Die auf dem Káptalan Hügel stehende Kathedrale in Györ

Die historische Basilika von Györ

Das dreischiffige Gebäude nimmt einen großen Teil des Káptalan Hügels ein
Mit einem Erbauungszeitraum aus dem 11. Jahrhundert gehört die Basilika zu den ältesten Bauwerken von Györ (1)
Im Innenbereich können diverse Kunstwerke bestaunt werden
Die Herme des Heiligen László ist ein Nationalschatz, der einen bedeutenden Beitrag zur Erforschung des mittelalterlichen Ungarns leistete (2)
Der überragende Turm wurde erst später zur Kirche dazugebaut
Nach ihrer letzten Modifikation erhielt die Kathedrale eine klassizistische Außenfassade, die heute in einem hellem Weiß erstrahlt (3)
Neben Gottesdiensten werden hier auch viele Hochzeiten abgehalten
Als Gotteshaus des Bistums von Györ ist dieses religiöse Gebäude ein Zentrum des katholischen Glaubens (4)

Einleitung:

Für den im Westen Ungarns dominierenden katholischen Glauben ist Györ ein besonderes Zentrum. Hier befindet sich nämlich das traditionelle Bistum von Györ, welches seinen Sitz in der Bischofsburg hat. Gleich neben der beachtlichen Burg steht das geistliche Zentrum des Bistums, das als Basilika von Györ oder als Kathedrale von Györ bekannt ist. Das klassizistische Bauwerk weist eine beeindruckende Geschichte auf und die inneren Räumlichkeiten beherbergen zahlreiche Fresken, Statuen, aber auch eine außergewöhnliche Reliquie. Während einem Besuch in der Altstadt von Györ ist die Basilika schon von weitem zu sehen und aufgrund ihrer Grundfläche nimmt sie auch einen großen Teil des Káptalanhügels ein.

Geschichte:

Die Entstehung der Basilika von Györ beginnt gleichzeitig mit der Entstehung des Bistums. Als im Jahr 1001 der päpstliche Segen für das Glaubenszentrum in Györ erteilt wurde, begannen die Bürger die Quartiere für den Bischof zu errichten und gleichzeitig die notwendige Kirche zu bauen. Das im romanischen Stil fertiggestellte Bauwerk wurde während der Tatarenstürme im 13. Jahrhundert vollkommen niedergebrannt und anschließend in einem gotischen Stil neu errichtet. Im 15. Jahrhundert führte Bischof Orbán weitere Modifikationen durch und nach dem Abschluss der Arbeiten wurde die Kirche in mehreren Schriften als eine der schönsten des Landes deklariert.

Leider zerstörten die Osmanen die einstige Struktur der Basilika von Györ, wodurch der erste der beiden neuen Kirchentürme 1529 hinabstürzte und der zweite im Jahr 1580. Die militärischen Konflikte stellten schon bald in Frage, ob die ursprüngliche Kirche überhaupt noch gerettet werden konnte, aber ab 1639 erlebte das Bauwerk eine Wiedergeburt. Der italienische Architekt Giovanni Batista Rava wurde damit beauftragt die Kirche in einem barocken Stil zu restaurieren, was ihm bis 1645 auch hervorragend gelang. Nur 35 Jahre später beschloss Bischof György Széchényi einen Zwiebelturm errichten zu lassen, der bis heute betrachtet werden kann. 1780 hingegen wurde der brillante Künstler Franz Maulbertsch damit beauftragt die Innenwände mit Fresken und Malereien zu verschönern.

Da die Basilika von Györ nach dem Angriff der Osmanen nie wieder zerstört wurde, konnten die Erweiterungen und Verschönerungen planmäßig durchgeführt werden. Im Jahr 1969 wurden zahlreiche Grabungen und archäologische Untersuchungen durchgeführt, um die Vergangenheit des Bauwerks komplettieren zu können. Das bedeutendste Datum innerhalb des 20. Jahrhunderts war für das Bistum sicherlich das Jahr 1996, als Papst Johannes Paul der Zweite, den Rang des Gotteshauses in jenen einer "Basilica Minor" erhob, und Györ fortan ihre eigene Basilika besaß. Zu Ehren des 1000 Jährigen Bestehens des Bistums wurden innerhalb der Basilika von Györ im Jahr 2001 zahlreiche Veranstaltungen abgehalten.

Außenarchitektur:

Die gotische Vergangenheit der Basilika von Györ ist an ihrer Außenfassade noch eindeutig zu sehen. Die westliche Fassade wird vom Klassizismus geprägt, der massive Rahmen vor dem Turm wurde als Sicherheit errichtet, da der Zwiebelturm über die Jahre instabil wurde. Auf der östlichen Seite ist ein halbrunder Bau zu sehen, der die Apsis der ursprünglichen romanischen Kirche bildet. Der gotische Einfluss ist hauptsächlich im Fensterbereich zu sehen, wo sich auch die handgemachten und künstlerischen Glasfenster befinden. Daher lohnt es sich einen Rundgang um die Basilika zu machen, bevor die inneren Räumlichkeiten betrachtet werden, da man gleich erkennen kann, welche Bereiche im Lauf der Jahrhunderte an die dreischiffige Kirche hinzugefügt wurden.

Räumlichkeiten:

Beim Betreten der Basilika von Györ erstrahlt der Hauptraum sofort in hellen Farben. Die Marmorsäulen trennen den Raum in drei Bereiche und am östlichen Ende ist bereits der Altar zu sehen, der mit Gold verziert ist, und sich der heiligen Jungfrau Maria widmet. Im selben Bereich steht auch die Apsis der ursprünglichen Kirche, die erst bei den Restaurationsarbeiten 1969 rekonstruiert werden konnte und den damaligen Stil aus dem 11. Jahrhundert prägt. Bei einem ersten Rundgang fallen Besuchern sofort die zahlreichen Statuen auf, die allgemeine und ungarische Heilige repräsentieren.

Besonders wertvoll sind innerhalb der Basilika von Györ die Kunstwerke von Franz Maulbertsch. Die wunderschönen Fresken erzählen Ausschnitte aus dem Leben Jesu Christi und aus der ungarischen Geschichte. Ein sicherlich einzigartiges Element befindet sich im nördlichen Abschnitt der Kirche, wo eine Abbildung von Maria steht, die Tränen aus Blut weint. Das Kunstwerk wurde 1655 aus Irland nach Györ gebracht, wo es bis zum heutigen Tag verweilt. Im Süden befindet sich die Héderváry Kapelle, die ebenfalls zu den späteren Zubauten gehört. Hier liegt Bischof Apor Vilmos, der im Zweiten Weltkrieg von russischen Truppen exekutiert wurde und seitdem als Märtyrer gefeiert wird.

Herme des Heiligen László:

In der Héderváry Kapelle befindet sich auch ein Objekt, dass von vielen als der wertvollste Besitz der Basilika von Györ bezeichnet wird. Die Herme des Heiligen László ist eine Kombination aus Reliquie und Kunstwerk, wodurch sie sowohl für Forscher als auch für die Kirche eine große Rolle spielt. Der 1095 verstorbene König László wurde 1192 Heilig gesprochen, wodurch sein Körper umgebettet wurde. Während sein Körper begraben wurde, nahm man den Schädel des Heiligen, um ihn in eine Reliquie zu verwandeln. Deshalb entstand die heute sichtbare Herme, die zwar wie eine Maske aussieht, in ihrem Inneren aber der Schädel des damaligen Königs noch immer aufbewahrt wird.

Basilika der Hochzeiten:

Für viele werdende Ehepaare gibt es keinen schöneren Ort für eine Traumhochzeit, als eine ehrwürdige Kirche. Da die Basilika von Györ dieses Kriterium sehr gut erfüllt, finden in den Sommermonaten Samstags diverse Hochzeiten statt. Für eine solche Veranstaltung muss man manchmal schon im Vorjahr reservieren, da die Kirche schon seit langem als die Basilika der Hochzeiten bekannt ist. Für Touristen wird während den Zeremonien normalerweise die Eingangstür offen gelassen, damit sie sich für eine kurze Zeit den Ablauf ansehen können. Die Besucher werden aber selbstverständlich gebeten keinen Lärm zu verursachen und sich auch nicht die gesamte Kirche anzusehen, bis die Gesellschaft die Kirche verlässt.

Zusammenfassung:

Für ein Bistum mit einer über 1000 Jährigen Geschichte ist die Basilika von Györ ein sehr würdiger Vertreter des katholischen Glaubens. Trotz der häufigen Verwüstungen ist es gelungen die Kirche weiter zu betreiben und die Ernennung zur Basilika bildete die Belohnung für die Standhaftigkeit. Für die Besucher gibt es verschiedene Aspekte, die erkundet werden können, so gibt es für Freunde der Architektur die verschiedenen Baustile, während Kunstfreunde die zahlreichen Fresken und Kunstwerke betrachten können. Zusätzlich kann auch eine Reliquie betrachtet werden, die jährlich für etliche Pilger ein außergewöhnliches Ziel darstellt. Für manche Menschen ist die Basilika von Györ ein Zentrum des Glaubens, für andere ein architektonisches Meisterwerk, egal welche Ansicht man selbst besitzt, das religiöse Gebäude sollte während einem Stadtbesuch auf jeden Fall besichtigt werden, um dessen Vergangenheit kennen zu lernen.

Weitere relevante Informationen

Original Ungarischer Name: Györi Bazilika

Adresse: Káptalan Domb / 9021 Györ

Geographische Koordinaten: Breitengrad 47.689016 / Längengrad 17.631433 oder 47°41'20.5"N / 17°37'53.2"E

Meereshöhe: 122 Meter

Telefonnummer: +36 9631 5681

E-Mail: ehivatal@gyor.egyhazmegye.hu

Webseite: http://gyor.egyhazmegye.hu/szekesegyhaz

Öffnungszeiten: Die generellen Öffnungszeiten liegen das ganze Jahr über jeweils zwischen 08:00 - 12:00 Uhr und 14:00 - 18:00 Uhr. Bei besonderen Anlässen wie Gottesdiensten oder Hochzeiten können diese Zeiten variieren

Eintritt: Kein Eintritt, eine kleine Spende wird aber gerne gesehen

Zugang: Zu Fuß ist das Gebäude sehr schnell erreicht, der Káptalanhügel ist nämlich inmitten des touristischen Zentrums der Stadt. Parkmöglichkeiten sind zwar vorhanden, jedoch meistens besetzt

Informationen: Es stehen keine expliziten Beschilderungen zur Verfügung, jedoch können Führungen organisiert werden

Karte der Basilika von Györ


Bildquellen und Bildrechte:

(1) © Urlaub-Ungarn.at

(2) 2006, uzo19, Creative Commons 3.0

(3) © Urlaub-Ungarn.at

(4) © Urlaub-Ungarn.at

Rechte:

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