Wehranlage langsam aber stetig in einen Touristenmagneten verwandelt.

Geschichte:

Die Errichtung der Burg Boldogkö ist bis heute mit einer besonderen Legende verbunden. Angeblich soll König Béla IV. nach einer Schlacht gegen die Tataren auf der Flucht gewesen sein, jedoch holten ihn die Verfolger langsam ein. Ein alter Mann sah den König und bot ihm an, ihn zu verstecken, während ihn die Tataren suchten. Als die Tataren auftauchten stellte sich der alte Mann taub und so zogen die Invasoren weiter. König Béla wurde gerettet und konnte nach Buda zurückkehren, woraufhin er dem alten Mann viel Land gab, jedoch als Bedingung die Errichtung einer Burg stellte, die der alte Mann auch erfüllte.

Die tatsächliche Geschichte geht in dieselbe Zeitepoche zurück, jedoch trennen sich hier die Wege von der Legende und der Wahrheit. Der genaue Baubeginn der Burg wurde bis heute nicht ermittelt, jedoch wird bei der Fertigstellung vom späten 13. Jahrhundert ausgegangen. Tyba, der Sohn von Jaak, erhielt die Erlaubnis von König Béla IV. eine Burg in der Region zu errichten. Die ursprünglich mittelalterliche Burg wurde in den nächsten Jahrhunderten umgebaut, dies ist auf die Tatsache zurückzuführen, das die Besitzer der Burg ständig wechselten und so nie ein Geschlecht lange die Burg Boldogkö besaß.

Mal war es die Familie Brankovics, mal die Familie Bebek, aufgrund von politischen und wirtschaftlichen Aktionen wechselte die Burg Boldogkö ständig die Besitzer. Im Jahr 1701 wurde die Burg auf kaiserliche Anordnung gesprengt, nachdem sie über all die Jahre keine nennenswerte Belagerung erlebte. Ab diesem Zeitpunkt wurde sie als Ruine überlassen und erst im Jahr 1960 wurden erste archäologische Arbeiten begonnen. Im Jahr 2002 wurde die Burg vom Staat aufgekauft und seitdem erlebte sie eine Wiedergeburt, bei der nicht nur große Teile der Festung renoviert wurden, sondern auch Ausstellungen und Programme für Touristen hinzugefügt wurden.

Heutiger Zustand und Burgteile:

Wenn die Einwohner der nahegelegenen Siedlung Boldogköváralja gefragt werden, ob sich seit 2002 an der Burg Boldogkö etwas geändert hat, dann sagen diese oftmals, das sie nie gedacht hätten, dass aus einer zerstören Ruine so ein schönes Bauwerk werden könnte. Es wurden nicht nur Mauern und Gebäudeteile restauriert, sondern auch etliche weitere Elemente wie Dächer und Palisaden. Die oberen Endabschnitte der Mauern wurden bewusst nicht repariert, damit Besucher sehen können, wie die Ruine vor der Reparatur ausgesehen hat. Damit die einzelnen Abschnitte der Burg begehbar sind, wurden verschiedene Treppen und Brücken errichtet, die von allen Altersklassen genutzt werden können, ohne waghalsig klettern zu müssen.

Wegen dem länglichen Felsvorsprung besitzt die Burg Boldogkö eine einzigartige Form. Der längliche Burgfried wird von einer ebenfalls länglichen Mauer umgeben, die mittelalterliche Strukturen besitzt. Am südlichen Teil der Anlage ist der große Verteidigungsturm zu finden, welcher unter anderem Ausstellungen beinhaltet. Jenseits des Turms verläuft der Felsvorsprung noch für einige Meter weiter, jedoch besitzt er nur noch eine Breite von etwas über 2 Metern. Dieser Abschnitt ist ebenfalls begehbar und führt zu einem kleinen überdachten Bereich der damals für die Erholung oder die Überwachung genutzt wurde. Die Burg kann nur durch das einzige Burgtor begangen werden, jedoch müssen Gäste hier nur wenige Höhenmeter bewältigen.

Ausstellungen:

Insgesamt 9 Ausstellungen informieren die Besucher der Burg Boldogkö über die verschiedensten Themen, wobei es neben den klassischen Burgausstellungen auch Ausstellungen über moderne Themen gibt. Zu den Burgausstellungen gehört zum Beispiel die Waffenkammer, die Kriegsgeräte aus den aktiven Jahren der Burg zeigt. In der Folterkammer werden Foltermaschinen vorgestellt und im Wappenraum erhält man einen Überblick über die Fahnen und Wappen der Familien, die die Burg besessen haben. Sehr interessant ist auch die Geldfälscherschmiede, denn auf der Burg Boldogkö wurde tatsächlich auch Geld gefälscht. Diese Ausstellungen sind innerhalb der Burgräume aufgeteilt und sind entweder im Erdgeschoss oder im Obergeschoss.

Zu den modernen Ausstellungen der Burg Boldokö gehört zum Beispiel eine Mineraliensammlung, die Gestein aus der Region, aber auch aus ganz Ungarn präsentiert. Des Weiteren ist auch die größte zusammenhängende Zinnsoldatenausstellung Mitteleuropas in den Gemäuern der Burg zu finden. In dieser epischen Anordnung etlicher hundert Zinnsoldaten werden mittelalterliche Schlachten zwischen den Ungarn und den Tataren dargestellt. Aufgrund der Liebe zum Detail sind nicht nur Kinder von der Aufstellung begeistert, sondern auch Modellfreunde. Im Keller der Burg entdecken Besucher auch die Statue von István Borsós, einem ehemaligen Gymnasialdirektor. Somit wird eine Kombination aus Geschichte und Moderne geschaffen.

Burgspiele:

Die Burgspiele der Burg Boldogkö finden normalerweise jedes Jahr Ende März statt. Während diesem Ereignis werden alle Bewohner der Umgebung, aber auch Gäste, mit Herolden und Reitern zu den Spielen eingeladen, die ein Mittelalterfest und Vorführungen beinhalten. Innerhalb der Burg finden aber auch kulturelle Ereignisse wie Musikkonzerte oder Theatervorführungen statt. Ein ganz besonderes und auch gleichzeitig an Romantik nicht zu überbietendes Angebot ist eine Burghochzeit. Hierbei wird die gesamte Burg ausgeschmückt und danach wird die feierliche Zeremonie innerhalb der Burgmauern abgehalten. In den warmen Sommermonaten können Besucher auch das Bogenschießen oder das Reiten üben. Nach ein paar mittelalterlichen Aktivitäten lädt auch das hauseigene Restaurant zu einer Stärkung ein.

Zusammenfassung:

Seit der Übernahme im Jahr 2002 hat sich die Burg Boldogkö in einen der schönsten Sehenswürdigkeiten der Region entwickelt. Die Restaurationen werden teilweise in kleinen Schritten immer noch durchgeführt, doch allein die jetzige Burg ist eine Quelle der Kultur, der Geschichte und der Unterhaltung. Egal ob man sie tagsüber besucht, oder sie abends aus der Ferne aufgrund der kreativen Beleuchtung sieht, diese Burg wurde oftmals als eine der schönsten Burgen Ungarns bezeichnet. Ein Besuch in der Burg Boldokö ist nicht nur ein unterhaltsamer Ausflug, sondern auch eine Möglichkeit, die architektonische Besonderheit der Burg Glücklichstein, wie die Ungarn zu ihr sagen, zu bestaunen.

Weitere relevante Informationen

Original Ungarischer Name: Boldogköi Vár

http://var.boldogkovaralja.hu/

Öffnungszeiten: Die Burg ist vom 1. April täglich von 08:00 Uhr bis 19:00 Uhr geöffnet und schließt im Winter ihre Pforten

Eintritt: Erwachsene 800Ft / Kinder und Senioren 400Ft

Zugang: Mit einem Fahrzeug kann die Burg schnell erreicht werden, auch zu Fuß ist die Distanz zur Ortschaft nicht groß

Informationen: Beschilderungen sind auf Ungarisch vorhanden, auf Anfrage kann eine Führung in einer anderen Sprache organisiert werden

Karte der Burg Boldogkö

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Bildquellen und Bildrechte:

(1) Szvitek Péter, 2011, Creative Commons 3.0

(2) Hogyisne, 2008, GNU Lizenz

(3) fm2, 2010, Creative Commons 3.0

(4) fm2, 2010, Creative Commons 3.0

Rechte:

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