Der ungarische Nationalfeiertag am 20. August

Der ungarische Nationalfeiertag zur Staatsgründung am 20. August

Unter den ungarischen Feiertagen ist der 20. August sicherlich der älteste und auch traditionsreichste aller Feiertage. Neben dem 15. März und dem 23. Oktober wird der Nationalfeiertag zur Staatsgründung nicht nur landesweit gefeiert, sondern an diesem Tag verwandelt sich das gesamte Land in ein Zentrum der Kultur und der Feierlichkeiten. Der 20. August wird zu Ehren von  König Stephan I. abgehalten, der nicht nur als Gründer des christlichen Ungarns angesehen wird, sondern auch als wichtigster Heiliger des Landes. Vom katholischen Glauben geprägt ist dieser Feiertag das ungarische Symbol für das 1000-jährige Ungarn, dessen Geburtstag immer an diesem Datum gefeiert wird.

Um die Geschichte des Nationalfeiertages am 20. August verstehen zu können ist es notwendig die Gründung Ungarns im späten 10. Jahrhunderts zu betrachten. Das Land war bereits ab dem 9. Jahrhundert von den Magyaren besiedelt, jedoch handelt es sich weder um ein christianisiertes Land, noch um ein Königreich. König Stephan I. schaffte es die magyarischen Stämme zu vereinen und am 20. August 1000 das Königreich auszusprechen. Dieser Schritt ermöglichte nicht nur die Christianisierung des Landes, sondern lieferte auch die Basis für den späteren Erfolg Ungarns als lokale Großmacht in den folgenden 200-300 Jahren. Diese Erfolge veranlassten die katholische Kirche König Stephan, im Ungarischen István Király, zum Heiligen zu erklären.

Nach diesen Ereignissen entwickelte sich der 20. August immer mehr zu einem Nationalfeiertag. Die Bürger waren stolz auf ihre Landesgründung und feierten den Tag mit Aufführungen, kirchlichen Messen und besonderen Veranstaltungen. Nach dem 2. Weltkrieg sahen die sowjetischen Besatzer die Streichung dieses Feiertages vor und wollten den Feiertag auf die Gründung des sozialistischen Ungarns ummünzen, was kläglich gescheitert ist. Nach den ersten freien Wahlen in Ungarn wurde der 20. August sofort zum nationalen Feiertag ausgerufen und die Ungarn konnten ihn seitdem wieder im ursprünglichen Sinne feiern.

Heute ist der 20. August in Ungarn ein Tag, an dem tausende Touristen aus aller Welt nach Ungarn kommen um zusammen mit den Ungarn das Programm und die Kultur zu erleben. Normalerweise ist das Zentrum der Feierlichkeiten Budapest und zu den Programmpunkten gehören kirchliche, politische, künstlerische, kulinarische, kulturelle und familienorientierte Elemente. Die Dauer der Feierlichkeiten beträgt zwei Tage, beginnend mit dem 19. August.

Nachdem der Nationalfeiertag am 20. August ein christlich geprägter Feiertag ist, finden im ganzen Land Messen und Gottesdienste zu Ehren von König Stephan I. statt. Jedes Jahr erhält eine Kirchengemeinde die besondere Ehre, die erhaltene rechte Hand des Königs während Prozessionen präsentieren zu dürfen. Thematisch erinnern die Gottesdienste an die Leistungen des Nationalheiligen und motivieren die Besucher auch für das eigene Leben eine solche Zielsetzung zu besitzen.

Von politischer Seite aus ist es die Aufgabe der Regierung die ungarische Flagge am Parlament zu hissen und der Ministerpräsident hält normalerweise eine Ansprache zum Feiertag, welcher von vielen Menschen verfolgt wird. Generell nutzen praktisch alle politischen Parteien den Tag, um Kundgebungen zu halten und das eigene Parteiprogramm zu präsentieren. Nicht selten wird der Feiertag auch für Demonstrationen aller Art genutzt.

Aus dem kulturellen Bereich bietet der Nationalfeiertag am 20. August eine schier unendliche Auswahl an Aktivitäten. Musikgruppen aus ganz Ungarn treten in Budapest auf und sorgen für eine gute Stimmung. Künstler präsentieren eigene Werke und stellen diese aus und auch Straßenkünstler sind in der Innenstadt tätig. Die wichtigsten Straßen der Stadt dienen während den Feierlichkeiten auch als Orte für Paraden, bei denen die gesamte Familie mitgehen kann und die Show genießen kann.

Der krönende Abschluss des 20. August in Ungarn ist das Feuerwerk am Abend des Staatsfeiertages. Tausende Menschen versammeln sich auf der Kettenbrücke und am Donauufer, um das einzigartige Spektakel zu betrachten. Ganze Feuerwerksarsenale werden von Donauschiffen und vom Gellért Berg abgefeuert, die Groß und Klein beeindrucken. Damit jeder die Festivitäten genießen kann, ist der 20. August in Ungarn ein arbeitsfreier Tag.

Zusammenfassend ist der Nationalfeiertag am 20. August einer der schönsten Tage in Ungarn. Die Menschen erinnern sich an die großartigen Leistungen von König Stephan I. und schöpfen damit auch für das eigene Leben neue Kraft, um sich zu beweisen. Mit der Programmvielfalt in Budapest und in den anderen ungarischen Städten verwandelt sich das gesamte Land in ein rot-weiß-grünes Meer aus Kultur und Spektakeln zudem auch alle ausländischen Gäste eingeladen sind, die mit den Ungarn den 20. August und die damit verbundene Staatsgründung feiern möchten.