Das Hortobágyer Museum über die Hirtengeschichte

Das interessante Hirtenmuseum in Hortobágy

Einleitung:

Die ungarische Gemeinde Hortobágy, welche sich im Herzen der Puszta befindet, ist ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, wie aus einer verträumten Ortschaft ein touristisch relevantes Ziel werden konnte. Neben einem Wellness Hotel und einigen Sehenswürdigkeiten bildet das Hirtenmuseum von Hortobágy ein tragendes Element der Kulturvermittlung. Das Museum ist gleich in mehreren Aspekt außergewöhnlich, da nicht nur die heutigen Exponate viel über das Leben in der Puszta preisgeben, sondern auch das Museumsgebäude selbst schon zu jenen Zeiten erbaut wurde, über die berichtet wird. Mit zahlreichen Investitionen wurde aus einem kleinen Regionalmuseum ein touristisch wertvolles Zentrum geschaffen, das bei einem Besuch in Hortobágy nicht ausgelassen werden darf.

Geschichte:

Auch wenn die Geschichte der Gemeinde Hortobágy schon etliche Jahrhunderte alt ist, so entstand das klassisch wirkende Hirtenmuseum von Hortobágy in seiner heutigen Form erst im frühen 21. Jahrhundert. Der Grund hierfür ist sehr naheliegend, denn Hortobágy war seit der Gemeindegründung eine einfache Siedlung für Landwirte und Hirten. Ab dem 17. Jahrhundert wurde die Hortobágyer Steppe für die Tierzucht genutzt und aufgrund der klimatischen und geographischen Bedingungen mussten die Menschen schon immer sehr einfallsreich sein, wenn es darum ging hier leben zu können. Diese ländliche Tradition machte es erst möglich, dass das Wissen und die Kultur innerhalb des heutigen Museums präsentiert werden konnten.

Im späten 20. Jahrhundert wurden dann die ersten Überlegungen für das Hirtenmuseum von Hortobágy getätigt. Zunächst wurde der Nationalpark Hortobágy im Jahre 1973 gegründet, was zahlreiche Besucher in die Ortschaft führte. 1999 wurden die Puszta und Hortobágy sogar zum Weltkulturerbe ernannt und in dieser Zeit wurde auch das Museum eröffnet. Die Exponate konnten schnell gefunden werden, da viele Bewohner der Ortschaft noch historische Werkzeuge und Photos aus dem 19. Jahrhundert besaßen. Um das Jahr 2010 wurden zahlreiche Sehenswürdigkeiten in der Region erneuert und auch das Hirtenmuseum von Hortobágy erhielt mit neuen audiovisuellen Elementen ihren heutigen Schliff.

Museumsgebäude:

Während zahlreiche Museen für Ausstellungen gebaut werden müssen, nutzt das Hirtenmuseum von Hortobágy ein authentisches Gebäude aus der Zeit der ungarischen Hirten. Ursprünglich wurde das im 19. Jahrhundert errichtete Museumsgebäude nämlich als Unterstellplatz für Peerdekarren verwendet. Während in der Ortschaft öfters Märkte veranstaltet wurden, nutzten Reisende aus der Umgebung das längliche Gebäude, um ihre Transportmittel verstauen zu können. Der Stil der Fassade und des Daches verweist ebenfalls auf die damalige Architektur. Die Wände sind einfach und weiß gehalten, während das Dach dunkle Dachziegel aufweist. Interessanterweise besteht das Dach nicht aus Schilf, obwohl das für die damalige Zeit das bevorzugte Material war.

Ausstellung:

Das Hirtenmuseum von Hortobágy legt einen großen Schwerpunkt auf das regionale Leben im 19. Jahrhundert. Diesen Zeitraum kann man als Blütezeit der Pusztahirten bezeichnen, da nicht nur die wirtschaftlichen Leistungen beachtlich waren, sondern sich auch kulturelle Elemente letztendlich in der Bevölkerung verankerten. Aus dieser Zeit stammen viele künstlerische Hommagen an die romantischen Steppen und die einsam umherziehenden Hirten. Neben dieser Interpretation verweist das Museum aber auch auf den Einfallsreichtum der Hirten, ohne den die Tierzucht wahrscheinlich unmöglich gewesen wäre. Schon kleinste Fehler konnten in der Puszta zum Verlust von Tieren führen und es kam auch durchaus vor, dass unerfahrene Hirten ihr Leben lassen mussten. Diese Aspekte des Alltags werden detailgetreu beschrieben und erläutert.

Innerhalb der Ausstellung des Hirtenmuseums von Hortobágy gibt es eine Kombination von authentischen Exponaten und lebensgroßen Puppen, die verschiedene Tätigkeiten symbolisieren. Die Exponate sind teilweise über 200 Jahre alt und wurden für viele Jahre von ihren Besitzern verwendet. Es kommt nicht selten vor, dass einige Bewohner der Ortschaft eine Führung geben und den Gästen erklären, wie manche Werkzeuge funktionieren und wofür man bestimmte Gegenstände benötigte. Gleich beim Eintritt ins Museum werden Besuchern die kleinen Strohhütten auffallen, die damals in kalten Nächten überlebenswichtig waren. Zusätzlich zu den traditionellen Ausstellungsstücken erweitern Fernseher, Audiokommentare und Bilder den Museumsbesuch.

Ein weiterer wichtiger Aspekt des Hirtenmuseums von Hortobágy ist der Einblick in das soziale Gefüge der Puszta. Die wichtigsten Menschen waren natürlich die Landwirte und Hirten, aber auch in dieser Gesellschaftsschicht gab es eine klar definierte Hierarchie. Je nach Beruf gab es vier Ränge, die man  im Normalfall nach der Berufswahl auf Lebenszeit erhielt. In absteigender Reihenfolge kamen zunächst der Pferdehirte oder Csikós, dann der Rinderhirte oder Gulyás, danach der Schafshirte oder Juhász und letztendlich der Schweinehirte oder Kondás. Auch wenn diese Hierarchie heute längst nicht mehr existiert, so erklärt das Museum die damaligen Traditionen und sozialen Aspekte.

Csikós Ausstellung:

Die Ausstellung vom Hirtenmusem von Hortobágy beschäftigt sich thematisch stark mit dem Csikós oder Pferdehirten. Wie bereits erwähnt erlangten Menschen, die diesen Berufszweig wählten, einen besonderen gesellschaftlichen Rang. Mit dem großen Ruhm kam aber auch eine große Verantwortung, denn die Pferde waren damals die wertvollsten Tiere der Region. Wenn ein Pferd aufgrund der Unachtsamkeit des Csikós verletzt wurde oder starb, dann hatte dies dramatische finanzielle Auswirkungen. Generell waren die Csikós aber dafür bekannt, ihre Pferde sehr gut zu behandeln und auch dafür zu sorgen, dass es ihnen gut ging. Das Leben des Csikós und seine besondere Berufsbekleidung werden daher näher betrachtet.

Hirtenausstellung:

Der Rinderhirt war zwar in der Rangordnung niedriger als der Pferdehirt, das Hirtenmuseum von Hortobágy widmet aber auch ihm zahlreiche Exponate. Dieser Berufszweig brachte viele Herausforderungen mit sich, die sich teilweise stark von jenen der anderen Gruppen unterschieden. Die Gulyás waren manchmal mehrere Wochen mit ihren Rindern unterwegs und mussten daher mit einer begrenzten Menge an Wasser und Nahrung auskommen. Aber auch die Rinder waren auf die Ortskenntnis des Hirten angewiesen, um sicher und schnell zu den Ziehbrunnen der Puszta zu gelangen. Neben dem Alltag wird auch erläutert, wie die Hirten den Gulaschkessel verwendeten, der heute fast schon ein Symbol der Gegend ist.

Zusammenfassung:

Mit der Entwicklung in einen touristisch relevanten Ort hat die Gemeinde von Hortobágy einen wichtigen Schritt getan und das Hirtenmuseum von Hortobágy eröffnet. Die Ausstellung besitzt genau die richtige Größe, da es sich auf das Wesentliche des 19. Jahrhunderts konzentriert. Die Exponate sind interessant zusammengestellt und die Zusatzinformationen runden das Erlebnis ab. In der Gegend ist das Hirtenmuseum von Hortobágy die einzige Informationsquelle, die das Leben der Hirten beschreibt und wichtige Elemente hervorhebt. Natürlich kennen viele Menschen die Puszta als romantische Steppengegend, doch ein Besuch im Museum zeigt auch, welche Schwierigkeiten das heutige Weltkulturerbe mit sich brachte, und wie man dennoch ein adäquates Leben führen konnte. Deshalb ist das Hirtenmusem von Hortobágy ein besonderer Tipp, wenn man sich den Nationalpark ansehen möchte, oder in der Umgebung einen Urlaub verbringt.

Karte vom Hirtenmuseum in Hortobágy