Die Symbolik des ungarischen Turul Vogels

Der legendäre Turul Vogel

Die erste Erscheinung des Turul Vogels fand angeblich 819 statt
In dieser Zeichnung von Tóbiás Klára träumt Emese vom Turul Vogel, der ihr von ihrem Sohm Álmos erzählt (1)
Im Mittelalter wurde der Turul Vogel gerne als Wappentier verwendet
Árpád, der Anführer der ungarischen Stämme, trägt als Wappentier den Turul Vogel (2)
Markante Merkmale sind die großen Flügel und die Krone auf dem Kopf
Bei Tatabánya steht Ungarns größte Statue eines Turul Vogels, die auch die größte Vogelstatue Mitteleuropas ist (3)
Der Turul Vogel gehört bis heute zur ungarischen Geschichte und zur ungarischen Kultur
Bei einer Festivität in Tiszaújlak feiern die Menschen bei ihrer Statue des Turul Vogels (4)

Einleitung:

Aufgrund der über 1000-jährigen Geschichte Ungarns haben sich im Lauf der Jahrhunderte diverse Mythen und Legenden entwickelt wie manche Geschehnisse stattgefunden haben. In dieser abwechslungsreichen und faszinierenden Mythologie spielt ein mystisches Wesen eine ganz besondere Rolle, nämlich der sagenhafte Turul Vogel. Dieser ist einer der ältesten ungarischen Symbole und Merkmale und wurde durch die ungarische Geschichte getragen und bis heute beibehalten. Auch wenn heute der genaue Mythos nicht mehr genau rekonstruiert werden kann, so ranken sich in ungarischen Geschichtsbüchern die verschiedensten Geschichten rund um den Turul Vogel. Eines ist aber sicher, im heutigen Ungarn wird man als Gast viele Orte entdecken, an denen eine Statue oder eine Zeichnung des Vogels zu sehen ist.

Geschichte:

In der ungarischen Urmythologie spielt der Turul Vogel insgesamt zweimal eine wichtige Rolle. Im ersten Mythos wurde Emese, die Frau von Ügyek, einem Nachfahren von Attila dem Hunnenkönig, im Traum vom Vogel geschwängert. Daraufhin teilte der Vogel mit, dass sie einen Sohn gebären würde, der ein Geschlecht von Königen hervorbringen werde, das ein großes Königreich besitzen würde. Dieses Ereignis soll sich im Jahr 819 ereignet haben. Zusätzlich soll die Mutter im Traum auch einen kristallklaren Fluss geboren haben, der heute oftmals als die Donau interpretiert wird.

Der zweite Mythos handelt von der ungarischen Landnahme selbst. Als die Ungarn einen Ort zum Leben suchten und durch Europa wanderten, wurden sie plötzlich von Falken angegriffen. Die Ungarn versuchten sich zu wehren aber die Falken waren zu flink. Plötzlich tauchte der Turul Vogel auf und tötete einen der Falken woraufhin die anderen Vögel flohen. Die Ungarn wussten, dass sie hier nicht leben wollten, aber sie kannten den Weg zum Vermächtnis Attilas nicht. Daraufhin befahl der Turul Vogel den Ungarn ihm solange zu folgen, bis er aus ihrem Sichtfeld verschwand. So geschah es auch und die ersten Ungarn erreichten und besiedelten das heutige Ungarn.

Ab dem frühen Mittelalter war der Turul Vogel auf verschiedenen Wappen und Kunstwerken zu finden. Er symbolisierte die Stärke Ungarns und die Abenteuer, die die ersten Ungarn bestanden haben, bevor sie in Mitteleuropa ihr Land gründeten. Im Lauf der Jahrhunderte wurde der Vogel zwar ab und zu erwähnt, jedoch verlor er größtenteils an Bedeutung und es schien sogar, dass der Turul Vogel vielleicht als mythisches Wesen aussterben würde. Die globalen Entwicklungen des späten 19. Jahrhunderts ermöglichten aber eine Wiedergeburt des mächtigen Vogels. Bis zu diesen Zeitpunkt wurde seine Legende in Chroniken ungarischer Schreiber festgehalten.

Im späten 19. Jahrhundert erlebte Europa eine Welle des Nationalismus. Staaten wurden ausgerufen und die Länder belebten ihre Kultur und ihre Geschichte wieder. In Ungarn wurde der Turul Vogel neu entdeckt, aus dieser Zeit wurde auch sein Name geprägt. Im ganzen Land wurden Statuen errichtet, die den Vogel darstellen und auch in Kunstwerken wurde das mythische Wesen verewigt. Von damals sind bis heute sehr viele Skulpturen geblieben, die im gesamten Land zu finden sind. Die einzige Periode, in der der Turul Vogel seitdem wieder verschwand, war während der sowjetischen Besatzung, als Individualismus und die eigene Geschichte nicht gerne gesehen waren.

Informationen und Fakten:

Heute versuchen Wissenschaftler in Ungarn zwei wichtige Fragen rund um den Turul Vogel zu klären. Die erste Frage lautet welche Art von Vogel er ist. Laut den chronischen Schriften und den Skulpturen ist er eine Mischung aus Falke und Adler. Seine Flügel sind außergewöhnlich groß und auf seinem Haupt trägt er eine Krone. Einige historische Quellen berichten das er ein Adler war, Experten halten es aber auch für wahrscheinlich, dass er ein Falke war, da die Falknerei in den asiatischen Steppen häufig für die Jagd genutzt wurde und auch in Ungarn eine lange Tradition besitzt. Die Antwort auf diese Frage wird wohl nie eindeutig beantwortet werden können.

Die andere Frage, die sich Wissenschaftler bis heute stellen, lautet woher der Name Turul kommt. Die wahrscheinlichste Namensherkunft für den Turul Vogel liegt in der alttürkischen Sprache. Im Altungarischen gab es wiederum insgesamt drei Wörter, die den Falken beschreiben und eines dieser Worte ist Turul. Dabei wird aber vermutet, dass die Menschen ihn damals gar nicht Turul nannten und sich dieser Name erst im 19. Jahrhundert richtig etabliert hatte. Die Verbindung zum Alttürkischen ist aber plausibel, da zur damaligen Zeit im asiatischen Raum mehrere Sagen gängig waren, in denen große Vögel vorkamen und etwas bewirkten.

Heute ist der Turul Vogel in Ungarn an sehr vielen Stellen zu finden. Er dient zum Beispiel als Wappentier von ungarischen Städten wie Tatabánya. Es gibt auch etliche Statuen, die sich dem sagenumwobenen Tier gewidmet haben. Die berühmteste Statue des Landes ist sicherlich die Turul Statue bei Tatabánya, die übrigens die größte Vogelstatue Mitteleuropas ist. Aber auch in Budapest ist der berühmte Vogel zu finden, zum Beispiel dekorieren sie die Freiheitsbrücke. In ländlichen Gegenden kommt es auch vor, dass der Vogel in Stickereien oder anderen Kunstwerken auftaucht. Daher ist es während einem Urlaub eine nette Beschäftigung nach dem Turul Vogel mit der Krone Ausschau zu halten.

Die heutige Bedeutung des Turul Vogels ist für die Ungarn eindeutig. Das mythische Wesen erinnert an die Anfänge der ungarischen Nation. In Schulen wird über den besonderen Vogel berichtet und ab und zu werden auch Ausflüge zu den Statuen unternommen. Es ist eine Faszination, die bei den Ungarn vorhanden ist, die zum Beispiel der Faszination für das Nibelungenlied in Deutschland ähnelt. Manche assoziieren damit die Heldentaten der Magyaren, andere verknüpfen den Vogel mit dem Königreich Ungarn im Mittelalter. Jede Interpretationsweise lässt ein wenig ungarische Mythik und Geschichte im Herzen der Ungarn weiterleben.

Zusammenfassung:

Der Turul Vogel gehört also zurecht zu den wichtigsten Symbolen des Landes. Immerhin hat er den Sagen nach den Ungarn großartige Könige geschenkt und ihnen auch den Weg gezeigt, wie sie ihr zukünftiges Land finden können. Während einem Aufenthalt in Ungarn entdeckt man nicht nur Statuen, sondern auch kleine Souvenirs mit dem Motiv des Turul Vogels, die oftmals angeboten werden. Er ist aber nicht nur ein touristisches Element, sondern auch Teil der ungarischen Geschichte und der Kultur. Vor über 1000 Jahren ist der Turul Vogel den Ungarn erschienen um sie zu unterstützen und vielleicht wird er eines Tages wieder erscheinen und den Ungarn ein weiteres Mal helfen. Bis dahin kann er als mythologisches Symbol mit einer außergewöhnlichen interpretatorischen Vielfalt entdeckt und erlebt werden.

Weitere relevante Informationen

Original Ungarischer Name: Turul Madár / manchmal nur Turul

Wahrscheinliche Herkunft: Asiatische Mythologie

Berühmte Statuen: Turul Vogel bei Tatabánya / Turul Vögel auf der Freiheitsbrücke in Budapest / Turul Vogel beim Budaer Burgpalast in Budapest

Mythologische Zusammenfassung der Turul Sage (Englisch): 

http://www.hunmagyar.org/mondak/turul.html


Bildquellen und Bildrechte:

(1) Kozma János, 2010, Creative Commons 3.0

(2) Chronicon Pictum, facsimile edition

(3) Gajárszki László, 2006, Creative Commons 3.0

(4) Ujlak, 2011, Creative Commons 3.0

Rechte:

© by www.Urlaub-Ungarn.at (Stand 2015, H)