Einleitung:
In der näheren Umgebung der ungarischen Hauptstadt Budapest gibt es einige Orte und Städte, die als Ausflugsziel für einen Tag ideal geeignet sind. Einer dieser Orte ist die nordöstlich gelegene Stadt Gödöllö, die lange Zeit als Sitz des Adels und der Königsfamilie galt. Diesen exquisiten Ruf erhielt sie hauptsächlich wegen ihrer berühmtesten städtischen Sehenswürdigkeit, nämlich dem Schloss Gödöllö, das auch häufig als Schloss Grassalkovich bezeichnet wird. Der enorme Prunkbau war für Jahrzehnte der Sitz der ungarischen Königsfamilie und heute gilt sie als wichtige Quelle der ungarischen Kultur und Kunst. Besucher von Schloss Gödöllö können in den unzähligen Räumen sowohl Ausstellungen genießen, als auch Veranstaltungen beiwohnen, die natürlich dem den hohen Ansprüchen des Anwesens entsprechen.
Geschichte:
Es ist dem Aristokraten Antal Grassalkovich I. zu verdanken, dass das Schloss Gödöllö heute besichtigt werden kann. Er gab nämlich den Bauauftrag für seine Privatresidenz im Jahr 1735 auf und schon wenige Jahre später war das Grundgebäude bewohnbar. Über die Jahre wurden immer weitere Flügel und Räumlichkeiten hinzugefügt, um die Verwaltung des enormen Anwesens zu ermöglichen. Ungefähr 100 Jahre später kaufte der ungarische Staat das Anwesen 1867 auf und es wurde fortan zum Sitz der königlichen ungarischen Königsfamilie. Insbesondere Königin Elisabeth verweilte bekanntermaßen sehr gerne an diesem Ort, aber auch andere Regenten bewohnten den Palast hauptsächlich zur Jagdsaison im Frühling und im Herbst.
Schon bald nach der Unabhängigkeit Ungarns wechselte das Schloss Gödöllö seinen Besitzer und der ungarische Regent Miklós Horthy nutzte den Palast fortan als Sommerresidenz. Während dem 2. Weltkrieg wurde das Schloss zwar nicht zerbombt, marodierende deutsche und russische Soldaten beschädigten die Innenräume aber stark. Unter der sowjetischen Besatzung wurde Gödöllö als Feindbild des Kommunismus deklariert, so versuchten die Besatzer die Stadt mit Fabriken zuzupflastern und das Schloss verkommen zu lassen. Dieses Unterfangen gelang den Sowjets aber nur teilweise, denn ab dem Jahr 1990 begannen aufwändige Restaurationsarbeiten, die die Gebäudeteile heute wieder in ihrem alten Glanz erstrahlen lassen. Seit dem Restaurationsbeginn wurde übrigens ebenfalls beschlossen, dass dieser Ort ein Zentrum für touristische Besucher und Kulturfreunde werden sollte.
Architektur:
Die Pläne für die außergewöhnliche Form des Schloss Gödöllö stammen von Andreas Mayerhoffer, der von Grassalkovich mit dem Bau beauftragt wurde. Der Stil des Gebäudes wurde im Barock gehalten und das gesamte Unterfangen sollte ein Zeichen der Eleganz setzen. Dies gelang auch vorzüglich, denn das U-förmige Gebäude besitzt mit seinen 8 Flügel anhand der bebauten Fläche den Titel des größten Barockschlosses des Landes. Das fertiggestellte Bauwerk war für andere Aristokraten so dermaßen beeindruckend, das im gesamten Land Anwesen nach dem Vorbild des Grassalkovich Schlosses errichtet wurden.
Diese Vorreiterrolle des Schloss Gödöllö ist nicht zuletzt den architektonischen Eigenschaften zu verdanken. Der Haupteingang der Sehenswürdigkeit ist in Richtung Nordosten ausgelegt und kann über eine breite Straße erreicht werden. Von diesem Punkt aus liegen die einzelnen Flügel links und rechts jeweils in 90° Winkeln zueinander, wodurch ein Zickzack-Muster entsteht, das sich symmetrisch in Richtung Südwesten ausbreitet. Eine für ein solches Anwesen seltene Eigenschaft ist die Tatsache, dass der dazugehörige Schlossgarten sich nicht nur im Südwesten befindet, sondern die Grünanlage das gesamte Schloss umgibt, was ein herrliches und idyllisches Ambiente erzeugt.
Schlossteile:
Wie es für europäische Anwesen üblich war benötigte auch das Schloss Gödöllö fast eine Armee aus Bediensteten, um die Infrastruktur aufrecht zu erhalten. Aus diesem Grund wurden die reinen Wohnflächen mit mehreren Schlossteilen erweitert, die jeweils verschiedene Aufgaben erfüllten oder zum Alltag beitrugen. Im Süden des Bauwerks befindet sich zum Beispiel das barocke Theater das von Antal Grassalkovich II. in Auftrag gegeben wurde. Das eigene Theater unterhielt die Besitzer sowie Gäste mit den unterschiedlichsten Aufführungen. Etwas weiter vom Hauptgebäude entfernt liegt der Krönungshügel, auf dem sich der königliche Pavillon befindet. An diesem Ort wurden mehrere Zeremonien durchgeführt, wenn ein neuer Regent in Ungarn ernannt wurde.
Ein weiterer bedeutender Schlossteil ist ebenfalls im Süden des Schloss Gödöllö zu finden, denn hier können der Stall und der Reithof entdeckt werden. Die Reitkultur war auch in Gödöllö sehr stark ausgeprägt, unter anderen wurden die Zuchtpferde für die Jagd und die sportliche Betätigung genutzt. In den nördlichen Gebäuden wurde sowohl eine Kirche betrieben, als auch ein edles Bad und eine Orangerie, in der für damalige Verhältnisse exotische Pflanzen gezüchtet wurden. Als letzten Teil der Anlage wird der Schlosspark bezeichnet, der in den vergangenen Jahren wieder in seine ursprüngliche Form gebracht wurde und damals als Ort der Erholung und der Kreativität galt.
Ausstellungen:
Mit dem Auftrag der Kultur- und Wissensvermittlung bietet das Schloss Gödöllö insgesamt 5 Dauerausstellungen und auch temporäre Ausstellungen an. Die Hauptausstellung "Die Ära Grassalkovich" berichtet mit mehreren Räumen und Exponaten über jene Familie, die die heutige Sehenswürdigkeit errichten ließ. Von der alltäglichen Routine bis zu besonderen Ereignissen erfahren Besucher über die mächtige Aristokratenfamilie. Die "Königin Elisabeth Gedächtnisausstellung" widmet sich der Königin Sissy, die in der ungarischen Bevölkerung durchaus beliebt war. Photographien, persönliche Dokumente und Statuen beleben diese Ausstellung.
Zu den weiteren Dauerausstellungen im Schloss Gödöllö gehört unter anderem jene mit dem Titel "Jahrhunderte, Bewohner und Geschichten". In mehreren Räumen wird die Geschichte des Schlosses selbst präsentiert, wobei ein Fokus auf dem 20. Jahrhundert liegt. In der Habsburger Gemäldegalerie können Freunde der Zeichenkunst die Werke verschiedener Maler genießen, dessen Motive die Mitglieder der Habsburger Familie waren. Einer der jüngsten Ausstellungen bildet der "Horthy-Bunker", der erst 2011 eröffnet wurde. Ende des Zweiten Weltkrieges errichtete man für den Schutz des Regenten und seiner Familien einen bombensicheren Bunker, falls generische Flugzeuge das Schloss zu Ziel hatten. Bezüglich der temporären Ausstellungen variiert die Thematik jedes Jahr, ein Beispiel ist die Franz-Joseph Ausstellung, die sich dem Kaiser und König widmet.
Programme:
Obwohl heute keine Aristokraten mehr eine abwechslungsreiche Unterhaltung fordern, so lädt das Schloss Gödöllö dennoch zu dutzenden Veranstaltungen ein. Im Rahmen der allgemeinen Programme werden Familien und Besucher zu Aktivitäten wie dem Krönungswochenende oder den Barock Schlosstagen eingeladen, um eine Zeitreise in das 18. und 19. Jahrhundert zu machen und den Festivitäten beizuwohnen. Freunde der Kultur können sich auf verschiedene Konzerte und Theateraufführungen freuen, die mehrmals im Monat abgehalten werden. Für besondere Anlässe wird das Schloss manchmal sogar gemietet, um zum Beispiel eine Hochzeit zu feiern oder einen wichtigen Staatsgast zu empfangen. Mit dieser Auswahl ist das ganze Jahr über für jede Altersgruppe etwas dabei.
Zusammenfassung:
Als die Restaurationsarbeiten am Schloss Gödöllö in den frühen 1990er Jahren begannen, war man sich nicht sicher, ob aus dem verfallenen Gebäude ein Touristenzentrum mit einem Kulturschwerpunkt werden könnte. Die weit über 200.000 Besucher pro Jahr haben aber inzwischen gezeigt, dass sich das Anwesen durchaus mit den Sehenswürdigkeiten von Budapest messen kann. Die aufwendigen Planungen haben aus dem Schloss Grassalkovich nicht nur ein Museum gemacht, sondern auch einen lebendigen Ort, an dem Konzerte gegeben werden und Gäste mit Programmtagen beeindruckt werden. Jedes Jahr kommen immer mehr Menschen nach Gödöllö, um sich die berühmte Sommerresidenz anzusehen und auch internationale Gäste finden immer größeren Gefallen daran, die Distanz von 25 Kilometern auf sich zu nehmen, um sich das Bauwerk anzusehen. Damals bildete das Schloss Gödöllö einen Vorreiter der ungarischen Architektur, heute ist es ein malerischer Ort der dazu einlädt die interessanten Ausstellungen zu betrachten oder einfach einen entspannenden Spaziergang im riesigen Schlosspark zu unternehmen.
Weitere relevante Informationen
Original Ungarischer Name: Gödöllöi Királyi Kastély
http://www.kiralyikastely.hu/startseiteÖffnungszeiten: Das Schloss hat je nach Jahreszeiten unterschiedliche Öffnungszeiten. Vom 1. April bis zum 26. Oktober hat das Schloss täglich von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr geöffnet. Das restliche Jahr über ist das Schloss unter der Woche bis 16:00 Uhr geöffnet, am Wochenende schließt es erst um 17:00 Uhr
Eintritt: Erwachsene 2500Ft / Studenten und Senioren 1250Ft
Zugang: Das Schloss befindet sich im Zentrum von Gödöllö und kann somit leicht erreicht werden. Parkplätze stehen zur Verfügung
Informationen: Beschilderungen stehen in Ungarisch und Englisch zur Verfügung, Broschüren und Führungen stehen in weiteren Sprachen zur Verfügung
Karte des Schloss Gödöllö in Gödöllö
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