Die Burg Visegrád (Visegrádi Vár)
Einleitung:
Das Donauknie ist einer der schönsten natürlichen Sehenswürdigkeiten Ungarns. Hier biegt die Donau in einem beinahe perfekten 90°-Winkel von Osten nach Süden ab und erzeugt dadurch eine außergewöhnliche Struktur. Dieser Ort faszinierte schon die Römer wodurch die Besiedelung dieses Ortes schnell begann. Heute steht auf einem der Berge in dieser Region die sogenannte Burg Visegrád, welche im Ungarischen als Fellegvár (Oberburg) bezeichnet wird. Sie wird von vielen Touristen als eine der schönsten Burgen des Landes bezeichnet, wobei neben der Burg selbst die Aussicht auf die Umgebung am beeindruckendsten ist.
Geschichte:
Warum die Burg Visegrád als Oberburg bezeichnet wird, ist aus ihrer Geschichte ersichtlich. Schon nach der Landnahme der Magyaren im späten 9. Jahrhundert begannen die Einwohner des Gebietes kleinere Festungen zu bauen. Bei der Invasion der Tataren wurden diese Anlagen aber vollkommen zerstört. Daher ordnete König Béla IV. im Jahr 1246 an beim Donauknie eine Verteidigungsanlage zu errichten. Dabei entstand ein erster Wehrturm, welcher heute als Salomonturm bekannt ist, der aber nicht Teil des heutigen Burggeländes war. Dieser Turm wurde nicht auf der Bergspitze, sondern unter der Bergspitze errichtet. Im Lauf der Jahre erhielt Visegrád eine immer größere Bedeutung, wodurch auch die Festungsanlagen erweitert wurden.
Im 14. Jahrhundert wurde die untere Burg mit einer oberen Burg erweitert, welche fortan als Oberburg bezeichnet wurde. Da sie mehrere Hundert Meter voneinander entfernt waren wurde eine Mauer gebaut, die nicht nur beide Burgen verband, sondern auch den gesamten Berg umschloss und bis zum Donauufer reichte. Wegen ihrer Länge wird diese Mauer daher auch manchmal als chinesische Mauer Ungarns bezeichnet. Die vielen Vorbereitung und Erweiterungen stellten sich als gute Investition heraus, als die Osmanen 1544 die Burgen belagerten. Nach der ersten Schlacht wurde der Salomonturm schwer beschädigt und die Türken schafften auch die Einnahme der Burg. In den nächsten Jahren wechselte die Oberburg mehrmals die Besitzer.
Die letzte große Belastung musste die Burg Visegrád 1685 erleben, als die Türken die Burg das letzte Mal angriffen. Danach wurde sie als nicht mehr brauchbar erklärt und bis auf die Oberburg und den Salomonturm blieb fast nichts mehr von der einst stolzen Festung übrig. Erst 1960 wurde die Burg archäologisch untersucht und es fanden auch erste Ausgrabungen statt. Seit der Wende konnten richtige Untersuchungen durchgeführt werden, doch die Geschichte der Burg war so vielfältig, dass noch längst nicht alle Details bekannt geworden sind. Während die Burg auch als touristische Attraktion eröffnet wurde, werden immer wieder Forschungsarbeiten durchgeführt, welche sicherlich noch etliche Jahre andauern werden.
Heutiger Zustand und Burgteile:
Von der einst mächtigen Burg Visegrád sind heute nur noch wenige Teile zu finden. Von der damaligen Unterburg sind noch der Salomonturm und einige Mauerreste geblieben. Im Vergleich dazu ist die Oberburg relativ gut erhalten. Aufgrund von Rekonstruktionsarbeiten wurden Elemente wie Dächer wieder hinzugefügt und auch Wegabschnitte erneuert. Besucher merken aber eindeutig, dass von der ursprünglich viel größeren Anlage oftmals nur noch Mauern und Grundrisse erhalten geblieben sind. Die große Mauer rund um den Berg lässt sich von weitem nur noch erahnen, da von ihr fast nichts mehr übrig geblieben ist. Daher ist auch die Oberburg das touristische Zentrum.
Die Burg Visegrád kann nur über das Burgtor betreten werden, welches damals die einzige Einlassmöglichkeit jenseits der Mauer war. Der Komplex besteht aus drei Verteidigungsebenen. Die äußerste Mauer war Teil der großen Mauer und bot dahinter Platz für verteidigende Truppen. Die mittlere Mauerschicht ist doppelt so hoch wie die Erste und erschwerte es den Belagerern in den Burgfried zu gelangen. In der innersten Verteidigungsreihe ist der Burgfried samt Nebengebäuden zu finden, der heute aber zum größten Teil offen ist. Die Nebengebäude des Burgfrieds werden daher heute für die verschiedenen Ausstellungen genutzt, während die Ruine offen begangen werden kann.
Ausstellungen:
Die Burg Visegrád bietet mit insgesamt 5 Ausstellungen verschiedene Informationen über die Burggeschichte und die Regionalgeschichte. In der burggeschichtlichen Ausstellung wird anhand von Karten, Zeichnungen und Modellen erklärt, wie sich die Burg in den Jahrhunderten entwickelt hat und wer in der Festung gelebt hat. Das Panoptikum erklärt mit Figuren und Originaldokumenten das Königstreffen aus dem Jahr 1335. In diesem Jahr trafen sich die Könige von Ungarn, Polen und Böhmen in Visegrád, um eine Allianz gegen die Habsburger zu bilden. Dieses treffen führte viele Jahrhunderte später auch zur heutigen Visegrád Gruppe, die politische und wirtschaftliche Themen bespricht und auch durchsetzt.
Eine weitere Ausstellung der Visegrád Burg bildet die Rekonstruktion der originalen Burg, die heute maßstabsgetreu darüber aufklärt, wie gewaltig die Maueranlage eigentlich war. Eine kleine Ausstellung widmet sich auch der Stephanskrone, die im Mittelalter eine Zeit lang in Visegrád verweilte. Ein beachtlicher Anteil der Exponate setzt sich auch mit dem Jagen und der Falknerei der Region auseinander. Beide Aktivitäten waren seit dem frühen Mittelalter bekannt und insbesondere die Falknerei besitzt in Ungarn eine jahrtausendlange Tradition. Bei der Ausstellung wird darauf verwiesen wie die Jagd damals erfolgt ist und welche Tiere gejagt wurden, damit den Herrschern genügend Fleisch zur Verfügung stand.
Burgspiele:
Da die Burg Visegrád täglich von hunderten Gästen besucht wird, ist es schwierig große und mehrtätige Burgspiele zu veranstalten. Aus diesem Grund haben die Eigentümer der Anlage beschlossen, lieber kleine Programmaktivitäten anzubieten. So ist es zum Beispiel möglich das Bogenschießen zu üben, oder ein wenig auf einem mittelalterlichen Ross zu reiten. Diese Angebote werden hauptsächlich für Familien mit Kindern angeboten, aber viele erwachsene Besucher haben schon ihre Bogenschießkünste bei einer Demonstration sehr überschätzt. An wärmeren Tagen finden auch mehrmals täglich kleinere Schaukämpfe statt, bei denen Ritter gegeneinander antreten und um die Ehre und den Sieg kämpfen und dabei natürlich authentisch gekleidet sind.
Zusammenfassung:
Somit war die Burg Visegrád einst ein historisches Zentrum des ungarischen Adels und der internationalen Kooperation im Mittelalter. Heute ist sie ein Zentrum des ungarischen Tourismus und jährlich besuchen abertausende Gäste aus der ganzen Welt diesen besonderen Ort. Die Burg begeistert nicht nur Geschichtsinteressierte, sondern auch Familien mit Kindern und Naturfreunde. Nach einer Besichtigung der Ausstellung ist ein Ausblick auf die Umgebung sehr empfehlenswert, da von hier aus das gesamte Donauknie überblickt werden kann. Viele Besucher haben bereits gesagt, dass dieser Ausblick auf der Burg Visegrád einer der schönsten Aussichten im gesamten Land ist und das hier die Schönheit Ungarns sich vollends entfaltet.
Weitere relevante Informationen
Original Ungarischer Name: Visegrádi Vár / Fellegvár
Öffnungszeiten: Die Burg ist von März bis Ende April täglich von 09:00 Uhr bis 17:00 Uhr geöffnet, von Mai bis September schließt die Burg erst um 18:00 Uhr, im Oktober ist sie wiederum bis 17:00 geöffnet und das restliche Jahr über öffnet sie um 10:00 Uhr und ist bis 16:00 Uhr geöffnet
Eintritt: Erwachsene 1700Ft / Kinder und Senioren 850Ft
Zugang: es stehen direkt neben der Burg Parkplätze für Privatfahrzeuge und Busse zur Verfügung, zu Fuß ist die Entfernung zum Stadtzentrum relativ groß
Informationen: Beschilderungen sind auf Ungarisch vorhanden, auf Anfrage kann eine Führung in einer anderen Sprache organisiert werden
Karte der Burg Visegrád
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Bildquellen und Bildrechte:
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(2) www.mng.hu/en/search/691, Public Domain
(3) uzo19, 2006, Creative Commons 3.0
(4) Kontiki, 2009, Creative Commons 3.0
Rechte:
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